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Lufthansa übernimmt 44,9 Prozent an TAP – Abschluss erst 2028

Der MDax-Konzern setzt sich gegen Air France-KLM durch und zahlt 1,2 Milliarden Euro für die Beteiligung an Portugals Staatsairline.

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Lufthansa übernimmt 44,9 Prozent an TAP – Abschluss erst 2028

Die Deutsche Lufthansa hat sich im Rennen um die portugiesische Staatsairline TAP durchgesetzt. Der MDax-Konzern wurde als bevorzugter Partner für die Beteiligung ausgewählt und soll 44,9 Prozent der Anteile erwerben. Der Kaufpreis liegt bei 1,2 Milliarden Euro, ohne Aktienpakete. Damit setzt sich Lufthansa gegen den Konkurrenten Air France-KLM durch – das Lufthansa-Angebot lag nach den vorliegenden Informationen 16 Prozent höher als das der Konkurrenz.

Bis das Geschäft jedoch wirksam wird, dürften Jahre vergehen. Die EU-Kommission prüft den Deal wettbewerbsrechtlich, die Prüfdauer wird mit 18 bis 24 Monaten angegeben. Ein Abschluss der Transaktion wird daher erst 2028 erwartet. Für Anleger bedeutet das: Die Beteiligung ist ein langfristig angelegtes Projekt und wird die Bilanz der Lufthansa nicht kurzfristig verändern.

Das Interesse der Lufthansa an TAP hat vor allem einen geografischen Grund. Die Portugiesen sind stark in Lateinamerika vertreten, insbesondere in Brasilien. Zudem ist TAP attraktiv wegen ihrer Verbindungen ins portugiesischsprachige Afrika und in die USA. Lissabon soll als Drehkreuz gestärkt, Porto ausgebaut werden. Die nationale Identität der TAP bleibt nach den vorliegenden Informationen gewahrt – ähnlich wie bei anderen Töchtern der Gruppe.

Lufthansa Technik baut Standort in Portugal aus

Parallel zur Beteiligung plant Lufthansa Technik eine neue Anlage in Santa Maria da Feira. Dort sollen rund 700 Arbeitsplätze entstehen. Das unterstreicht, dass die Lufthansa ihr Engagement in Portugal nicht allein auf die Airline beschränkt, sondern auch die Wartungssparte einbindet. Für die Region ist das ein erheblicher wirtschaftlicher Impuls.

TAP selbst steht wirtschaftlich unter Druck. Im ersten Halbjahr wies die Airline einen Nettoverlust von 99,2 Millionen Euro aus. Die Betriebserlöse stiegen dagegen um 4,3 Prozent auf rund 2,04 Milliarden Euro. Die Zahl der Passagiere legte um 4,2 Prozent auf 8,2 Millionen zu. Die Flotte umfasst mehr als 100 Flugzeuge, beschäftigt sind etwa 9.400 Mitarbeiter. Das Bild ist also zweigeteilt: operativ wächst die Airline, unter dem Strich schreibt sie aber weiter rote Zahlen.

TAP war 2020 in der Corona-Krise verstaatlicht worden. Die aktuelle Transaktion ist als Teilprivatisierung angelegt: Die Mehrheit der Anteile soll beim portugiesischen Staat bleiben. Die Regierung unter Luís Montenegro hatte beide Interessenten zuvor um Nachbesserungen ihrer Angebote gebeten. Die endgültigen Gebote wurden im September eingereicht.

Ein bekanntes Muster bei Lufthansa

Für Lufthansa ist die Übernahme früherer Staatsairlines kein neues Terrain. Der Konzern hat bereits die ehemaligen staatlichen Fluggesellschaften der Schweiz, Österreichs und Belgiens integriert. Bei der italienischen ITA hält Lufthansa 41 Prozent und besitzt eine Option auf 90 Prozent. Air France-KLM hatte zuvor die Mehrheit an SAS erhalten. Der Wettbewerb um europäische Airlines ist damit in vollem Gange – und Lufthansa spielt dabei eine zentrale Rolle.

Für Privatanleger ist die Nachricht vor allem eine strategische Einordnung. Die Lufthansa-Aktie dürfte kurzfristig weniger auf den Kaufpreis als auf die regulatorische Prüfung reagieren. Ein Abschluss erst 2028 bedeutet, dass die Beteiligung über Jahre hinweg begleitet wird. Anleger sollten die Entwicklung der TAP-Kennzahlen und den Fortgang des EU-Verfahrens im Blick behalten.

Klar ist: Mit TAP gewinnt Lufthansa Zugang zu einem Markt, der für europäische Airlines wegen der Lateinamerika-Routen attraktiv ist. Ob sich der Kaufpreis von 1,2 Milliarden Euro am Ende auszahlt, hängt maßgeblich davon ab, wie schnell die EU-Kommission grünes Licht gibt und wie sich das Portugal-Geschäft operativ entwickelt. Bis dahin bleibt die Transaktion eine Wette auf die Zukunft.

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