Microsoft übertrifft eigene Azure-Prognose: Quartalsbericht überzeugt mit 48 Prozent Wachstum
Der Softwarekonzern steigert den Umsatz um 19 Prozent auf 92,3 Milliarden Dollar und wächst im Cloud-Geschäft deutlich schneller als angekündigt.

Microsoft hat am Mittwoch, den 28. Oktober, die Ergebnisse für das erste Finanzquartal 2027 veröffentlicht – also für die drei Monate bis zum 30. September 2026. Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um 19 Prozent auf 92,3 Milliarden Dollar. Der Gewinn je Aktie auf nicht-GAAP-Basis, also bereinigt um Sondereffekte, wuchs um 18 Prozent.
Die Reaktion an der Börse fiel verhalten aus. Die Aktie notiert bei rund 530 Dollar und damit etwa 2 Prozent unter dem Rekord-Schlusskurs von 543,45 Dollar, den sie am 13. Oktober erreicht hatte. Der Autor der bei The Motley Fool erschienenen Analyse hält diese ruhige Reaktion für nachvollziehbar: Das Quartal verband ein starkes Wachstum im Cloud-Geschäft mit einem weiteren deutlichen Anstieg der Ausgaben.
Bewertet wurde der Bericht anhand von drei Aspekten, die für heutige Aktionäre am wichtigsten sind: das Wachstum von Azure im Vergleich zur eigenen Prognose des Unternehmens, die Ausgaben und Margen sowie die Ausblicksprognosen. Das Gesamturteil fällt mit einer A, einer C+ und einer B+ besser aus, als der Autor beim Start erwartet hatte.
Microsoft übertrifft mit Azure die eigene Prognose deutlich
Anfang September engte Microsoft die Definition der Einnahmen aus Azure, seiner Cloud-Computing-Plattform, ein und passte die Prognose entsprechend an. Für das erste Finanzquartal wurde ein Azure-Umsatzwachstum von konstant 44 bis 45 Prozent in konstanten Währungen erwartet. Stattdessen verzeichnete Azure ein Wachstum von 48 Prozent. Dies gelang selbst dann, als einige dritte Rechenzentrumskapazitäten, die Microsoft für das Quartal erwartet hatte, verspätet eingingen.
Die Beschleunigung wird im Quartalsvergleich sichtbar: Unter der neuen Definition wuchs Azure vor einem Jahr um 40 Prozent, im vierten Finanzquartal, das im Juni endete, um 42 Prozent und im Quartal mit September-Abschluss um 48 Prozent. Der Umsatz im Finanzjahr 2026 hatte dabei bereits die Marke von 100 Milliarden Dollar überschritten. „Die Kundennachfrage übersteigt weiterhin das verfügbare Angebot“, sagte CFO Amy Hood während der Telefonkonferenz zu den Ergebnissen des ersten Finanzquartals. Der Autor hatte zuvor geschrieben, dass Microsoft-Aktien seiner Meinung nach davon abhängen, dass Azure weiter schneller als 40 Prozent wächst – diese Hürde wurde mühelos genommen.
Die Kapitalausgaben von 45,2 Milliarden Dollar drücken den Free Cash Flow
Für die Ausgaben und Margen vergibt der Autor die Note C+. Die Kapitalausgaben beliefen sich im ersten Finanzquartal auf 45,2 Milliarden Dollar. Vor einem Jahr lagen sie bei 34,9 Milliarden Dollar, ein Anstieg von rund 30 Prozent, im vierten Finanzquartal bei 41 Milliarden Dollar. Die Gesamtsumme hätte höher ausfallen können, wenn die verzögerte Kapazität pünktlich eingetroffen wäre.
Der Free Cash Flow sank um rund 27 Prozent auf 18,6 Milliarden Dollar, nach 25,7 Milliarden Dollar vor einem Jahr und 19,6 Milliarden Dollar im vierten Finanzquartal. Der Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit kletterte dagegen um 29 Prozent auf 58 Milliarden Dollar. Die operative Marge von Microsoft stieg leicht auf 50 Prozent, nach 49 Prozent vor einem Jahr. Die Bruttomarge von Microsoft Cloud sank jedoch auf 66 Prozent, nach 68 Prozent vor einem Jahr, weil Azure mit geringerer Marge einen größeren Teil der Cloud-Verkäufe ausmachte. Das Geld fließt laut der Analyse in Kapazitäten, die Kunden ohnehin schon nachfragen. Ein schrumpfender Free Cash Flow bei gleichzeitig wachsenden Gewinnen sei dennoch kein Trend, den man deutlich höher bewerten könne.
Microsoft stellt für das zweite Quartal ein Azure-Wachstum von 49 bis 50 Prozent in Aussicht
Den Ausblick bewertet der Autor mit B+. Für das zweite Finanzquartal prognostiziert das Management einen Umsatz zwischen 96 Milliarden und 97,1 Milliarden Dollar, was einem Wachstum von 18 bis 19 Prozent entspricht und damit in etwa auf demselben Niveau wie im ersten Finanzquartal liegt. Wichtiger ist aus Sicht des Autors, dass das Management ein Azure-Umsatzwachstum von konstant 49 bis 50 Prozent in konstanten Währungen erwartet.
Zugleich geht das Management von einem leichten Rückgang der operativen Marge im Jahresvergleich aus. Die Windows-OEM- und Geräteumsätze sollen im mittleren 30-Prozent-Bereich zurückgehen, teilweise wegen einer schwächeren PC-Nachfrage und eines Vorjahresquartals, das durch das Ende des Supports für Windows 10 begünstigt war. Darüber hinaus sollen die Kapitalausgaben im zweiten Finanzquartal 50 Milliarden Dollar überschreiten, wodurch die Ausgaben im Kalenderjahr 2026 auf rund 170 Milliarden Dollar steigen würden. Trotzdem handelt es sich um einen starken Ausblick, weil Azure die Kennzahl ist, die für die Aktie am wichtigsten ist.
aktien.news berichtete am 29.10.2026 von einem nachbörslichen Plus von 4 Prozent
Bereits am 29.10.2026 berichtete aktien.news, dass die Microsoft-Aktie im nachbörslichen Handel um 4 Prozent gestiegen ist. Auslöser war ein Quartalsbericht, der die Erwartungen der Analysten übertraf und vor allem vom Cloud-Geschäft mit einem Azure-Wachstum von 48 Prozent getragen wurde. Damals hieß es, dass Azure inzwischen der größte einzelne Geschäftsbereich von Microsoft ist und der Konzern anders als seine Mitbewerber unter den Hyperscalern einen positiven Free Cash Flow aufrechterhält.
Ebenfalls am 29.10.2026 meldete aktien.news, dass der Umsatz unter Ausschluss von Währungseffekten um 19 Prozent auf 92,3 Milliarden US-Dollar gestiegen war, während der Konsens lediglich 90,7 Milliarden US-Dollar erwartet hatte. Das operative Ergebnis belief sich auf 45,9 Milliarden US-Dollar und lag damit über den erwarteten 44,1 Milliarden US-Dollar, ein Anstieg von 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Ein weiterer Bericht vom 29.10.2026 hob hervor, dass es sich um das erste Quartal handelte, in dem Microsoft die Umsatzbeiträge seines Azure-Cloudcomputing-Geschäfts absolut ausweist. Zudem berichtete aktien.news am 29.10.2026 über einen bereinigten Gewinn von 4,89 Dollar pro Aktie, der über der Schätzung von LSEG von 4,73 Dollar pro Aktie lag, sowie über einen Umsatz von 92,28 Milliarden Dollar gegenüber erwarteten 90,69 Milliarden Dollar.
Das 29-fache der bereinigten Earnings spiegelt bereits viel Optimismus wider
In den vier vergangenen berichteten Quartalen beliefen sich die bereinigten Earnings per Share von Microsoft auf insgesamt rund 18,04 Dollar. Bei einem Aktienkurs von rund 530 Dollar kosteten die Aktien damit etwa das 29-fache der bereinigten Earnings. Vor der Veröffentlichung lag der Kurs noch bei etwa dem 31-fachen der bereinigten Earnings.
Der Autor hatte vor dem Bericht geschrieben, dass er die Aktie lieber näher an 465 Dollar kaufen würde. Die Bewertung von Azure ist aus seiner Sicht der entscheidende Faktor. Da das Wachstum seine Hürde von 40 Prozent deutlich übertrifft, macht er sich weniger Sorgen, dass die Aktie ein niedrigeres Kurs-Gewinn-Verhältnis verdient als früher. Und da sein Kaufpreis an die bereinigten Earnings gekoppelt ist, erhöht ein solches Quartal diesen Schwellenwert. Die Bewertung der Ausgaben hält ihn jedoch davon ab, 530 Dollar zu zahlen. Angesichts des schrumpfenden Free Cash Flow spiegele das 29-fache der bereinigten Earnings bereits den Großteil der guten Nachrichten wider. Er sei näher dran, die Aktie zu kaufen, als er es in der Vorwoche war, würde aber weiterhin einen niedrigeren Preis bevorzugen. Eine konkrete Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten; für deutsche Anleger bleibt es eine individuelle Abwägung zwischen dem starken Azure-Wachstum und den steigenden Ausgaben.
Free Cash Flow, Kapitalausgaben und operative Marge prägen die Bewertung
- Free Cash Flow: der Geldbetrag, der einem Unternehmen nach Abzug der Investitionen aus dem laufenden Geschäft zur Verfügung steht.
- Kapitalausgaben: Ausgaben für langlebige Vermögenswerte wie Rechenzentren und technische Ausrüstung.
- Operative Marge: der Anteil des Umsatzes, der nach Abzug der operativen Kosten als Gewinn übrig bleibt.
