Trump rühmt Rekordgewinne der Ölkonzerne - Verbraucher zahlen teures Benzin
Während der Präsident die Gewinne der US-Energiebranche feiert, stehen amerikanische Autofahrer vor dem teuersten Benzinjahr aller Zeiten.

US-Präsident Donald Trump preist die Gewinne der amerikanischen Energieunternehmen, während die Verbraucher im Land vor dem teuersten Benzinjahr ihrer Geschichte stehen. Ein Bericht des Kongresses zeigt, dass das Öl- und Gasportfolio von Trump in diesem Jahr deutlich gestiegen ist. Gleichzeitig führt der breitere Energiesektor den S&P 500 an.
Trump lässt nicht davon ab, die Gewinne zu preisen, die US-Energieunternehmen während des Iran-Krieges gemacht haben. Er wirbt damit im ganzen Land für republikanische Kandidaten vor den Zwischenwahlen, die in der kommenden Woche stattfinden. "Das US-Öl- und -Gasgeschäft macht Hunderte von Milliarden Dollar", sagte Trump am Samstag bei einer politischen Versammlung in Perry im Bundesstaat Georgia. Die Aussage ist in einer Transkription seiner Rede auf Roll Call dokumentiert.
Die Quelle des Berichts ist MarketWatch, veröffentlicht am 27. Oktober 2026. Der Bericht des Kongresses und Trumps Auftritt fallen in eine Phase, in der sich die Interessen der Energiebranche und die der Verbraucher immer weiter auseinanderentwickeln.
Die Details
Im Mittelpunkt der aktuellen Berichterstattung steht der Bericht des Kongresses, wonach das Öl- und Gasportfolio von Trump in diesem Jahr deutlich an Wert gewonnen hat. Parallel dazu führt der breitere Energiesektor den S&P 500 an — der US-Leitindex wird also maßgeblich von Energieaktien getragen. Trump selbst verbindet diese Entwicklung mit dem Iran-Krieg, in dessen Verlauf die US-Energieunternehmen erhebliche Gewinne erzielt haben.
Bei der politischen Versammlung in Perry, Georgia, am Samstag sagte der Präsident laut der Transkription auf Roll Call: "Das US-Öl- und -Gasgeschäft macht Hunderte von Milliarden Dollar." Die Veranstaltung fand im Rahmen seiner Wahlkampftour für republikanische Kandidaten statt. Die Zwischenwahlen stehen in der kommenden Woche an.
Auffällig ist die Doppelrolle des Präsidenten: Einerseits rühmt er die Gewinne der Branche, andererseits stehen die Verbraucher vor dem teuersten Benzinjahr aller Zeiten. Diese Spannung zieht sich durch die gesamte Berichterstattung der vergangenen Monate.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 08.03.2026 berichtete aktien.news, dass der eskalierende US-Militärkonflikt mit dem Iran für massive Verwerfungen an den Energiemärkten sorgte. Der US-Rohölpreis sprang von 67 US-Dollar pro Barrel vor Konfliktbeginn auf über 90 US-Dollar — ein Anstieg von mehr als 34 Prozent. Auch der internationale Referenzpreis Brent Crude überschritt die Marke von 90 US-Dollar pro Barrel. Der nationale Durchschnittspreis für Benzin stieg um mehr als 35 Cent pro Gallone gegenüber der Vorwoche und lag nun bei rund 3,38 US-Dollar pro Gallone.
Am 25.04.2026 berichtete aktien.news über eine Reuters/Ipsos-Umfrage, wonach rund 77% der registrierten US-Wähler Präsident Trump zumindest teilweise für den jüngsten Anstieg der Benzinpreise verantwortlich machten. Die Benzinpreise waren seit Kriegsbeginn auf etwa 4 US-Dollar pro Gallone gestiegen — ein Dollar mehr als vor Kriegsbeginn. 95% der Demokraten, 82% der unabhängigen Wähler und 55% der republikanischen Wähler teilten diese Einschätzung.
Am 03.07.2026 berichtete aktien.news, dass US-Ölkonzerne vor ihren stärksten Quartalsgewinnen seit Jahren standen. Branchenriesen wie Exxon Mobil und Chevron dürften Gewinne für das zweite Quartal ausweisen, die mehr als das Dreifache des Niveaus aus dem ersten Quartal betragen. Ausgelöst wurde der Preisanstieg durch den US-israelischen Krieg gegen den Iran, der Ende Februar begann und das weltweite Kraftstoffangebot deutlich verknappte.
Am 04.08.2026 berichtete aktien.news, dass Trump seinen Druck auf die großen amerikanischen Ölkonzerne deutlich erhöht hatte. In einem Gespräch mit Reportern im Oval Office erklärte er, Chevron und Exxon Mobil würden "zu viel Geld verdienen" und sollten einen Teil ihrer Gewinne in Form niedrigerer Benzinpreise an die Verbraucher weitergeben. "Wenn man sich ein Unternehmen ansieht, das das Zwölffache dessen verdient hat, was es im Vorjahr verdient hat, dann sollten sie einen Teil davon an die Öffentlichkeit zurückgeben", sagte Trump.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Entwicklung vor allem deshalb relevant, weil der Energiesektor derzeit den S&P 500 anführt. Wer in US-Energieaktien oder breite US-Indizes investiert ist, profitiert also maßgeblich von der Stärke der Öl- und Gasbranche. Diese Stärke speist sich aus dem Iran-Krieg und der dadurch ausgelösten Verknappung des weltweiten Kraftstoffangebots.
Zugleich zeigt der historische Verlauf, dass die Branche politisch unter Druck geraten kann. Bereits im August hatte Trump die großen Ölkonzerne öffentlich kritisiert und von ihnen niedrigere Benzinpreise verlangt. Solche politischen Eingriffe können die Bewertung von Energieaktien belasten, auch wenn die fundamentalen Gewinnzahlen stark bleiben.
Ein weiterer Faktor ist die Stimmung der Wähler. Die Umfrage vom April zeigte, dass eine parteiübergreifende Mehrheit Trump für die gestiegenen Benzinpreise verantwortlich machte. Vor den Zwischenwahlen in der kommenden Woche dürfte der Druck auf die Politik, auf die Preise einzuwirken, weiter zunehmen. Anleger sollten diese politische Komponente bei ihren Überlegungen berücksichtigen.
Ausblick
Der unmittelbar nächste Termin sind die Zwischenwahlen in der kommenden Woche, für die Trump derzeit im ganzen Land für republikanische Kandidaten wirbt. Wie sich der Iran-Krieg und die daraus resultierende Verknappung des Kraftstoffangebots weiter auf die Öl- und Benzinpreise auswirken, ist offen. Der Bericht des Kongresses zum Öl- und Gasportfolio von Trump sowie die anhaltende Stärke des Energiesektors im S&P 500 dürften auch nach der Wahl im Fokus bleiben.
Kurz erklärt
- S&P 500: Der wichtigste US-Aktienindex, der die Entwicklung der größten börsennotierten amerikanischen Unternehmen abbildet.
- Barrel: Die international übliche Mengeneinheit für Rohöl.
- Gallone: Die in den USA gebräuchliche Maßeinheit für Kraftstoff an der Zapfsäule.
