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Lula gewinnt Wahl in Brasilien: Bovespa und Real brechen ein

Nach dem Wahlsieg von Lula da Silva stürzen Brasiliens Kapitalmärkte ab – der Real verliert über acht Prozent zum Dollar.

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Lula gewinnt Wahl in Brasilien: Bovespa und Real brechen ein

Der Wahlsieg von Luiz Inácio Lula da Silva in Brasilien hat an den Finanzmärkten für einen tiefen Einschnitt gesorgt. Der Linkspolitiker setzte sich mit über vier Millionen Stimmen Vorsprung durch und kehrt damit in seine vierte Amtszeit zurück. Die Reaktion der Anleger fiel drastisch aus: Die brasilianische Börse Bovespa wird bei Handelsbeginn mit zweistelligen Verlusten erwartet, Indexfonds auf den Leitindex brachen am Morgen um bis zu 25 Prozent ein.

Auch am Anleihemarkt machte sich der Schock deutlich bemerkbar. Brasilianische Staatsanleihen gerieten stark unter Druck, während die Landeswährung Real gegenüber dem Dollar um über acht Prozent nachgab. Damit korrigieren die Märkte einen Teil der Euphorie, die noch wenige Wochen zuvor geherrscht hatte.

Von Euphorie zu Panik

Nach der ersten Wahlrunde Anfang Oktober, die an Herausforderer Flávio Bolsonaro ging, hatten die Anleger noch auf einen wirtschaftsfreundlichen Kurs gesetzt. Der Bovespa übersprang am 9. Oktober erstmals die Marke von 200.000 Punkten. Auch die Petrobras-Aktie legte zu, weil Investoren auf geringere Umweltauflagen hofften. Die Kurse brasilianischer Anleihen stiegen deutlich.

Mit dem Sieg Lulas drehte die Stimmung abrupt. Im Zentrum der Sorgen stehen steigende Staatsausgaben und eine ausufernde Verschuldung. Die Staatsverschuldung liegt bereits bei knapp 83 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die Weltbank warnt sogar vor einer Schuldenquote von 100 Prozent. Für Privatanleger bedeutet das: Brasilianische Anlagen sind derzeit mit erheblicher politischer Unsicherheit behaftet.

Hoffnung auf Haushaltsdisziplin

Ob sich die Lage beruhigt, hängt aus Sicht von Marktbeobachtern vor allem von der künftigen Finanzpolitik ab. Graham Stock, Anleihestratege bei RBC Bluebay Asset Management, sieht darin den entscheidenden Faktor: "Das wichtigste Signal für die Märkte wird das künftige Bekenntnis der Lula-Regierung zur Haushaltsdisziplin sein." Zudem verweist er auf die personelle Weichenstellung: "Ganz oben auf der Agenda steht die Ernennung eines neuen Finanzministers in den kommenden Wochen."

Ähnlich argumentiert Thierry Larose, Portfoliomanager bei Vontobel: "Wir sind der Ansicht, dass auch eine Lula-Regierung nicht umhinkommen wird, zumindest gewisse Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung zu ergreifen." Ein Hoffnungsträger ist Vizepräsident Geraldo Alckmin, der als gemäßigt gilt und bei der Siegesfeier eine herausragende Rolle spielte. Ihm trauen Beobachter zu, für eine konservativere Wirtschaftspolitik zu sorgen.

Politische und ökologische Signale

Für zusätzliche Unsicherheit sorgt, dass Jair Bolsonaro das Wahlergebnis nicht anerkennt. Er wird dabei von US-Präsident Donald Trump unterstützt. Auf der anderen Seite zeigte sich die EU-Kommission erleichtert; Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen gratulierte Lula. Der Anlagestratege Stephan Riße von Acatis wertet Lulas Offenheit für ein Handelsabkommen im Mercosur als gute Nachricht für die EU und die Wiederwahl insgesamt als gute Nachricht für das Weltklima. Lula hatte die von seinem Vorgänger forcierte Brandrodung im Amazonas beendet, die zuletzt auf den tiefsten Stand seit vier Jahren gefallen war.

Während Brasilien unter Druck steht, zeigt sich der deutsche Markt robust. Der DAX legte um 0,9 Prozent auf 25.415 Punkte zu, gestützt von einem robusten ifo-Index und fallenden Ölpreisen. In der Vorwoche hatte der Leitindex noch 1,7 Prozent verloren. Für Anleger mit Brasilien-Engagement bleibt die entscheidende Frage, wie glaubwürdig die neue Regierung Haushaltsdisziplin vermittelt – und wer das Finanzministerium übernimmt.

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