Jefferies-Analyst Kirsche sieht im Nasdaq-100-Rücksetzer eine Kaufgelegenheit
Dan Kirsche von Jefferies wertet die intraday-Erholung des Nasdaq-100 als ermutigendstes Signal seit Beginn der Oktober-Korrektur.

Die scharfe intraday-Erholung des Nasdaq-100 am Donnerstag war die größte seit April. Für Dan Kirsche, technischer Analyst beim US-Investmenthaus Jefferies, ist sie „wahrscheinlich die ermutigendste Entwicklung seit Beginn der Korrektur im Oktober". Damit rückt der technologie-lastige US-Index wieder in den Blickpunkt von Anlegern, die auf eine Erholung zum Jahresende setzen.
Der Analyst der Marktintelligenz-Abteilung von Jefferies interpretiert die aktuellen Schwankungen als eine der letzten attraktiven Gelegenheiten, Positionen aufzubauen. Seiner Erwartung nach folgt darauf ein starkes November- und Dezemberquartal. Kirsche gilt als hochangesehener technischer Analyst; seine täglichen Notizen zur technischen Analyse genießen eine breite Leserschaft.
In seinem am Freitag veröffentlichten Beitrag blieb der Experte zugleich selbstkritisch. Er räumte ein, dass die Schwäche bei den Technologieaktien ausgeprägter ausfiel, als er erwartet hatte. Zwar hatte er für diesen Monat einen Anstieg der Volatilität prognostiziert, doch das Ausmaß des Rückgangs im Technologiesektor überraschte ihn.
Die Details
Im Zentrum steht die Kursbewegung des Nasdaq-100 am Donnerstag. Die intraday-Erholung des Index fiel so kräftig aus wie zuletzt im April. Kirsche bewertet diese Entwicklung als das ermutigendste Signal seit dem Beginn der Korrektur im Oktober.
Bemerkenswert ist die Doppelbotschaft der Analyse. Einerseits sieht der Jefferies-Experte in den aktuellen Turbulenzen eine der letzten attraktiven Gelegenheiten, Positionen aufzubauen. Andererseits fiel die Schwäche im Technologiesektor stärker aus als von ihm erwartet, obwohl er für diesen Monat grundsätzlich mit steigender Volatilität gerechnet hatte.
Dabei ist die Beobachtung ausdrücklich innerhalb eines Handelstages angesiedelt: Die Erholung fand intraday statt, also noch am selben Tag, an dem der Index unter Druck stand. Genau diese Dynamik wertet der Analyst als ermutigendes Zeichen. Er erwartet, dass auf die aktuelle Phase ein starkes November- und Dezemberquartal folgt.
Hervorzuheben ist zudem die Stellung des Analysten. Kirsche genießt bei Jefferies hohes Ansehen, seine täglichen Notizen zur technischen Analyse werden von einer breiten Leserschaft verfolgt. Seine Einschätzungen dürften daher auch über den engen Kreis institutioneller Investoren hinaus Wirkung entfalten. Explizit nennt die Quelle den Technologie-ETF mit dem Kürzel XLK als Bezugspunkt für die beobachtete Schwäche im Sektor.
Hintergrund: Was bisher geschah
Der Blick zurück zeigt, wie bewegt das Jahr für den Nasdaq-100 bereits verlaufen ist. Bereits am 05.08.2026 berichtete aktien.news, dass der technologielastige US-Index eine der zehn bullischsten statistischen Konstellationen des gesamten letzten Jahrzehnts verzeichnet. Damals war die Rede davon, dass pessimistische Markteinschätzungen durch die aktuelle Kursdynamik zunehmend widerlegt werden und sich wer auf fallende Kurse gesetzt hatte einer starken Gegenbewegung gegenübersieht.
Schon am 16.04.2026 hatte aktien.news über eine Risk-on-Rally berichtet. Der Nasdaq-100 näherte sich damals wieder seinem Allzeithoch von 26.182 Punkten und eroberte wichtige gleitende Durchschnitte zurück. Ausgelöst wurde die Bewegung vor allem durch nachlassende geopolitische Spannungen, die die Risikobereitschaft der Anleger erhöhten. Der technische Stratege Paul Ciana von der Bank of America sah damals das Potenzial, auch den stark überverkauften Softwaresektor nach oben zu ziehen.
Auch Jefferies spielte in der Berichterstattung bereits eine Rolle. Am 25.01.2026 meldete aktien.news, dass Brent Thill von Jefferies nach dem deutlichen Kursrückgang der Microsoft-Aktie eine interessante Kaufgelegenheit für Anleger sah. Der Analyst verwies auf den robusten Auftragsbestand, strategische KI-Partnerschaften und die dynamische Entwicklung im Cloud-Geschäft als zentrale Säulen, die dem Unternehmen mehrjährige Wachstumsaussichten sichern sollen.
Ein weiteres Datum unterstreicht die Schwankungsanfälligkeit des Technologiesektors. Am 31.07.2026 berichtete aktien.news über eine kräftige Erholung der Wall Street. Angetrieben wurde sie vor allem von einem Kursanstieg der Microsoft-Aktie um 15,5 Prozent, während der Nasdaq um 2,8 Prozent und der S&P 500 um 1,7 Prozent zulegten. Der Technologiesektor gewann 5 Prozent, der sogenannte „SOX"-Chip-Index zog um 8 Prozent an. Sandisk stiegen um 26 Prozent, Micron Technology um 18 Prozent; auf der Verliererseite stand Meta.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger, die über ETFs oder Einzelaktien im US-Technologiesektor engagiert sind, liefert die Einschätzung von Jefferies mehrere Anhaltspunkte. Zum einen zeigt die Analyse, dass die Korrektur im Oktober nicht geradlinig verläuft, sondern immer wieder von kräftigen Erholungsbewegungen unterbrochen wird. Genau solche Tage sind es, die technische Analysten als potenzielle Wendepunkte beobachten.
Zum anderen macht Kirsche transparent, dass Prognose und Realität auseinanderfallen können. Er hatte für diesen Monat steigende Volatilität erwartet, nicht aber das tatsächliche Ausmaß der Schwäche im Technologiesektor. Anleger sollten daraus ableiten, dass selbst erfahrene Marktbeobachter das Tempo von Rücksetzern nicht zuverlässig treffen.
Die Einordnung des Analysten ist ausdrücklich als Chance interpretiert, nicht als Garantie. Wer Positionen aufbaut, sollte die erhöhte Schwankungsanfälligkeit des Sektors einkalkulieren, die sich in der jüngeren Vergangenheit mehrfach in kräftigen Tagesbewegungen gezeigt hat. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Ausblick
Konkrete Erwartungen nennt Kirsche ausschließlich zur erwarteten Richtung: Er rechnet mit einem starken November- und Dezemberquartal. Für den laufenden Monat hatte er einen Anstieg der Volatilität erwartet, was sich bestätigt hat, wenngleich die Schwäche im Technologiesektor stärker ausfiel als angenommen. Weitere Termine oder Ereignisse für die kommenden Wochen nennt die Quelle nicht.
Kurz erklärt
- Intraday-Erholung: Bezeichnet einen Kursanstieg innerhalb eines einzigen Handelstages, nachdem der Wert zuvor unter Druck geraten war.
- Volatilität: Maß für die Stärke der Kursschwankungen eines Marktes oder eines Wertpapiers.
- XLK: Kürzel für einen börsengehandelten Fonds, der die Entwicklung US-amerikanischer Technologieaktien abbildet.
- Technische Analyse: Methode, die aus Kurs- und Umsatzverläufen Hinweise auf künftige Marktbewegungen ableitet.
