OpenAI eilt zu 30 Milliarden US-Dollar vor Anthropic-Börsengang
Der ChatGPT-Hersteller will sich Investorenzusagen sichern, bevor Rival Anthropic Mitte November an die Börse geht.

OpenAI beschleunigt seine Kapitalbeschaffung. Der Hersteller von ChatGPT will sich Investorenzusagen sichern, bevor der Rivale Anthropic voraussichtlich Mitte November an die Börse geht. Wie Reuters am Montag unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen berichtete, könnte das Unternehmen dabei auf eine Bewertung von mehr als 1,4 Billionen US-Dollar kommen.
Angestrebt werden rund 30 Milliarden US-Dollar von Investoren. Zu den bestehenden Unterstützern, die erneut einsteigen sollen, zählen die SoftBank Group (TYO: 9984) und das in Abu Dhabi ansässige MGX. Beide Entwickler künstlicher Intelligenz konkurrieren laut dem Bericht um Kapital von Staatsfonds und großen institutionellen Anlegern.
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. OpenAI will die Zusagen einholen, bevor die finanziellen Offenlegungen von Anthropic im Zuge des Börsengangs direkte Vergleiche zwischen den beiden Unternehmen nahelegen. Damit würde OpenAI Fakten schaffen, bevor der Rivale mit eigenen Zahlen an den Markt tritt.
Die Details
OpenAI wirbt bei Investoren mit einem annualisierten Umsatz von 50 Milliarden US-Dollar. Diesen Wert will das Unternehmen nach dem Start seines Modells GPT-6 Astra bis zum Jahresende auf 70 Milliarden US-Dollar steigern. Das berichtete Reuters unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen.
Zum Vergleich: Der quartalsweise Umsatz von Anthropic stieg im dritten Quartal von 11,6 Milliarden US-Dollar im zweiten Quartal auf 16,8 Milliarden US-Dollar. Das langsamere monatliche Wachstum hat jedoch Fragen hinsichtlich der Bewertung des Unternehmens aufkommen lassen.
OpenAI selbst war im März nach einer Kapitalaufnahme von 122 Milliarden US-Dollar auf 852 Milliarden US-Dollar bewertet worden. Die nun angepeilte Bewertung von mehr als 1,4 Billionen US-Dollar läge deutlich darüber. Bereits im September hatten Investoren dem Unternehmen eine Bewertung von 1,2 Billionen US-Dollar vorgeschlagen.
Der Bericht fällt in ein schwieriges Marktumfeld. Volatile Technologiemärkte, steigende Staatsanleiherenditen und eine zunehmende Prüfung der Schulden, die zur Finanzierung der KI-Infrastruktur aufgenommen werden, erschweren die Ambitionen beider Unternehmen in Richtung Billionen-Dollar-Bewertungen.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 16.09.2026 berichtete aktien.news, dass Investoren von OpenAI dem Unternehmen Vorschläge unterbreitet hatten, um eine neue Finanzierungsrunde anzukurbeln. Das Unternehmen sei jedoch nicht aktiv in Gespräche eingebunden gewesen. Die Financial Times hatte die Informationen zu der potenziellen Runde zuerst veröffentlicht. Investoren schlugen damals eine Bewertung von 1,2 Billionen US-Dollar vor – ein deutlicher Sprung nach oben. Einige Investoren hätten die mögliche Runde zudem als Gelegenheit für Mitarbeiter dargestellt, Aktien zu verkaufen.
Am 30.09.2026 meldete aktien.news, dass die Aktie der SoftBank Group Corp. um 7,0 Prozent auf 6.457 Yen gestiegen war. Auslöser war die Meldung, dass OpenAI eine Finanzierungsrunde über 30 Milliarden US-Dollar bei einer Bewertung von rund 1,4 Billionen US-Dollar anstrebt. SoftBank hatte kürzlich eine Hochzinsanleihe über 11,1 Milliarden US-Dollar abgeschlossen, um seine letzte Tranche der OpenAI-Investition in Höhe von 10 Milliarden US-Dollar zu finanzieren. Bis zum 1. Oktober 2026 wird das Unternehmen voraussichtlich etwa 13 Prozent an OpenAI halten.
Am 09.10.2026 berichtete aktien.news, dass OpenAI Investoren mitgeteilt hatte, sein annualisierter Umsatz habe im September bei knapp 50 Milliarden US-Dollar gelegen – ein Rückgang gegenüber früheren Signalen des Unternehmens. Zuvor hatte OpenAI Investoren auf einer separaten Veranstaltung angedeutet, die Umsatzlaufgeschwindigkeit für den Vormonat nähere sich 70 Milliarden US-Dollar. Die Diskrepanz zwischen den beiden Werten sei hauptsächlich auf den Versuch zurückzuführen, einen direkten Vergleich mit den Zahlen des Wettbewerbers Anthropic herzustellen.
Schon am 27.02.2026 hatte aktien.news über eine Finanzierungsrunde über 110 Milliarden US-Dollar berichtet, mit der OpenAI einen neuen Rekord in der Geschichte privater Technologieunternehmen aufstellte. Amazon steuerte 50 Milliarden US-Dollar bei, Nvidia und SoftBank investierten jeweils 30 Milliarden US-Dollar. Die Pre-Money-Bewertung von OpenAI stieg damit auf 730 Milliarden US-Dollar – ein deutlicher Sprung gegenüber der Bewertung von 500 Milliarden US-Dollar, die noch im Oktober bei einer Zweitmarktfinanzierung erzielt worden war.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger bleibt OpenAI selbst weiterhin nicht direkt investierbar, denn das Unternehmen ist nicht börsennotiert. Ein direkter Zugang zum Wettrennen um KI-Kapital ergibt sich daher vor allem über börsennotierte Beteiligte wie die SoftBank Group, deren Aktie an der Börse in Tokio gehandelt wird. Deren Kurs hatte zuletzt bereits deutlich auf Nachrichten über die OpenAI-Finanzierungsrunde reagiert.
Bemerkenswert ist die Geschwindigkeit der Bewertungsdynamik. Innerhalb weniger Monate stieg die Bewertung von OpenAI von 852 Milliarden US-Dollar im März über den Investorenvorschlag von 1,2 Billionen US-Dollar im September auf nun mehr als 1,4 Billionen US-Dollar. Gleichzeitig zeigt der jüngste Umsatzverlauf, dass die Zahlen nicht nur nach oben weisen: Die annualisierte Umsatzrate lag im September bei knapp 50 Milliarden US-Dollar und damit unter dem zuvor genannten Wert von 70 Milliarden US-Dollar.
Wer in KI-Titel investiert, sollte zudem das Umfeld im Auge behalten. Volatile Technologiemärkte, steigende Staatsanleiherenditen und die wachsende Prüfung der Schulden zur Finanzierung der KI-Infrastruktur erhöhen die Unsicherheit über die Bewertung von Unternehmen, die sich auf dem Weg zu Billionen-Dollar-Bewertungen befinden. Hinzu kommt, dass beide KI-Entwickler um dieselben Kapitalgeber werben – Staatsfonds und große institutionelle Anleger.
Ausblick
Nach dem Reuters-Bericht strebt OpenAI die Zusagen der Investoren vor dem erwarteten Börsengang von Anthropic Mitte November an. Das Unternehmen will seinen annualisierten Umsatz bis zum Jahresende auf 70 Milliarden US-Dollar steigern – ein Ziel, das an den Start des Modells GPT-6 Astra geknüpft ist. Ob die Kapitalbeschaffung über rund 30 Milliarden US-Dollar wie geplant abgeschlossen wird, hängt vom Interesse der Staatsfonds und großen institutionellen Anleger ab, die beide KI-Entwickler umwerben. Zugleich dürften die finanziellen Offenlegungen von Anthropic im Rahmen des Börsengangs neue Vergleichsmaßstäbe setzen.
Kurz erklärt
- Annualisierter Umsatz: Eine Kennzahl, die den Umsatz eines Zeitraums auf ein volles Jahr hochrechnet, um die aktuelle Wachstumsgeschwindigkeit abzubilden.
- Börsengang: Der erstmalige Verkauf von Aktien eines Unternehmens an der Börse.
- Staatsfonds: Staatliche Investmentfonds, die öffentliche Gelder anlegen und häufig in große Technologieunternehmen investieren.
- Pre-Money-Bewertung: Die Bewertung eines Unternehmens vor dem Zufluss neuen Kapitals aus einer Finanzierungsrunde.
