Midterm-Wahlen: Was mit Aktien nach dem Urnengang passiert
Anleger fragen sich, ob das Wahlergebnis die Kurse bewegt – viele Experten sehen nur begrenzten Einfluss auf die Renditen.

Die Amerikaner haben am Dienstag gewählt. Ab morgen müssen sie mit den Nachwirkungen umgehen – und für Anleger stellt sich die zentrale Frage, ob die Ergebnisse der Zwischenwahlen die Kurse bewegen. Auf Ebene der Börse glauben viele Experten, dass das Ergebnis solcher Wahlen nur einen begrenzten Einfluss auf die Renditen hat.
Für Anleger gibt es dennoch zahlreiche Gründe anzunehmen, dass die Wahlergebnisse vom Dienstag Auswirkungen auf die Bundes- und Landespolitik der USA haben könnten. Kurzfristig könnten sie zu Preisänderungen bei bestimmten Aktien führen, die von politischen Entscheidungen profitiert oder geschädigt wurden. Auch Rohstoffe wie Öl und Gold, die von geopolitischen oder wirtschaftlichen Nachrichten beeinflusst werden, sowie Kryptowährungen könnten auf den Ausgang reagieren.
Präsident Donald Trump wird noch die Hälfte seiner Amtszeit zu absolvieren haben, doch die Abstimmungen könnten das Kräfteverhältnis im Kongress verändern. Viele Marktexperten sind jedoch der Ansicht, dass die Frage, wer die Macht innehat, für die Portfolios der Anleger nicht viel bedeuten wird. Der Leitindex S&P 500 beendete am Dienstag seine dreitägige Verlustserie.
BlackRock sieht Aktien in Zwischenwahljahren nicht als Spitzenreiter
Auf Marktebene schrieb BlackRock kürzlich, dass Aktien in Zwischenwahljahren tendenziell nicht die besten Ergebnisse erzielen. Diese Einschätzung relativiert die Erwartung, dass der Urnengang allein für klare Kursgewinne sorgen könnte. Sie sagt allerdings nichts darüber aus, wie sich einzelne Sektoren oder Titel entwickeln.
Die Bespoke Investment Group rät Anlegern zu einem kühlen Kopf
Die Bespoke Investment Group hat zu einem kühlen Kopf geraten und darauf hingewiesen, dass die Aktienmärkte seit der Großen Finanzkrise trotz einer Reihe unterschiedlicher Kombinationen parteilicher Vorherrschaft in Washington weiter gestiegen sind. „Während sich die Macht in Washington DC immer wieder gewechselt hat, gab es eine Konstante: Der S&P 500 ist während jeder der letzten neun Sitzungsperioden gestiegen“, schrieben seine Analysten. Die Aussage stützt die These, dass die parteipolitische Zusammensetzung der Regierung für die langfristige Richtung des breiten Marktes weniger entscheidend ist als andere Faktoren.
Franklin Templeton misst dem Kongress nur geringen Einfluss bei
Franklin Templeton sagte kürzlich, dass unter republikanischen Präsidenten die Zusammensetzung des Kongresses nach den Zwischenwahlen vergleichsweise wenig Einfluss auf die Renditen zu haben scheint. Die durchschnittliche 12-Monats-Rendite für Aktien lag seit den 1950er Jahren bei rund 15% – unabhängig davon, wie die Häuser verteilt waren. Damit liefert das Haus ein historisches Argument gegen die Annahme, dass ein bestimmtes Wahlergebnis zwangsläufig über die Performance entscheidet.
SentimenTrader verweist auf eine saisonale Besonderheit
Laut SentimenTrader ist der Leitindex S&P 500 zwischen dem 1. November eines Zwischenwahljahres und April des folgenden Jahres seit den 1930er Jahren nicht gesunken. Diese Beobachtung beschreibt ein historisches Muster, das sich über viele Jahrzehnte gezeigt hat. Die Quelle selbst schränkt jedoch ein: Historische Präzedenzfälle sind genau das – historische Präzedenzfälle; sie sind keine Prognosen.
Bereits am 27.09.2026 berichtete aktien.news über die Grenzen politischer Prognosen
Bereits am 27.09.2026 berichtete aktien.news, dass US-Zwischenwahlen regelmäßig für Verschiebungen in der Sektorenführung sorgen, die Fiskalpolitik verändern und kurzfristige Marktvolatilität auslösen. Der Bericht betonte zugleich, dass sich die Umwandlung politischer Schlagzeilen in verlässliche Aktienmarktprognosen als hartnäckig schwierig gestaltet. Die Machtverhältnisse im Kongress verschieben sich demnach, doch Vermögenspreise reagieren letztlich auf Zinssätze, Energiekosten und Unternehmensgewinne. Politische Verschiebungen beeinflussen zwar regulatorische Gegenwinde, doch Wahlergebnisse allein bestimmen selten die Richtung des breiteren Marktes.
Bereits am 27.07.2026 berichtete aktien.news, dass Goldman Sachs die Erwartungen an große Marktbewegungen durch das Wahlergebnis selbst dämpft. Die Investmentbank erwartete im Vorfeld der Abstimmung im November eine zunehmende politische Unsicherheit und erhöhte Marktvolatilität, sah das Wahlergebnis aber voraussichtlich nicht als wesentlichen Treiber für die Aktienperformance. Historische Daten stützten diese Einschätzung: US-Aktien tendierten in den Monaten vor den Zwischenwahlen traditionell seitwärts, und der S&P 500 verzeichnete seit 1974 zwischen Anfang August und dem Wahltag eine mediane Rendite von 0%.
Bereits am 23.10.2026 berichtete aktien.news, dass die Strategen der großen Häuser sich uneinig sind, wie sich die Aktienmärkte nach den Zwischenwahlen 2026 entwickeln werden. Ein 10-prozentiger Rückgang an den Aktienmärkten, noch höhere Kraftstoffpreise oder ein Aufschwung bis zum Jahresende gehörten zu den gegensätzlichen Szenarien, die Marktbeobachter entwarfen. Historisch verzeichnen Aktien nach einer Midterm-Wahl oft einige ihrer besten Phasen, doch der Ausgang blieb offen und die Spannbreite der Erwartungen groß.
Bereits am 03.10.2026 berichtete aktien.news, dass die bevorstehenden Midterm-Wahlen am 3. November ihre Schatten auf die Finanzmärkte vorauswerfen. Während Prognosemärkte vor einem möglichen „Worst-Case-Szenario“ für die Wall Street warnten, deutete ein Blick in die Historie darauf hin, dass die Monate Oktober und November für Investoren besonders attraktiv sein könnten. Historische Daten der Carson Group zeigten, dass der Oktober seit 1950 in Jahren von Zwischenwahlen durchschnittlich um 3% und der November um 2,7% zulegte.
Für deutsche Anleger bleibt die Einordnung der eigenen Position entscheidend
Für deutsche Privatanleger, die über ETFs oder Einzelaktien am US-Markt engagiert sind, ist die Botschaft der zitierten Häuser vor allem eine Einordnungshilfe. Die kurzfristigen Preisbewegungen, die von politischen Entscheidungen ausgelöst werden, betreffen einzelne Aktien, Rohstoffe wie Öl und Gold sowie Kryptowährungen – nicht zwangsläufig das gesamte Depot. Wer breit gestreut investiert ist, dürfte von den unmittelbaren Wahleffekten weniger stark betroffen sein als Anleger mit konzentrierten Positionen in regulierungsnahen Branchen.
Zugleich mahnen die historischen Daten zur Vorsicht vor voreiligen Schlüssen. Die Aussagen von BlackRock, Bespoke, Franklin Templeton und SentimenTrader deuten in dieselbe Richtung: Der Ausgang der Wahlen ist ein Faktor unter vielen. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Der Blick richtet sich auf die kommenden Monate
Die im Quelltext genannten Zeiträume reichen über den Wahltag hinaus. SentimenTrader betrachtet den Zeitraum vom 1. November eines Zwischenwahljahres bis April des folgenden Jahres. Franklin Templeton bezieht sich auf die durchschnittliche 12-Monats-Rendite für Aktien. Die Archiveinträge von aktien.news verweisen zudem auf die Midterm-Wahlen am 3. November und auf die Monate Oktober und November als historisch auffällige Phasen. Konkrete Prognosen für die Zeit nach dem Urnengang lassen sich daraus nicht ableiten.
Drei Begriffe helfen bei der Einordnung der Wahlergebnisse
- Zwischenwahlen: Wahlen in den USA, bei denen ein Teil des Kongresses neu bestimmt wird, während der Präsident im Amt bleibt.
- S&P 500: Ein US-Aktienindex, der die Entwicklung von 500 großen börsennotierten Unternehmen abbildet.
- Rendite: Der Ertrag einer Geldanlage, ausgedrückt als prozentualer Zuwachs oder Verlust über einen bestimmten Zeitraum.
