Argentinien unter Milei: Reformen schmerzen, Investitionen stocken vor Wahlen
Mileis marktfreundliche Reformen belasten Argentiniens Wirtschaft, während Öl, Gas und Bergbau boomen und die Präsidentschaftswahlen näher rücken.

Die weitreichenden marktfreundlichen Reformen von Präsident Javier Milei erweisen sich für Argentinien als schmerzhaft. Die Stimmung in dem südamerikanischen Land düstert zusehends, während die Wirtschaft stagniert und sowohl durch Sparmaßnahmen als auch durch eine restriktive Geldpolitik belastet wird. Der radikale Plan des argentinischen Präsidenten zur Umgestaltung des Landes zeigt damit eine Kehrseite, die zunehmend sichtbar wird.
Im kommenden Jahr stehen in Argentinien Präsidentschaftswahlen an. Damit drängt die Zeit für den politischen Außenseiter, der seine Transformation der chronisch angeschlagenen Wirtschaft abschließen will. Die zentrale Frage lautet, ob Milei angesichts des Wahltermins genug Zeit gewinnen kann, um sein Projekt zu vollenden.
Einige Bereiche der Wirtschaft boomen indes. Die Investitionen in den Öl- und Gassektor sowie im Bergbau boomten, begünstigt durch neue staatliche Politiken. Argentinien verfügt über reichhaltige Energiequellen und eine florierende Softwareindustrie – doch nur wenige Projekte kommen voran, weil die wirtschaftliche Instabilität Investoren abschreckt.
Die Details
Der Öl- und Gassektor sowie der Bergbau profitieren von neuen staatlichen Politiken, und die Investitionen in diesen Bereichen boomten. Trotz der reichhaltigen Energiequellen und einer florierenden Softwareindustrie kommen jedoch nur wenige Projekte voran. Der Grund liegt in der wirtschaftlichen Instabilität, die Investoren abschreckt.
Auch der Tourismus verändert sich. Das Land zieht wohlhabendere Besucher aus weiter entfernten Regionen an. Dies geht auf einen signifikanten Marktverschiebungsprozess zurück, denn die Wirtschaftsreformen erhöhen die Preise und untergraben Argentiniens Ruf als preisgünstiges Reiseziel.
Im Einzelhandel zeigt sich dagegen eine gegenläufige Bewegung: Globale Einzelhändler kehren zurück, weil die Reformen von Präsident Milei die zuvor abgeschottete argentinische Wirtschaft öffnen.
Auch im Handel mit den USA blieb Argentinien bislang weitgehend verschont. Die Zölle von Donald Trump haben das Land relativ unbeschadet gelassen. Analysten befürchten allerdings, dass Spannungen mit Brasilien das Überleben der Handelsgruppe Mercosur gefährden könnten.
Die politische Lage bleibt angespannt. Umfragen legen ein enges Rennen nahe, und einige Analysten erwarten, dass die argentinische Währung unter Druck gerät. Gleichzeitig versuchen die Führer der langlebigsten politischen Kraft Argentiniens, sich für die Präsidentschaftswahlen 2027 neu zu formieren – doch die Bewegung hat große Hürden zu überwinden.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 17.01.2026 berichtete aktien.news, dass die argentinische Wirtschaft 2026 und 2027 voraussichtlich jeweils um 3,0 Prozent wachsen wird. Das ergab eine Reuters-Umfrage unter 25 Ökonomen. Dies markiert eine deutliche Verlangsamung gegenüber dem für 2025 erwarteten Wachstum von 4,3 Prozent. Die Prognosen für 2026 reichten von optimistischen 5,0 Prozent bis zu vorsichtigen 1,6 Prozent. Die Inflation sollte sich 2026 auf durchschnittlich 25,3 Prozent abschwächen, verglichen mit 44,5 Prozent im Jahr 2025 – deutlich unter dem Höchststand von 237 Prozent aus dem Jahr 2024, als Milei sein Amt antrat.
Am 09.02.2026 meldete aktien.news, dass die argentinischen Finanzmärkte verhalten handelten. Der Leitindex S&P Merval gab nach anfänglichen Gewinnen um 2 Prozent nach, nachdem er in der Vorwoche bereits um knapp 7 Prozent eingebrochen war. Investoren richteten ihre Aufmerksamkeit auf die Senatsdebatte über einen Gesetzentwurf zur Arbeitsmarktreform.
Am 15.04.2026 berichtete aktien.news von einem Rückschlag in Mileis zentralem wirtschaftspolitischen Projekt: Die monatliche Inflationsrate stieg im März auf 3,4 Prozent – den höchsten Stand seit einem Jahr. Bei Mileis Amtsantritt 2023 lagen die monatlichen Raten noch im zweistelligen Bereich, im Mai des vergangenen Jahres erreichte die Rate mit 1,5 Prozent ihren Tiefpunkt. Im Januar und Februar lag die Rate jeweils bei 2,9 Prozent.
Am 16.09.2026 berichtete aktien.news, dass die argentinische Regierung ihren Haushaltsplanentwurf für 2027 dem Kongress vorgelegt hat. Der Entwurf sieht ein BIP-Wachstum von vier Prozent im Jahr 2027 vor, nach erwarteten drei Prozent im laufenden Jahr. Die Regierung rechnet zudem mit einem Handelsüberschuss von über 15 Milliarden US-Dollar im kommenden Jahr. Die jährliche Inflation wird auf 18 Prozent geschätzt, verglichen mit 29 Prozent in diesem Jahr.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist Argentinien ein Markt mit hohen Chancen und ebenso hohen Risiken. Einerseits locken boomende Sektoren wie Öl, Gas und Bergbau sowie eine wachsende Softwareindustrie. Andererseits bremsen wirtschaftliche Instabilität, stagnierendes Wachstum und die restriktive Geldpolitik viele Projekte aus.
Die politische Unsicherheit ist zum bestimmenden Faktor für kurz- und mittelfristige Investitionsentscheidungen geworden. Ein enges Wahlrennen und ein möglicher Druck auf die Währung erhöhen die Volatilität. Anleger sollten daher die politischen Entwicklungen und die Inflationsentwicklung genau verfolgen.
Ausblick
Im kommenden Jahr stehen die Präsidentschaftswahlen an, und für 2027 versuchen die Führer der langlebigsten politischen Kraft Argentiniens, sich neu zu formieren. Der Haushaltsplanentwurf für 2027 rechnet mit einem BIP-Wachstum von vier Prozent und einer jährlichen Inflation von 18 Prozent. Ob Milei genug Zeit gewinnt, um seine Transformation abzuschließen, bleibt offen.
Kurz erklärt
- Sparmaßnahmen (Austerität): Staatliche Ausgabenkürzungen zur Konsolidierung des Haushalts.
- Restriktive Geldpolitik: Die Zentralbank drosselt die Geldmenge oder hält die Zinsen hoch, um die Inflation zu bekämpfen.
- Mercosur: Südamerikanischer Handelsblock mehrerer Staaten zur Förderung des gemeinsamen Handels.
