Peru schnürt Hilfspaket gegen El-Niño-Folgen für die Wirtschaft
Wirtschaftsminister Elmer Cuba stellt Liquiditätshilfen und Steuerstundungen vor – Peru sieht sich gegen El Niño, Ölpreise und Zinsen gewappnet.

Peru hat am Donnerstag ein Paket wirtschaftlicher Maßnahmen vorgestellt, das mögliche Einbußen durch das Wetterphänomen El Niño abfedern soll. Wirtschaftsminister Elmer Cuba präsentierte die Pläne auf einer Pressekonferenz in Lima. Kern des Pakets sind Liquiditätsunterstützung für betroffene Unternehmen und Stundungen bei Steuerzahlungen.
Cuba betonte, Peru verfüge über die fiskalischen Spielräume, um diese Maßnahmen zu finanzieren. Der Minister stellte den Handlungsspielraum des Landes ausdrücklich als Ausnahme dar. „Nicht alle Länder können das – nur solvente. Die große Mehrheit des Planeten kann nicht so reagieren“, sagte Cuba.
Damit reagiert die Regierung auf ein Risiko, das sich nicht steuern lässt. El Niño ist ein natürliches Klimaphänomen, dessen Stärke und Folgen von der Politik allenfalls abgefedert, nicht aber verhindert werden können. Die Maßnahmen setzen deshalb bei der Zahlungsfähigkeit der Unternehmen an, nicht bei den Ursachen.
Die Details
Cuba führte drei externe Schocks an, die die wirtschaftliche Dynamik Perus bedrohen könnten: El Niño, höhere Ölpreise und steigende globale Zinsen. Die Kombination ist bemerkenswert, weil sie unterschiedliche Kanäle betrifft – Wetter und Fischerei, Energieimporte sowie Finanzierungskosten.
Für die Finanzierung der Hilfen verweist die Regierung auf eine solide Haushaltslage. Das kumulierte fiskalische Defizit Perus lag in den zwölf Monaten bis September laut vorläufigen Daten der Zentralbank bei 0,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Das ist der niedrigste Stand seit vier Jahren. Begünstigt wurde die Entwicklung durch eine stärkere Steuereinnahme, einschließlich der Einnahmen aus der Einkommensteuer.
Cuba sagte zudem voraus, dass die peruanische Wirtschaft um mehr als die zuvor prognostizierten 3,4 Prozent wachsen könnte – selbst unter Berücksichtigung von El Niño. Eine revidierte Schätzung nannte er allerdings nicht.
Wissenschaftler weisen seit Längerem auf die ökologischen Folgen hin. Wärmere Meerestemperaturen, die mit dem El-Niño-Phänomen verbunden sind, stören die marinen Ökosysteme vor der pazifischen Küste Perus und gefährden die Fischereiindustrie des Landes. Für ein Land, dessen Küstengewässer zu den fischreichsten der Welt zählen, ist das ein wirtschaftlich sensibler Punkt.
Auf derselben Pressekonferenz kündigte Präsidentin Keiko Fujimori an, dass die fiskalischen Regeln geändert würden. Dadurch sollen im nächsten Jahr zusätzliche Investitionen in Höhe von 18 Milliarden Soles (5,22 Milliarden US-Dollar) ermöglicht werden. Die Anpassung der Regeln ist der Versuch, trotz der Belastungen durch El Niño Spielraum für staatliche Investitionen zu schaffen.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die Warnungen vor den Folgen von El Niño sind nicht neu. Bereits am 28.05.2026 berichtete aktien.news, dass sich das Wetterphänomen zum nächsten großen Risiko für die Weltwirtschaft entwickelt. Meteorologen in den USA und anderen Regionen stufen die Entstehung von El Niño in diesem Jahr als sehr wahrscheinlich ein. Die Weltwirtschaft, die bereits durch die Folgen des Iran-Krieges unter Druck stand, sah sich damit einer weiteren Belastungsprobe gegenüber. El Niño tritt alle paar Jahre auf, wenn die Passatwinde im tropischen Pazifik nachlassen und sich der Ozean erwärmt; das Phänomen dauert in der Regel bis zu einem Jahr und erreicht seinen Höhepunkt typischerweise um den Jahreswechsel.
Auch die peruanische Zentralbank hatte früh gewarnt. Bereits am 11.07.2026 berichtete aktien.news, dass Chefökonom Adrian Armas auf einer Konferenz erklärte, die Inflationsrisiken für Peru seien gestiegen. Grund sei die zunehmende Wahrscheinlichkeit eines stärkeren El-Niño-Ereignisses, das die wirtschaftliche Entwicklung des Landes erheblich belasten könnte. Trotz der erhöhten Risiken hielt die Zentralbank an ihrer Inflationsprognose für 2026 fest: Demnach wird die Inflation im Jahr 2026 bei 3,8% erwartet – und damit noch oberhalb des offiziellen Zielkorridors von 1% bis 3%. Erst Anfang 2027 rechnete Armas damit, dass die Inflation wieder in diesen Zielbereich zurückkehren wird.
Ein Gegengewicht zu den Wetterrisiken liefert der Bergbau. Bereits am 15.07.2026 berichtete aktien.news, dass Peru im Mai seine Kupferproduktion im Vergleich zum Vorjahresmonat um 2,3 Prozent gesteigert hat. Das Ministerium für Energie und Bergbau in Lima gab bekannt, dass rund 226.096 Tonnen Kupfer gefördert wurden. Peru zählt zu den bedeutendsten Kupferproduzenten der Welt und belegt global den dritten Platz. Auch im Fünfmonatszeitraum von Januar bis Mai legte die Kupferförderung im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 3,3 Prozent zu und erreichte insgesamt 1,14 Millionen Tonnen.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist Peru vor allem über den Rohstoffsektor und über Schwellenländeranleihen relevant. Das Land ist der drittgrößte Kupferproduzent der Welt, und die zuletzt gemeldeten Produktionszahlen zeigen, dass der Bergbau seine Rolle als Stütze der Wirtschaft behält. Kupfer gilt als Konjunkturindikator und ist für den Netzausbau und die Elektromobilität von Bedeutung.
Gleichzeitig bleiben die Risiken sichtbar. Die Zentralbank erwartet für 2026 eine Inflation von 3,8 Prozent und damit einen Wert oberhalb des Zielkorridors von 1 bis 3 Prozent. Eine hartnäckige Inflation kann den Spielraum für Zinssenkungen einschränken. Hinzu kommen die von Cuba genannten externen Schocks: höhere Ölpreise und steigende globale Zinsen verteuern Importe und Finanzierung – ein Umfeld, das Schwellenländer traditionell stärker trifft als Industrienationen.
Das vergleichsweise niedrige fiskalische Defizit von 0,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ist in diesem Zusammenhang der zentrale Puffer. Es ist die Grundlage dafür, dass die Regierung Hilfen finanzieren kann, ohne die Haushaltsdisziplin aufzugeben. Ob diese Rechnung aufgeht, hängt maßgeblich davon ab, wie stark El Niño tatsächlich ausfällt.
Ausblick
Die Regierung rechnet damit, dass die Wirtschaft trotz El Niño um mehr als die zuvor prognostizierten 3,4 Prozent wachsen könnte. Eine konkrete revidierte Schätzung legte Wirtschaftsminister Cuba allerdings nicht vor. Präsidentin Fujimori kündigte an, die fiskalischen Regeln zu ändern, um im nächsten Jahr zusätzliche Investitionen in Höhe von 18 Milliarden Soles (5,22 Milliarden US-Dollar) zu ermöglichen.
Die Zentralbank erwartet, dass die Inflation erst Anfang 2027 in den Zielkorridor von 1 bis 3 Prozent zurückkehrt. Das Wetterphänomen selbst erreicht seinen Höhepunkt typischerweise um den Jahreswechsel – also genau in dem Zeitraum, in dem sich entscheidet, wie stark Fischerei und Küstenregionen getroffen werden.
Kurz erklärt
- El Niño: Ein wiederkehrendes Klimaphänomen im tropischen Pazifik, bei dem nachlassende Passatwinde den Ozean erwärmen und weltweit Wetter und Ökosysteme beeinflussen.
- Fiskalischer Spielraum: Der Handlungsspielraum eines Staates, zusätzliche Ausgaben zu tätigen oder Steuern zu senken, ohne die Tragfähigkeit seiner Schulden zu gefährden.
- Steuerstundung: Eine Vereinbarung, nach der Steuern nicht sofort, sondern zu einem späteren Zeitpunkt gezahlt werden müssen, was die Liquidität der betroffenen Unternehmen schont.
