Nvidia-gestütztes Nscale verhandelt mit Anthropic über neuen 45-Milliarden-Dollar-Deal
Der Rechenzentrumsentwickler Nscale führt Gespräche über den Verkauf von KI-Rechenleistung an Claude-Hersteller Anthropic im Wert von rund 45 Milliarden Dollar.

Der Rechenzentrumsentwickler Nscale führt Verhandlungen über den Verkauf von KI-Rechenleistung an den Claude-Hersteller Anthropic. Wie eine mit der Angelegenheit vertraute Person am Montag gegenüber Reuters erklärte, könnte der neue Deal ein Volumen von etwa 45 Milliarden Dollar erreichen. Damit würde sich die Zusammenarbeit der beiden Unternehmen deutlich ausweiten.
Nach Angaben der Quelle strebt Nscale einen weiteren großen Vertrag mit dem KI-Labor an, der eine zweite Einrichtung auf dem Monarch-Rechenzentrums-Campus in West Virginia umfassen soll. Erst im August hatte Anthropic einen Deal abgeschlossen, um 45 Milliarden Dollar für die Anmietung von KI-Cloud-Rechenleistung aus demselben Campus zu zahlen.
Anthropic reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage von Reuters nach einer Stellungnahme. Die Gespräche laufen laut der Person noch, und die Details des Plans könnten sich noch ändern.
Die Details
Das zweite Gebäude des Monarch-Campus würde nach Angaben der Quelle 460 Megawatt Rechenleistung bereitstellen. Diese Kapazität soll auf den fortschrittlichen Vera-Rubin-KI-Chips von Nvidia basieren. Nvidia ist damit erneut der zentrale Technologiepartner für die Expansion des Standorts.
Zusätzlich habe Anthropic ein vorrangiges Kaufrecht für den erwarteten dritten Bauabschnitt von Monarch, sagte die Person. Bloomberg, das die Nachricht zuerst berichtet hatte, meldete ebenfalls, eine Gruppe von Investoren habe Anthropic gedrängt, seine Bewertungsziele für den Börsengang (IPO) zu senken. Hintergrund sei eine Reihe von Rückschlägen am Markt für KI-Unternehmen.
Investoren haben die Prüfung von Unternehmen verschärft, die ihre Infrastrukturausbaustrategien im KI-Bereich zunehmend durch Schulden finanzieren. Letzte Woche sanken die Aktienkurse des Nscale-Wettbewerbers CoreWeave angesichts der Bedenken hinsichtlich seiner 50 Milliarden Dollar hohen Schuldenlast. Das befeuerte einen globalen Ausverkauf von KI-Aktien.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 19.09.2026 berichtete aktien.news, dass sich der Sektor der KI-Infrastruktur in einer Phase extremer Volatilität und systemischer Herausforderungen befindet. Damals hieß es, Nscale strebe trotz eines schwierigen Marktumfelds den Börsengang an, während Branchengrößen wie Oracle mit regulatorischen Hürden und OpenAI mit einem gigantischen Kapitalbedarf kämpften. Nscale, ein in London ansässiger Anbieter von KI-Cloud-Diensten, hat dem Bericht zufolge offiziell den Börsengang an der New York Stock Exchange eingeleitet. Das erst 2024 aus der Bitcoin-Mining-Gruppe Arkon Energy hervorgegangene Unternehmen strebte eine Bewertung von bis zu 35 Milliarden US-Dollar an – trotz eines Nettoverlusts von einer Milliarde US-Dollar.
Am 21.09.2026 meldete aktien.news, dass Nscale bei der US-Börsenaufsicht SEC die Registrierung für einen Börsengang in New York eingereicht hat. Das Unternehmen, das im Bereich der Künstlichen Intelligenz als sogenannte „Neocloud“ firmiert, strebt dabei eine Bewertung von rund 30 Milliarden Dollar an. Nscale reichte dem Bericht zufolge am späten Freitag seine S-1-Registrierung ein und plant die Aufnahme von bis zu drei Milliarden Dollar. Damit tritt das Unternehmen gegen etablierte Konkurrenten wie CoreWeave (CRWV) und Nebius (NBIS) an.
Auch die Beziehungen zwischen Anthropic und anderen Cloud-Anbietern waren bereits Thema. Am 18.07.2026 berichtete aktien.news über einen möglichen Cloud-Deal zwischen Meta und Anthropic im Wert von bis zu 10 Milliarden Dollar. Am 19.07.2026 folgte der Bericht, dass Meta und der KI-Entwickler Anthropic erste Gespräche über einen milliardenschweren Rechenzentrum-Deal führen. Laut mit der Angelegenheit vertrauten Personen könnte das Geschäft über einen Zeitraum von zwei Jahren bis zu 10 Milliarden US-Dollar wert sein – zahlbar in monatlichen Raten. Die Gespräche befanden sich jedoch noch in einem frühen Stadium, und ein Abschluss war nicht garantiert.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Nachricht vor allem vor dem Hintergrund der aktuellen Marktlage relevant. Die Nachrichten über eine potenzielle Zusammenarbeit kamen nach dem Rückzug von Microsoft aus einem Deal, der als Anker für ein Flaggschiff-Rechenzentrum für Nscale dienen sollte. Grund waren Verzögerungen bei der Stromanschlussversorgung, die das erwartete Lieferdatum in die 2030er Jahre verschoben hatten.
Nscale ist seit dem Start rapide gewachsen und hat seinen gesamten gebundenen Wert von 100 Millionen Dollar auf mehr als 103 Milliarden Dollar in zweieinhalb Jahren erhöht. Dabei konkurriert das Unternehmen mit Nebius, Crusoe und Lambda. Laut dem Nscale-Prospekt sollen Microsoft und Anthropic in Zukunft die wichtigsten Kunden des Unternehmens sein. Diese Kundenkonzentration ist ein zentraler Punkt, den Anleger bei der Bewertung des Geschäftsmodells im Blick behalten sollten.
Gleichzeitig zeigt die Diskussion um die IPO-Bewertung von Anthropic, dass der Markt sensibler auf Schuldenfinanzierung und Bewertungsniveaus reagiert. Der Ausverkauf bei KI-Aktien nach den CoreWeave-Zahlen verdeutlicht diese Nervosität.
Ausblick
Die Gespräche zwischen Nscale und Anthropic laufen nach Angaben der Quelle noch, und die Details des Plans könnten sich ändern. Ein Abschluss ist damit nicht gesichert. Sollte der Deal zustande kommen, würde er sich an den bereits im August vereinbarten Vertrag über 45 Milliarden Dollar anschließen.
Für Nscale steht zudem der bereits eingeleitete Börsengang in New York im Raum. Laut dem früheren Bericht von aktien.news strebt das Unternehmen eine Bewertung von rund 30 Milliarden Dollar an und plant die Aufnahme von bis zu drei Milliarden Dollar. Wie sich die jüngsten Marktturbulenzen auf dieses Vorhaben auswirken, bleibt abzuwarten.
Kurz erklärt
- Neocloud: Bezeichnung für junge Cloud-Anbieter, die sich auf KI-Rechenleistung und Hochleistungs-Infrastruktur spezialisiert haben.
- Vorrangiges Kaufrecht: Ein vertraglich gesichertes Recht, eine Sache vor anderen Interessenten erwerben zu können.
- Börsengang (IPO): Der erstmalige Verkauf von Aktien eines Unternehmens an der Börse.
