Kanada investiert 193 Millionen US-Dollar in zwei Aluminiumschmelzwerke
Die kanadische Regierung unterstützt Rio Tinto und Aluminerie Alouette mit Mitteln aus dem Strategic Response Fund.

Die kanadische Industrieministerin Mélanie Joly hat angekündigt, dass der Aluminiumsektor des Landes 193 Millionen US-Dollar aus dem Strategic Response Fund erhält. Nach Angaben des Bundesministeriums für Innovation, Wissenschaft und Wirtschaftsentwicklung Kanada (ISED) sollen die zwei gezielten Projekte dazu beitragen, etwa 6.000 Vollzeitstellen in Québec und landesweit zu erhalten. Zusätzlich unterstützt das Programm 65 Praxissemesterplätze für Kooperationsstudenten und stärkt die Zusammenarbeit mit kanadischen Forschungseinrichtungen, Hochschulen und kleinen bis mittleren Unternehmen (KMU).
Der mit Abstand größte Teil der Mittel fließt an den Bergbaukonzern Rio Tinto. 164 Millionen US-Dollar sind für die Aluminium-Wertschöpfungskette in der Region Saguenay–Lac-Saint-Jean vorgesehen. Die Bundesmittel sind Teil einer 818-Millionen-Dollar-Strategie des Konzerns, mit der Rio Tinto seine Produktionskapazitäten stärken und die regionalen Aktivitäten dekarbonisieren will.
Konkret plant Rio Tinto den Bau eines neuen Stranggusszentrums in der Alma-Hütte, um die Produktion von aluminiumbasierten Halbzeugen mit höherem Mehrwert zu unterstützen. Darüber hinaus sollen die Anodenbacköfen in der Grande-Baie-Hütte durch umfangreiche Infrastrukturmodernisierungen und die Erneuerung der Ausrüstung auf den neuesten Stand gebracht werden.
28 Millionen Dollar für Aluminerie Alouette
Die zweite Investitionsmaßnahme richtet sich an Aluminerie Alouette. Rund 28 Millionen US-Dollar sollen das 135-Millionen-Dollar-Projekt des Unternehmens unterstützen, das auf die Modernisierung und Optimierung der Elektrolyseprozesse abzielt. Diese technologischen Verbesserungen sollen direkt die Energieeffizienz steigern, die industrielle Wettbewerbsfähigkeit erhöhen und die Treibhausgas-Emissionen reduzieren.
Das Ministerium begründet die Förderung auch mit dem internationalen Umfeld. „Durch Investitionen in transformative, emissionsreduzierende Projekte wie das von Alouette erhöhen wir die globale Wettbewerbsfähigkeit Kanadas im Aluminiumsektor. Während globale Zölle Druck auf die kanadische Industrie ausüben und die internationalen Handelsdynamiken neu gestalten, investiert die Regierung Kanadas in kritische Mineralressourcen, modernisiert die Aluminium-Lieferkette und schützt gut bezahlte Arbeitsplätze in Kanada“, heißt es seitens ISED.
Konzernvertreter begrüßen die Unterstützung
Sébastien Ross, Leiter der atlantischen Aluminiumaktivitäten von Rio Tinto, begrüßt die bundesweite Unterstützung für die kanadische Aluminiumindustrie. Das sei besonders bedeutsam, da Rio Tinto selbst das 100-jährige Jubiläum der Aluminiumproduktion in Saguenay–Lac-Saint-Jean feiert und der internationale Wettbewerb zunimmt. „Diese Investition ist ein echter Katalysator für die Beschleunigung der Modernisierung, des Wachstums und der Dekarbonisierung unserer Betriebe in der Region. Sie hilft dabei, unsere Wertschöpfungskette zu festigen, hochwertige Arbeitsplätze zu sichern und die notwendigen Bedingungen zu schaffen, um weiterhin hier in Quebec und in Kanada zu investieren, zu innovieren und zu produzieren“, so Ross.
Claude Gosselin, CEO und Präsident von Aluminerie, erklärte, das Unternehmen könne dank der Unterstützung des Fonds seine Betriebsabläufe weiter modernisieren, einschließlich der Verbesserung der Energieeffizienz und der Reduzierung von THG-Emissionen. „Als größte Schmelze Amerikas sind wir stolz darauf, erhebliche wirtschaftliche Vorteile für Kanada zu generieren, insbesondere durch etwa 1.000 hochwertige Arbeitsplätze und Hunderte von Millionen Dollar an Einkäufen von Gütern und Dienstleistungen. In einem geopolitischen Kontext, in dem die Unsicherheit nach wie vor hoch ist, stärkt die Unterstützung der Regierung das Vertrauen der Investoren und ermöglicht es uns, weiterhin in eine nachhaltige Zukunft zu investieren“, sagt Gosselin.
Bedeutung für den kanadischen Aluminiumstandort
Rio Tinto ist der größte Produzent von Primäraluminium in Kanada und hat seinen kanadischen Hauptsitz in Montréal. Allein in Québec beschäftigt das Unternehmen etwa 4.300 Menschen; landesweit sind schätzungsweise 14.000 Mitarbeiter in den Aluminium- und Bergbausegmenten tätig. Aluminerie Alouette ist die größte Aluminiumschmelze Nordamerikas und produziert jährlich rund 633.000 Tonnen Primäraluminium.
Für den kanadischen Aluminiumsektor insgesamt ist die Förderung ein Signal, dass die Bundesregierung die Wertschöpfungskette trotz Handelsrisiken und Zolldruck stabilisieren will. Kanada verfügt über neun Primäraluminiumschmelzen, wobei die Mehrheit in Québec liegt und eine weitere in British Columbia. Die Kombination aus staatlicher Förderung und privaten Investitionen soll die Wettbewerbsfähigkeit der Standorte langfristig sichern und die Dekarbonisierung der energieintensiven Produktion vorantreiben.
