Krypto-Börse Kraken: Muttergesellschaft Payward kauft europäische Saldo Bank
Payward, Eigentümer der Krypto-Börse Kraken, übernimmt die litauische Saldo Bank und dringt damit erstmals in das klassische Bankgeschäft in Europa vor.

Die Muttergesellschaft der Kryptowährungsbörse Kraken erwirbt eine europäische Bank. Payward kauft die Saldo Bank, eine in Litauen ansässige und von der EU regulierte Bank, um in traditionelle Bankdienstleistungen wie Kreditvergabe und Kartenemissionen vorzudringen. Damit ist das in Wyoming ansässige Unternehmen nach Angaben der Financial Times das erste Unternehmen für digitale Vermögenswerte, das eine Bank in Europa erwirbt.
Der Kaufpreis wurde nicht offengelegt. Der Erwerb steht unter dem Vorbehalt regulatorischer Genehmigungen und wird voraussichtlich im Jahr 2027 abgeschlossen sein. Über die Transaktion berichtete die Financial Times in einem wöchentlichen Newsletter, in dem Chefredakteurin Roula Khalaf ihre favorisierten Geschichten auswählt.
Der Schritt fällt in eine Phase, in der digitale Währungsgruppen zunehmend mit traditionellen Kreditgebern konkurrieren, um sich zu umfassenderen Finanzdienstleistungsunternehmen zu entwickeln. Payward wurde 2011 gegründet und besitzt die Kryptobörse Kraken. Die Saldo Bank erhielt ihre EU-Banklizenz im Jahr 2021 und bietet Verbraucherkredite sowie Geschäftskredite und Termingelder an.
Die Details
Im Zentrum der Transaktion steht die Frage, wie Kunden künftig mit ihren Vermögenswerten umgehen können. „Eines der dringendsten Anliegen unserer Kunden war: ‚Ich möchte Produkte, Dienstleistungen und Angebote, die denen ähneln, die ich bei einer anderen Bank erhalte‘“, sagte Arjun Sethi, Co-Chefexecutive von Payward, gegenüber der FT. „Die Verbesserung besteht darin, diese Vermögenswerte auf denselben Schienen zu platzieren. . . Bargeld, Krypto, tokenisierte Aktien, Kredite – alles unter einem System“, fügte er hinzu.
Sethi zufolge werden Kunden in der Lage sein, gegen ihre Vermögenswerte zu leihen und zu verleihen, ohne sie zu verkaufen. Dies sei einfacher als aktuelle Systeme und eröffne Kunden die Möglichkeit, mit ihren Vermögenswerten Geld zu verdienen. Der Kaufpreis für die Saldo Bank wurde nicht offengelegt.
Mit Blick auf die regulatorische Einordnung betonte Sethi: „Es geht nicht darum, ob es gut oder schlecht für eine Bank ist oder nicht; wir sind einfach neue Versionen von Banken“, die in denselben Jurisdiktionen und unter denselben Regeln operieren.
Hintergrund: Was bisher geschah
Payward und Kraken verfolgen seit Monaten eine Strategie, die über das reine Krypto-Geschäft hinausreicht. Bereits am 04.03.2026 berichtete aktien.news, dass die Bankensparte des Unternehmens, Kraken Financial, Zugang zu den zentralen Zahlungssystemen der US-Notenbank Federal Reserve erhalten hat. Der Zugang ermöglicht es Kraken Financial, Transaktionen für Großkunden und professionelle Händler schneller und effizienter abzuwickeln und Gelder über dieselben Kanäle zu transferieren, die auch von Tausenden von US-Banken und Kreditgenossenschaften genutzt werden.
Am 14.03.2026 meldete aktien.news eine Partnerschaft zwischen der Nasdaq und Kraken für tokenisierte Aktien. Ziel war es, Anlegern den Handel mit digitalen Versionen von Aktien rund um die Uhr zu ermöglichen. Kraken übernimmt dabei die Rolle des Vertriebspartners und soll die tokenisierten Aktien zunächst Kunden in Europa und weltweit zugänglich machen.
Am 01.09.2026 berichtete aktien.news, dass die Londoner Börse (LSE) einen tokenisierten Aktienhandel auf einer neuen Plattform plant und dazu eine Partnerschaft mit Payward eingeht. Ab dem kommenden Jahr will die LSE digitale Repräsentationen britischer Aktien auf der Plattform „LSE 24“ einführen; die sogenannten „xStocks“ sollen unter dem Vorbehalt, dass keine Einwände seitens der Aufsichtsbehörden vorliegen, im Jahr 2027 am Londoner Markt gehandelt werden.
Am 23.09.2026 folgte die Meldung, dass Nasdaq Ventures 100 Millionen US-Dollar in Payward investiert. Die beiden Unternehmen arbeiten bereits im Rahmen des Nasdaq Equity Token (NET) Rahmens zusammen und wollen gemeinsam die Infrastruktur für den Handel mit tokenisierten Aktien aufbauen.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Übernahme vor allem ein Signal, wie stark die Grenzen zwischen Krypto-Börsen und klassischen Banken verschwimmen. Payward dringt mit dem Kauf der Saldo Bank in Bereiche wie Kreditvergabe und Kartenemissionen vor – Geschäftsfelder, die bislang traditionellen Instituten vorbehalten waren. Kunden sollen künftig gegen ihre Vermögenswerte leihen und verleihen können, ohne sie zu verkaufen.
Gleichzeitig ist der Weg in das klassische Bankgeschäft umstritten. Krypto-Gruppen sehen sich heftigen Lobbykampagnen des Bankensektors gegenüber, während sie versuchen, ihr Geschäftsmodell zu diversifizieren. In den USA haben Banken erklärt, dass dieser Schritt Risiken in das Finanzsystem einführen würde und dass Krypto-Gruppen unter nationalen Treuhandlizenzen geringeren Regulierungen unterliegen als traditionelle Banken.
Die Independent Community Bankers of America (ICBA) hat das OCC verklagt, weil es Krypto-Gruppen erlaubt habe, „viele derselben Dienste anzubieten wie Gemeinschaftsbanken, ohne denselben kostspieligen Bankgesetzen und -vorschriften zu entsprechen, die für Gemeinschaftsbanken gelten“. Die ICBA bezeichnete dies als „Hintertür in das Bankensystem“. Das OCC lehnte es ab, zur Klage Stellung zu nehmen.
Einordnung der US-Lizenzen: Die Börse Coinbase und die Zahlungsgruppe Ripple gehören zu den Krypto-Unternehmen, die eine bedingte Genehmigung für nationale Treuhandbanklizenzen vom US Office of the Comptroller of the Currency (OCC) erhalten haben. Diese gewährt ihnen die Befugnis, Kundenguthaben zu halten und Transaktionsdienstleistungen anzubieten, jedoch im entscheidenden Punkt keine Einlagen entgegenzunehmen.
Ausblick
Der Erwerb der Saldo Bank durch Payward steht unter dem Vorbehalt regulatorischer Genehmigungen und wird voraussichtlich im Jahr 2027 abgeschlossen sein. Ob und wann Kunden in Europa die geplanten kombinierten Angebote aus Bargeld, Krypto, tokenisierten Aktien und Krediten nutzen können, hängt damit maßgeblich von den Aufsichtsbehörden ab. Klar ist: Mit dem Zugang zum Fed-Zahlungssystem, den Partnerschaften mit Nasdaq und LSE sowie der geplanten Bankübernahme in Litauen verfolgt Payward eine Strategie, die Kraken schrittweise in Richtung eines vollwertigen Finanzdienstleisters führt.
Kurz erklärt
- Treuhandbanklizenz: Eine in den USA erteilte Banklizenz, die es erlaubt, Kundenguthaben zu verwahren und Transaktionsdienste anzubieten, aber keine Einlagen entgegenzunehmen.
- Tokenisierte Aktien: Digitale Repräsentationen von Aktien, die auf einer Blockchain aufgezeichnet werden und den zugrunde liegenden Wertpapieren entsprechen sollen.
- EU-Banklizenz: Eine Zulassung, die einem Institut erlaubt, innerhalb der Europäischen Union Bankgeschäfte wie Kredite und Einlagen anzubieten.
