Ölpreise steigen: Houthi-Angriff trifft saudische Raffinerie Ras Tanura
Brent-Rohöl klettert auf 115,54 US-Dollar, WTI auf 101,39 US-Dollar, nachdem die Houthi-Rebellen einen Angriff auf die Raffinerie Ras Tanura gemeldet haben.

Die Ölpreise verzeichneten am Mittwoch einen Anstieg von über 1,5 Prozent. Auslöser war ein gemeldeter Raketenangriff der vom Iran unterstützten Houthi-Rebellen aus dem Jemen auf die größte saudische Ölraffinerie in Ras Tanura. Brent-Rohöl stieg auf 115,54 US-Dollar pro Barrel, die US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) legte auf 101,39 US-Dollar zu. Damit erholte sich der Markt von den Verlusten der vorangegangenen zwei Handelstage.
An den beiden Tagen zuvor hatten Investoren noch auf Signale einer diplomatischen Entspannung gesetzt und die Notierungen entsprechend gedrückt. Der nun gemeldete Angriff auf die Anlage in Ras Tanura durchkreuzte diese Hoffnung. Der Houthi-Militärsprecher Yahya Saree behauptete, der Angriff auf die Raffinerie mit einer Kapazität von 550.000 Barrel pro Tag habe ein Feuer verursacht.
Saudi-Arabien bestätigte den Angriff auf die Anlage zunächst nicht offiziell. Bloomberg berichtete jedoch unter Berufung auf informierte Kreise, dass die saudischen Behörden ein Feuer in der Nähe des Terminals unter Kontrolle gebracht hätten. Die Angaben stammen aus einem Bericht der Nachrichtenagentur Investing.com.
Die Details
Nach Angaben der Houthis beschränkten sich die Attacken nicht auf Ras Tanura. Gemeldet wurden weitere Angriffe auf militärische Transportflugzeuge in Najran, einen Luftwaffenstützpunkt in Khamis Mushait, das Verteidigungsministerium in Riad sowie den Flughafen Abha. In Riad kam es nach der Abfangung zweier ballistischer Raketen durch die saudische Koalition zu Sachschäden durch herabfallende Trümmerteile.
Im Zentrum der aktuellen Eskalation steht die Raffinerie in Ras Tanura mit ihrer Verarbeitungskapazität von 550.000 Barrel pro Tag. Sie gilt als größte Ölraffinerie Saudi-Arabiens. Über Ras Tanura und Yanbu werden die Energieexporte des Königreichs maßgeblich abgewickelt, was die Anlagen zu besonders sensiblen Zielen für Angriffe macht.
Die Houthis nehmen nach Darstellung des Berichts weiterhin kritische Infrastruktur ins Visier, darunter die Ost-West-Pipeline. Diese Leitung dient als Ausweichroute zur Straße von Hormus, dem wichtigsten Seeweg für den Ölexport der Region. Die anhaltenden Angriffe verdeutlichen damit die Verwundbarkeit der saudischen Energieexporte.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuelle Zuspitzung ist Teil einer länger anhaltenden Serie von Angriffen auf saudische Energieanlagen. Bereits am 07.09.2026 berichtete aktien.news, dass die Ölpreise nach einem Houthi-Angriff auf die Infrastruktur des saudischen Ölkonzerns Saudi Aramco in der Stadt Jizan gestiegen waren. Betroffen war damals eine der größten Raffinerien des Landes mit einer Kapazität von 400.000 Barrel pro Tag; WTI verteuerte sich um 0,8 Prozent auf 92,17 US-Dollar, Brent legte um rund 1,2 Prozent auf 97,40 US-Dollar zu.
Am 15.09.2026 meldete aktien.news einen weiteren Anstieg der Ölpreise nach neuen Houthi-Angriffen auf Saudi-Arabien sowie iranischen Angriffen auf Schiffe im Golf. Brent stieg damals um 1,7 Prozent auf 107,48 US-Dollar, WTI um 1,79 Prozent auf 103,20 US-Dollar. Saudi-Arabien hatte seine kritische Ost-West-Pipeline geschlossen, die an der Straße von Hormus vorbeiführt, nachdem Drohnen aus dem Irak Schäden verursacht hatten.
Am 05.10.2026 berichtete aktien.news, dass die Ölpreise gestiegen waren, nachdem die Houthi-Rebellen ballistische Raketen und Drohnen auf Standorte von Saudi Aramco in Riad und im Gebiet Khurais abgeschossen hatten. Die Brent-Futures kletterten damals um 81 Cent beziehungsweise 0,79 Prozent auf 103,06 US-Dollar pro Barrel, WTI notierte bei 91,57 US-Dollar. Zwei Tage später, am 07.10.2026, legte Brent um 0,93 Prozent auf 101,52 US-Dollar zu, WTI um 0,81 Prozent auf 90,16 US-Dollar, nachdem erneut Angriffe der Houthis die Sorgen um die Rohstoffströme aus dem Nahen Osten verstärkt hatten.
Was das für Anleger bedeutet
Für Anleger an den Rohstoffmärkten bleibt die Lage fragil. Analysten der ING betonen, dass der Markt derzeit eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine weitere Eskalation einpreist. Die Unsicherheit wird durch Spekulationen über eine mögliche militärische Kampagne der USA gegen den Iran nach den US-Zwischenwahlen am 3. November verstärkt.
Die Eskalation überschattet zugleich die jüngsten diplomatischen Bemühungen. Erst am Montag hatten Vertreter Saudi-Arabiens, der Türkei und Pakistans in Teheran Gespräche mit iranischen Offiziellen geführt, um regionale Spannungen abzubauen. Ägypten signalisierte zudem Unterstützung für Saudi-Arabien und autorisierte sein Militär, bei Bedarf zur Verteidigung des Königreichs einzugreifen.
Zusätzliche Unterstützung erhielten die Ölpreise durch Daten des American Petroleum Institute (API). Diese wiesen einen Rückgang der US-Rohölbestände um 2,03 Millionen Barrel für die Woche bis zum 23. Oktober aus – entgegen den Erwartungen eines Anstiegs. Sinkende Lagerbestände bei gleichzeitig steigenden geopolitischen Risiken gelten an den Märkten traditionell als preistreibend.
Auch die Politik der OPEC+ rückt wieder in den Fokus. Es wird erwartet, dass die Gruppe bei ihrem Treffen am Sonntag die Produktionsziele für Dezember beibehält. Dafür spricht, dass die Förderung vieler Kernmitglieder bereits unter den aktuellen Zielvorgaben liegt.
Ausblick
Der Markt wartet nun auf die offiziellen Daten der Energy Information Administration (EIA) zu den US-Rohölbeständen. Sie gelten als wichtiger Indikator für die kurzfristige Angebots- und Nachfragelage und können die Notierungen nach dem API-Vorbericht noch einmal bewegen.
Parallel richtet sich der Blick auf das OPEC+-Treffen am Sonntag, bei dem über die Produktionsziele für Dezember entschieden wird. Eine Bestätigung der aktuellen Vorgaben gilt als wahrscheinlich. Kurzfristig bleibt zudem die politische Agenda in den USA relevant: Nach den Zwischenwahlen am 3. November könnte sich nach Einschätzung des Marktes die Haltung Washingtons gegenüber dem Iran verändern.
Kurz erklärt
- Brent-Rohöl: Die weltweit wichtigste Referenzsorte für Rohöl aus der Nordsee, an der sich viele Ölgeschäfte orientieren.
- WTI: West Texas Intermediate, die US-amerikanische Referenzsorte für Rohöl mit Lieferort in den Vereinigten Staaten.
- API: Das American Petroleum Institute, ein US-Branchenverband, der wöchentlich erste Schätzungen zu den Rohölbeständen veröffentlicht.
- OPEC+: Ein Zusammenschluss der OPEC-Staaten mit weiteren wichtigen Förderländern, der gemeinsame Produktionsziele festlegt.
