Macau: Glücksspielumsatz fällt im Oktober um zehn Prozent
Der Bruttospielumsatz in Macau sinkt den fünften Monat in Folge, obwohl die Besucherzahlen während der Goldenen Woche deutlich steigen.

Der Bruttospielumsatz in Macau ist im Oktober zum fünften Mal in Folge rückläufig gewesen. Nach Zahlen, die das Amt für Spielkontrolle und -koordination in Macau am Sonntag veröffentlichte, sanken die Einnahmen aus dem Glücksspiel um 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 21,68 Milliarden Patacas (2,68 Milliarden US-Dollar). Das Ergebnis entsprach der medianen Prognose der Analysten.
Der Rückgang fiel ausgerechnet in die chinesische Goldene Woche, traditionell eine der verkehrsreichsten Phasen für die Casinos der Sonderverwaltungszone. Rund 1,14 Millionen Besucher zählte Macau während des Urlaubszeitraums, ein Plus von 15,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die zusätzlichen Gäste führten nach Einschätzung der Analysten bei Jefferies jedoch nicht zu einem entsprechenden Anstieg der Glücksspielausgaben.
Damit liegt der Glücksspielumsatz Macaus etwa 18 Prozent unter dem Niveau von 2019, also vor der Corona-Pandemie. Die Zahlen verdeutlichen die anhaltende Schwäche im High-End-Glücksspielsegment, das im Umfeld des chinesischen Wirtschaftseinbruchs und verschärfter Kontrollen der Auslandsausgaben wohlhabender Bewohner unter Druck steht.
Die schwächere Ausgabebereitschaft wohlhabender Spieler überkompensiert den Besucheranstieg
Genau dieser Mechanismus erklärt das Oktober-Ergebnis: Die schwächere Ausgabebereitschaft wohlhabender Spieler hat den Anstieg der Touristenankünfte während der Goldenen Woche überkompensiert. Das High-End-Segment, in dem einzelne Kunden hohe Summen einsetzen, trägt überproportional zum Umsatz der Betreiber bei – entsprechend stark wirkt sich eine Zurückhaltung dieser Klientel aus. Die breitere touristische Nachfrage reichte nicht aus, um diese Lücke zu schließen.
Der Tourismus selbst blieb dabei robust. Bereits im September verzeichnete Macau 3,2 Millionen Touristenankünfte, ein Anstieg von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Wachstum bei den Besucherzahlen erweist sich damit als relativ widerstandsfähig, während die Ausgabenseite schwächelt. Vollständige Daten zu den Touristenankünften für Oktober werden voraussichtlich erst später im November veröffentlicht.
Ein abkühlender chinesischer Aktienmarkt belastet die Casino-Ausgaben zusätzlich
Ein weiterer Faktor kommt hinzu: Ein abkühlender chinesischer Aktienmarkt hat den Druck auf die Casino-Ausgaben erhöht und einige der Wohlstandseffekte zunichte gemacht, die die Glücksspielnachfrage im vergangenen Jahr gestützt hatten. Die Glücksspielindustrie in Macau profitierte in der zweiten Hälfte von 2025 von einer durch künstliche Intelligenz getragenen Rallye an den Aktienmärkten, die dazu beitrug, die Ausgaben wohlhabender Besucher zu steigern. Diese frühere Erholung hat für die Casino-Betreiber im Jahr 2026 schwierigere Vergleichswerte gegenüber dem Vorjahr geschaffen.
Die anhaltende Verlangsamung betrifft die großen Betreiber der Sonderverwaltungszone. Zu den Unternehmen, die stark von Besuchern aus dem chinesischen Festland abhängen, zählen Sands China, Galaxy Entertainment, Wynn Macau, MGM China und Melco International. Für sie ist der Markt auf dem Festland nicht eine von mehreren Kundengruppen, sondern die zentrale Einnahmequelle.
Bereits am 01.04.2026 berichtete aktien.news über Margensorgen bei Macau-Casinos
Bereits am 01.04.2026 berichtete aktien.news, dass die Bruttospielerträge in Macau im März die Konsensschätzungen übertroffen hatten, das Analysehaus Stifel aber zurückhaltend blieb. Nach Einschätzung der Experten hatte sich der Fokus der Anleger deutlich verschoben: weg vom reinen Umsatzwachstum, hin zu Fragen der Rentabilität und Nachhaltigkeit. Ein zentrales Problem war die Unsicherheit darüber, ob der Umsatzanstieg auf aggressive Werbeausgaben der Betreiber zurückzuführen sei. Solange diese Frage offen bleibe, falle es Investoren schwer, die Qualität der Ergebnisse einzuschätzen. Mit Blick auf die Berichtssaison für das erste Quartal 2026 erwartete Stifel, dass die Margenentwicklung einzelner Betreiber in den Mittelpunkt rückt.
Der Oktober-Befund fügt sich in dieses Bild ein: Ein Umsatzrückgang bei gleichzeitig steigenden Besucherzahlen wirft die Frage auf, wie profitabel das Geschäft der Betreiber derzeit arbeitet. Zur Einordnung der gesamtwirtschaftlichen Lage in China, dem wichtigsten Quellmarkt für Macau, liegen ebenfalls aktuelle Berichte vor. Am 28.09.2026 meldete aktien.news, dass Chinas Industrieunternehmen im August das schwächste Gewinnwachstum des laufenden Jahres verzeichneten: Die Gewinne stiegen im Vergleich zum Vorjahr lediglich um 4,2 Prozent, der vierte Monat in Folge mit einer Abschwächung und das schwächste Ergebnis seit November 2025. Für die ersten acht Monate belief sich das Plus auf 15,7 Prozent, nach 17,6 Prozent im Zeitraum Januar bis Juli.
Am 31.10.2026 berichtete aktien.news zudem, dass die Aktivität im chinesischen verarbeitenden Gewerbe im Oktober überraschend geschrumpft ist. Der offizielle Einkaufsmanagerindex fiel von 50,1 Punkten im September auf 49,3 Zähler und verfehlte damit die 50-Punkte-Marke, die zwischen Wachstum und Schrumpfung unterscheidet. Es war der dritte Rückgang innerhalb von vier Monaten. Für die Nachfrage nach hochpreisigen Glücksspieldienstleistungen in Macau ist die Verfassung der chinesischen Binnenwirtschaft ein wichtiger Frühindikator.
Für deutsche Privatanleger ist die Entwicklung vor allem ein Konjunktursignal
Für deutsche Privatanleger ist der Macau-Bericht in erster Linie ein Konjunktur- und Branchensignal, keine direkte Anlageempfehlung. Wer in Casinowerten engagiert ist oder ein Engagement erwägt, sollte die drei genannten Faktoren im Blick behalten: die Zurückhaltung der wohlhabenden Klientel, die verschärften Kontrollen der Auslandsausgaben in China und die Entwicklung der chinesischen Aktienmärkte. Hinzu kommt der Basiseffekt: Weil die zweite Hälfte von 2025 von einer KI-getragenen Rallye an den Aktienmärkten profitierte, sind die Vergleichswerte für 2026 anspruchsvoller. Ein Umsatzrückgang im Oktober bedeutet daher nicht zwangsläufig eine Eintrübung der Nachfrage, sondern kann auch die Folge eines starken Vorjahres sein.
Auch die regionale Einordnung hilft: Am 14.10.2026 berichtete aktien.news, dass Singapurs Wirtschaft im dritten Quartal 2026 um 5,4 Prozent gewachsen ist – ein Rückgang gegenüber den revidierten 6,2 Prozent des Vorquartals, aber über den Erwartungen von 5 Prozent, die von Reuters befragte Ökonomen prognostiziert hatten. Die Verlangsamung ging auf einen Einbruch in der Fertigungsindustrie zurück, der durch einen Ausbau im Bausektor ausgeglichen wurde. Die Fertigungsindustrie trägt etwa 20 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt des Stadtstaates bei. Die asiatische Konjunktur verliert also an Tempo, ohne vollständig einzubrechen – ein Umfeld, das die Ausgabenfreude vermögender Konsumenten typischerweise dämpft.
Vollständige Oktober-Daten zu den Touristenankünften folgen erst im November
Konkrete Termine nennt der Quelltext nur wenige. Die vollständigen Daten zu den Touristenankünften für Oktober werden voraussichtlich später im November veröffentlicht. Sie dürften zeigen, ob der Besucherzuwachs der Goldenen Woche über den gesamten Monat Bestand hatte. Für die Casino-Betreiber bleibt zudem die Berichtssaison der entscheidende Prüfstein, in der sich zeigt, wie sich Umsatz und Margen tatsächlich entwickeln. Neue Prognosen für den weiteren Jahresverlauf wurden im vorliegenden Bericht nicht genannt.
Drei Fachbegriffe erklären die aktuelle Lage in Macau
- Bruttospielumsatz: Der Bruttospielumsatz ist die zentrale Umsatzkennzahl der Casino-Branche und erfasst die gesamten Einnahmen aus dem Glücksspielbetrieb.
- Goldene Woche: Die Goldene Woche ist ein mehrtägiger chinesischer Feiertagszeitraum, der traditionell zu besonders vielen Reisen und damit zu hohen Besucherzahlen führt.
- High-End-Glücksspielsegment: Das High-End-Glücksspielsegment umfasst vermögende Kunden, die überproportional hohe Beträge einsetzen und damit stark zum Umsatz der Casinos beitragen.
