Eric Schmidt hält 1 Prozent an Anthropic vor dem Börsengang
Der frühere Google-CEO investierte in der Series-A-Runde einen zweistelligen Millionenbetrag und zählt damit zu den größten Gewinnern eines möglichen IPOs.

Der ehemalige Google-CEO Eric Schmidt besitzt rund 1 Prozent des KI-Unternehmens Anthropic. Das berichtete Bloomberg News am Montag unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Damit würde Schmidt zu den größten individuellen Gewinnern zählen, sollte das Startup hinter dem Chatbot Claude tatsächlich an die Börse gehen.
Nach Angaben des Berichts hat Schmidt bereits in der Series-A-Finanzierungsrunde von Anthropic mehrere zehn Millionen US-Dollar investiert. Ob er seitdem Teile seines Anteils verkauft hat, ist unklar. Vertreter von Anthropic und Schmidt reagierten zunächst nicht auf Anfragen von Reuters nach einer Stellungnahme.
Der geplante Börsengang von Anthropic dürfte erheblichen Renditen für Frühinvestoren und Mitarbeiter generieren. Bei einem Treffen mit Anlegern diskutierten einige Investoren zuletzt eine Bewertung von rund 1,5 Billionen US-Dollar. Das liegt unter den früheren Erwartungen von etwa 2 Billionen US-Dollar, wie Reuters in der vergangenen Woche berichtete.
Die Details
Schmidts Beteiligung ist bemerkenswert, weil sie ihn in eine Reihe mit den großen strategischen Geldgebern des Unternehmens stellt. Zu den frühen Unterstützern von Anthropic gehören Amazon und Google. Beide Konzerne investierten Milliardenbeträge und stellten die Cloud-Rechenkapazitäten bereit, die für die Entwicklung und den Betrieb der Claude-KI-Modelle erforderlich sind.
Schmidt war von 2001 bis 2011 CEO von Google und anschließend Aufsichtsratsvorsitzender des Mutterkonzerns Alphabet. Diesen Posten gab er im Januar 2018 auf. Seine Investition in Anthropic fällt damit in eine Phase, in der er als einer der prominentesten privaten Technologieinvestoren des Silicon Valley gilt.
In seinem Börsenprospekt, den Reuters im September einsehen konnte, skizzierte Anthropic die Vision, dass künstliche Intelligenz die globale Wirtschaft tiefergreifend transformieren werde als die Industrialisierung, die Elektrizität und das Internet. Diese Selbsteinschätzung ist der Kern der Investmentgeschichte, die das Unternehmen öffentlichen Anlegern verkaufen will.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 06.07.2026 berichtete aktien.news, dass Anthropic im Juni vertraulich einen Antrag auf einen Börsengang gestellt habe. Grundlage dafür war eine Finanzierungsrunde, in der das Unternehmen mit 965 Milliarden US-Dollar bewertet wurde. Damals war von einer möglichen Bewertung von rund einer Billion US-Dollar und einem IPO noch im Herbst die Rede. Der Bericht hob außerdem hervor, dass Alphabet rund 14 Prozent an Anthropic hält.
Am 15.09.2026 meldete aktien.news, dass der IPO womöglich bereits Anfang November abgeschlossen werden könnte und eine Bewertung von rund zwei Billionen Dollar einbringen sollte. Für Privatanleger sei ein direktes Investment in Anthropic zu diesem Zeitpunkt noch nicht möglich gewesen. Amazon und Alphabet hielten Minderheitsbeteiligungen, die bei einem Börsengang erheblich an Wert gewinnen könnten. Zudem erreichte der annualisierte Umsatz im Mai 47 Milliarden Dollar, ein deutlicher Anstieg gegenüber dem im Februar 2026 bekannten Wert.
Am 25.09.2026 berichtete aktien.news über eine geplante neue Unternehmensstruktur. Demnach bittet Anthropic seine Aktionäre um Zustimmung zu einer Regelung, wonach Dario Amodei und sechs Mitgründer zusammen 50,1 Prozent der Stimmrechte erhalten sollen. Eine Gruppe von sieben Personen würde damit dauerhaft die Mehrheit der Stimmrechte auf sich vereinen, unabhängig davon, wie viele Anteile künftig an der Börse gehandelt werden.
Am 29.09.2026 folgte der Bericht, dass der vorliegende Prospekt Ausgabenpläne von 518 Milliarden Dollar darlegt. Die Notierung soll nach den Midterm-Wahlen im November stattfinden. Damit geht Anthropic eine massive Wette darauf ein, dass KI die Weltwirtschaft transformieren wird und dass öffentliche Anleger bereit sind, diese Entwicklung durch Kapitalzeichnungen zu finanzieren.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Nachricht aus mehreren Gründen relevant. Erstens zeigt die Beteiligung von Schmidt, dass prominente Technologiegrößen schon in einem frühen Stadium auf Anthropic gesetzt haben. Solche Frühinvestitionen sind für Privatanleger in der Regel nicht zugänglich, weil sie in Finanzierungsrunden vor dem Börsengang stattfinden.
Zweitens bleibt der direkte Einstieg in Anthropic bis zum IPO nicht möglich. Wer indirekt an der Entwicklung teilhaben will, kann dies über die börsennotierten Großaktionäre tun. Amazon und Alphabet halten Minderheitsbeteiligungen an Anthropic und haben zugleich die Cloud-Infrastruktur für die Claude-Modelle bereitgestellt. Diese Beteiligungen könnten bei einem erfolgreichen Börsengang an Wert gewinnen.
Drittens ist die Bewertungsfrage entscheidend. Die zuletzt diskutierte Bewertung von rund 1,5 Billionen US-Dollar liegt unter den früheren Erwartungen von etwa 2 Billionen US-Dollar. Diese Differenz zeigt, dass die Erwartungen an den IPO zuletzt zurückgenommen wurden. Für Anleger bedeutet das: Die Bewertung, zu der Anthropic schließlich an die Börse geht, ist noch offen.
Zu beachten ist außerdem die geplante Stimmrechtsstruktur. Wenn die Gründer dauerhaft 50,1 Prozent der Stimmrechte halten, hätten öffentliche Aktionäre trotz Kapitalbeteiligung kaum Einfluss auf die Unternehmensführung. Das ist ein wichtiger Punkt für alle, die eine Beteiligung an einem solchen IPO erwägen. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Ausblick
Der Börsengang soll nach den Midterm-Wahlen im November stattfinden. Frühere Berichte von aktien.news hatten einen möglichen Abschluss bereits Anfang November ins Spiel gebracht. Die Bewertung, mit der Anthropic an die Börse geht, ist noch nicht abschließend geklärt. Zuletzt diskutierten Investoren eine Bewertung von rund 1,5 Billionen US-Dollar, nachdem zuvor etwa 2 Billionen US-Dollar erwartet worden waren. Ob und wann Schmidt seinen Anteil ganz oder teilweise verkauft, ist offen. Anthropic und Schmidt haben auf Anfragen von Reuters zunächst nicht reagiert.
Kurz erklärt
- Series-A-Finanzierungsrunde: eine frühe Finanzierungsstufe eines Startups, in der erstmals institutionelle Investoren größere Beträge investieren.
- Börsenprospekt: das offizielle Dokument, in dem ein Unternehmen vor dem Börsengang seine Geschäftszahlen, Pläne und Risiken offenlegt.
- Stimmrechte: die Rechte von Aktionären, über die Besetzung von Gremien und wichtige Unternehmensentscheidungen mitzubestimmen.
- Bewertung: der rechnerische Marktwert eines Unternehmens, der sich aus dem Preis ergibt, den Investoren für Anteile zahlen.
