Nvidia startet größten Aktienrückkauf der Geschichte über 150 Milliarden
Nvidia kündigt den größten Aktienrückkauf der Geschichte an – doch Analysten halten 150 Milliarden US-Dollar für zu wenig.

Nvidia hat ein Aktienrückkaufprogramm über 150 Milliarden US-Dollar aufgelegt. Wie das Unternehmen in einer Pressemitteilung bekannt gab, handelt es sich um das größte Programm der Geschichte. Dem Verwaltungsrat stehen damit derzeit rund 250 Milliarden US-Dollar für den Rückkauf eigener Aktien zur Verfügung.
In der aktuellen Folge des Podcasts "Motley Fool Hidden Gems Investing" diskutierten die Motley-Fool-Beitragsschreiber Tyler Crowe, Lou Whiteman und Rachel Warren über die Tragweite dieser Entscheidung – und äußerten überraschend deutliche Kritik. Denn gemessen an der Größe des Unternehmens falle die Summe erstaunlich klein aus.
Kritik am Volumen: "150 Milliarden? Gähn"
Crowe bezog gleich zu Beginn eine klare Position: "Ich halte dieses Volumen für weit zu gering." Angesichts eines Unternehmens mit einer Marktkapitalisierung von rund fünf Billionen US-Dollar sollte ein Rückkaufprogramm seiner Ansicht nach mindestens fünf Prozent der Marktkapitalisierung entsprechen. "Wenn Sie Anleger beeindrucken wollen, scheuen Sie nicht davor zurück, etwas Hebelwirkung einzusetzen", so Crowe.
Lou Whiteman reagierte mit Humor auf die Zahlen. Zwar habe Nvidia endlich die Dividende von einem Cent pro Aktie abgeschafft, doch das Gesetz der großen Zahlen werde hier völlig außer Kraft gesetzt. Sein Fazit zu den 150 Milliarden: "Gähn."
Rachel Warren ordnete die Zahl dagegen nüchtern ein. Es sei zwar das größte Programm der Geschichte, entspreche aber nur rund zwei Prozent der Marktkapitalisierung. Nvidia generiere enorme Cashflows aus dem Ausbau der KI-Infrastruktur und verfüge über mehr Kapital, als es logistisch sinnvoll in Forschung und Entwicklung reinvestieren könne. "Ich denke, dies ist eine Möglichkeit, wie sich das zeigt."
Nvidias KI-Sicherheitsoffensive
Zugleich veröffentlichte Nvidia eine zweite Pressemitteilung zum Thema KI-Sicherheit. Das Unternehmen stellte dabei ein Open-Source-Rahmenwerk namens OpenShell sowie einen Hardware-Wachhund namens Sentry vor. Diese Tools sollen bösartige Software innerhalb von Millisekunden isolieren können. OpenShell soll – wie der Name andeutet – quelloffen sein und auch rivalisierende Plattformen von ARM und Intel unterstützen.
Warren sieht darin den Versuch, einen universellen Industriestandard für Sicherheit zu etablieren und die Risikoschwelle für die Unternehmensadaption zu senken, bevor Regulierungsbehörden oder Sicherheitsteams die Bereitstellung autonomer KI-Agenten ausbremsen. Sie verwies auf den hochkarätigen Vorfall bei Hugging Face. CEO Jensen Huang habe klargemacht, nicht auf staatliche Regulierung warten zu wollen, und KI-Sicherheit als technisches Problem auf Hardware- und Plattformebene dargestellt.
Lou Whiteman vermutete hinter dem Timing der Ankündigungen auch strategisches Kalkül: Man verpacke schlechte Nachrichten in gute. Nvidia habe zuletzt kaum noch Wege gefunden, den Markt zu beeindrucken. Der Kurs habe seit dem Frühling im Wesentlichen nichts getan, und selbst erstaunliche Ergebnisberichte würden nur noch mit "Ja" quittiert. Der große Aktienrückkauf sei ein weiterer, womöglich gescheiterter Versuch zu sagen: "Erinnert euch an uns, wir sind immer noch wirklich gut."
Bewertung, Risiken und zirkuläre Finanzierung
Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa 18 auf die Gewinnprognosen des kommenden Jahres handelt Nvidia derzeit zur günstigsten Bewertung seit einem Jahrzehnt. Crowe wunderte sich über diese Diskrepanz: Der Markt sei irrational, aber nicht dumm – womöglich baue sich ein Risiko auf, das viele nicht sehen.
Warren nannte als einen zentralen Punkt die zirkuläre Finanzierung. Nvidia operiere im Wesentlichen wie eine Zentralbank für einen Großteil der KI-Branche. Das Unternehmen habe offengelegt, dass der aggregierte vertraglich festgelegte Wert von Anthropic bei Nvidia-gestützten Cloud-Entitäten allein 180 Milliarden US-Dollar übersteige. Die Bilanz umfasse 13 öffentliche Beteiligungen, über 200 private Beteiligungen sowie 20 Milliarden US-Dollar an Datenzentrum-Leasingverpflichtungen. Sollte sich der Ausbau verlangsamen, könnte dieser Mechanismus besorgniserregend werden.
Ein weiteres Risiko sieht Warren in den Abschreibungszyklen: Hyperscaler schrieben KI-GPUs über aggressive Zeiträume von drei bis fünf Jahren ab und gingen von ständigen Milliarden-Upgrades aus. Sollte sich ältere Hardware für die meisten Inferenz-Arbeitslasten als ausreichend erweisen, könnte sich dieser Upgrade-Zyklus deutlich verlangsamen – Nvidia würde so aus seinem eigenen Upgrade-Zyklus herausgefroren.
Whiteman ergänzte, dass Google, Amazon, Microsoft, Meta und OpenAI alle zumindest versuchten, eigene Chips zu entwickeln. Auch wenn niemand den Geschäftsverkehr mit Nvidia einstellen werde, könnte der wachsende Wettbewerb eine Obergrenze für das Wachstum setzen. Zudem habe der Gewinn je Aktie 2023 noch unter einem Dollar gelegen, heute liege er bei acht Dollar – die Frage sei, wie lange dieses Niveau zu halten ist.
Verteidigungs- und Sicherheitstechnik: Chancen und Fallstricke
Im weiteren Verlauf der Folge wandten sich die Analysten dem Verteidigungs- und Sicherheitssektor zu. Beispielhaft nannten sie REDLattice, ein Cybersicherheitsunternehmen, das über eine Fusion mit Bold Eagle Acquisition Corp. an die Börse gehen will. Der Abschluss wird gegen Ende 2026 erwartet, das Unternehmen wird mit rund 1,25 Milliarden US-Dollar bewertet. Crowe beschrieb es als Konkurrenten zu Axon Enterprise und Cellebrite bei der Entschlüsselung von Geräten. Er deutete dies als Indikator für eine Verschiebung der Markteinstellung gegenüber Defense-Tech- und Raumfahrtunternehmen. Nach Jahrzehnten der Konsolidierung erwartet er eine Welle von Börsengängen, darunter auch solche geringerer Qualität – ähnlich wie bei den SPACs im FinTech- und Consumer-Tech-Bereich 2021.
Whiteman erklärte, warum Unternehmen den SPAC-Weg wählen: Bei einer Fusion erlauben die SEC-Regeln deutlich mehr Aussagen über die Zukunft als bei einem klassischen IPO – ideal für Startups ohne lange Vergangenheit. Als Auswahlkriterien nannte er die Nähe zu den sogenannten Primärkontrahenten ("Primes") wie Lockheed Martin oder Northrop Grumman, die direkten Zugang zum Pentagon haben. Zudem brauche es Führungspersonal mit Regierungserfahrung und eine große Belegschaft mit Sicherheitsfreigaben. "Ich will keine Typen aus Silicon Valley mit einer Idee", so Whiteman.
Warren warnte davor, von einem erfolgreichen Prototyp oder Forschungsgrant auf ein offizielles Programm zu schließen. Viele junge Firmen verbrannten ihre Kapitalreserven und brächen zusammen, während sie zwei bis drei Jahre oder länger darauf warteten, dass das Pentagon volle Produktionsmittel im Bundeshaushalt zuweist. Erschwerend komme hinzu, dass die profitabelsten Geschäftsbereiche oft in klassifizierte Programme eingebunden seien, deren Details das Management nicht offenlegen dürfe. Anleger müssten daher künftige Einnahmen modellieren, ohne die genauen Vertragsbedingungen, Kundenidentitäten und zugrunde liegenden Unit Economics zu kennen.
