JPMorgan-Fondsmanager Cook warnt vor Übermut im KI-Handel der Börsen
Der Trust JPMorgan Global Growth & Income blieb mit 15 Prozent Rendite hinter dem Markt zurück; Cook sieht darin eine Einstiegschance.

Der Investment Trust JPMorgan Global Growth & Income (LSE: JGGI) hat über einen Zeitraum von zwölf Monaten eine Gesamtrendite von 15 Prozent erzielt. Das ist für sich genommen ein starkes Ergebnis – doch der breite Markt legte im selben Zeitraum um 28 Prozent zu. Portfolio-Manager James Cook erklärte in einem Interview mit Dave Baxter von interactive investor, warum der Trust trotz zweistelliger Rendite hinterherhinkt und wo er im laufenden KI-Boom die größten Risiken sieht.
Ein Teil der Lücke ist technischer Natur: Rund drei Prozentpunkte des Rückstands stammen aus der Aufweitung des Abschlags, also des Preisabschlags der Trust-Anteile gegenüber dem Nettoinventarwert. Der Nettoinventarwert selbst liegt laut Cook weiterhin rund acht bis neun Prozent hinter dem Markt. Für die inhaltliche Erklärung nennt der Fondsmanager zwei Ursachen.
Erstens habe sich der Markt auf kurzfristige Gewinne konzentriert – also auf Erträge heute zulasten langfristiger fundamentaler Werte. Für langfristig orientierte Fundamentalinvestoren sei das immer schmerzhaft. Zweitens hätten hochwertige Unternehmen die schwächeren Teile des Marktes unterperformt. In einem extrem nachfragegetriebenen Markt, wie er derzeit rund um KI herrsche, sei die operative Hebelwirkung der minderwertigeren Unternehmen so groß, dass diese kurzfristig überperformen könnten.
Als Beispiel nennt Cook SanDisk Corp (NASDAQ: SNDK): Das Unternehmen habe eine EBIT-Marge von zehn Prozent ausgewiesen, die zuvor sprunghaft auf 60 Prozent gestiegen sei. Das sei eine sehr starke Gewinnsteigerung – getrieben von einer außergewöhnlichen operativen Hebelwirkung.
Der Fonds hat vergleichbare Drawdowns in 30 Jahren zehnmal erlebt
Cook verweist auf die Historie seines Prozesses: Es habe einen erheblichen Drawdown in den zugrunde liegenden Portfolios gegeben, doch eine vergleichbare Größenordnung sei in den vergangenen 30 Jahren zehnmal aufgetreten. In jeder einzelnen dieser zehn Perioden habe sich der Prozess in derselben Größenordnung wie der Drawdown erholt, teils sogar besser. Der aktuelle Zeitpunkt sei daher ein attraktiver Einstiegspunkt.
Beim Thema KI warnt Cook zugleich vor Übermut. Man sei gegenüber KI stets optimistisch gewesen, habe aber die operative Hebelwirkung der minderwertigsten Engpässe innerhalb der KI-Lieferkette unterschätzt. Deren Margen seien so extrem, dass nun Risikosignale für eine Umkehr sichtbar würden. Wer heutigen Gewinnen hinterherlaufe, gehe ein reales Abwärtsrisiko bei Zahlen und Kursen ein.
Langfristig entscheide die Eintrittsbarriere über die Margen dieser Unternehmen, denn eine Normalisierung des Angebots finde immer statt. Entscheidend seien die Branchenstruktur und die Differenzierung des Produkts. Genau deshalb bevorzugt Cook NVIDIA Corp (NASDAQ: NVDA), ASML Holding NV (Euronext: ASML) und Taiwan Semiconductor Manufacturing Co Ltd ADR (NYSE: TSM): Diese Unternehmen seien Monopolgeschäfte in ihren Kategorien, weil ihre Produkte im Vergleich zu standardisierten Engpass-Produkten einzigartig seien.
Der Fonds setzt auf Börsenbetreiber als defensiven Puffer
Beim Momentum will Cook diszipliniert bleiben, statt überbewerteten Qualitätsaktien blind zu folgen. Innerhalb bestehender Positionen, die kurzfristig liefern und langfristig attraktiv bewertet sind – genannt wird Microsoft Corp (NASDAQ: MSFT) –, baut er größere Positionen auf. Bei fundamental geschätzten Namen, die operativ nicht liefern, begrenzt er die Positionsgröße oder steigt aus. Das Universum von 2.500 Unternehmen gebe diese Flexibilität.
Für den Fall eines Marktumschwungs nennt Cook typische Bond-Proxies wie NextEra Energy Inc (NYSE: NEE), dessen Bewertung er als „superattraktiv“ bezeichnet. Hinzu kommen Börsenbetreiber: CME Group Inc Class A (NASDAQ: CME) handelt mit einer Free-Cashflow-Rendite von rund 4,5 Prozent, Hong Kong Exchanges mit rund 5,5 Prozent. Bei zunehmender Risikoscheu steige tendenziell die Volatilität – und damit die Handelsvolumina, wovon diese Häuser profitieren.
Qualität sei derzeit so attraktiv bewertet wie seit fünf Jahren nicht mehr, betont Cook. Im Softwarebereich bleibt er vorsichtig: Die jüngsten Nachrichten um Salesforce Inc (NYSE: CRM) und Claude hätten den Markt optimistisch gestimmt, dass Large Language Models Software nicht verdrängen, sondern mit ihr zusammenarbeiten. Das sei aber noch nicht klar. Stattdessen setzt er auf breitere „KI-Verlierer“ mit aktivähnlichen Geschäftsmodellen wie Mastercard Inc Class A (NYSE: MA) und Aon Class A (NYSE: AON).
Zur eigenen Beteiligung: Cook investiert im Rahmen eines langfristigen Anreizplans 50 Prozent verpflichtend in JGGI, die übrigen 50 Prozent nach eigener Wahl – und hat seit seiner Ernennung jedes Jahr vollständig in den Trust investiert. Rund 70 Prozent des aktiven Risikos stammen aus der Aktienauswahl, etwa 80 Prozent inklusive der Branchenauswahl. Die Interviewinhalte dienen ausschließlich Informationszwecken und stellen keine persönliche Anlageempfehlung dar.
