IRS hebt Steuerstufen für langfristige Kapitalgewinne 2027 an
Die US-Steuerbehörde IRS hat ihre Inflationsanpassung für 2027 veröffentlicht: Alleinstehende zahlen bis 51.050 Dollar steuerpflichtigem Einkommen keine Steuer auf langfristige Kapitalgewinne.

Die US-Steuerbehörde Internal Revenue Service (IRS) hat ihre neuen Stufen für die langfristige Kapitalertragsteuer für das Jahr 2027 vorgestellt. In der am Donnerstag veröffentlichten Bekanntmachung erhöhte die Behörde die Grenzen des steuerpflichtigen Einkommens, die für die Besteuerung von Vermögenswerten gelten, die länger als ein Jahr gehalten werden. Konkret können Alleinstehende im Jahr 2027 bis zu 51.050 Dollar an steuerpflichtigem Einkommen erzielen und zahlen dennoch 0 Prozent auf langfristige Kapitalgewinne. Für gemeinsam veranlagende Ehepaare liegt die entsprechende Schwelle bei 102.100 Dollar.
Die Anpassung ist Teil der jährlichen Inflationsrunde des IRS. Neben den Stufen für langfristige Kapitalgewinne wurden die Werte für Dutzende weitere Bestimmungen erhöht, darunter die Bundes-Einkommensteuerstufen, die Freibeträge für Erbschafts- und Schenkungssteuer sowie die Berechtigung für den Earned Income Tax Credit (EITC). Die Bekanntmachung fällt in eine Phase, in der sich viele Amerikaner mit dem Thema Erschwinglichkeit auseinandersetzen, weil die Kosten für Wohnen, Lebensmittel, Benzin und andere Lebenshaltungskosten steigen.
Wer die neuen Schwellen für sich prüfen will, muss zunächst das steuerpflichtige Einkommen bestimmen. Es ergibt sich, indem vom bereinigten Bruttoeinkommen der höhere der beiden Beträge aus Standardabzug oder einzelnen Abzügen abgezogen wird. Der Standardabzug steigt für 2027 bei Alleinstehenden auf 16.600 Dollar, nach 16.100 Dollar zuvor. Für gemeinsam veranlagende Ehepaare erhöht er sich auf 33.200 Dollar, nach 32.200 Dollar zuvor.
Der Steuersatz richtet sich nach der Stufe, in die das Einkommen fällt
Der Kapitalgewinnsteuersatz, den ein Anleger zahlt, hängt davon ab, in welche Stufe er mit seinem steuerpflichtigen Einkommen fällt. Der IRS nennt drei Sätze: 0 Prozent, 15 Prozent und 20 Prozent. Die neuen Grenzen könnten daher die Verkaufs- oder Neugewichtungspläne von Anlegern für 2027 beeinflussen. Bei Investments in Brokerage-Konten kann das steuerliche Folgen haben, wenn Gewinne realisiert werden.
Viele langfristig orientierte Anleger halten nach Jahren des Marktwachstums gewinnbringende Vermögenswerte im Depot, trotz der volatilen Börsenentwicklung nach der Wahl. In dieser Lage entscheidet nicht nur die Höhe des Gewinns, sondern auch die Frage, in welche Einkommensstufe ein Verkauf fällt, über die Steuerlast. Wer eine Position mehrere Jahre im Depot gehalten hat, sitzt damit auf Buchgewinnen, die bei einem Verkauf steuerlich relevant werden.
Der IRS hat in dieser Inflationsrunde bereits im Mai 2026 die HSA-Grenzen angehoben
Die jetzt veröffentlichten Kapitalgewinn-Stufen sind nicht die erste Inflationsanpassung des IRS für das Jahr 2027. Bereits am 30.05.2026 berichtete aktien.news, dass die Behörde die Beitragsgrenzen für Gesundheitssparkonten (Health Savings Accounts, kurz HSAs) für 2027 angehoben hat. Für Einzelpläne steigt die Beitragsobergrenze demnach auf 4.500 Dollar, für Familienversicherungen auf 9.000 Dollar; für das Jahr 2026 lag die Grenze für Einzelpläne bei 4.400 Dollar. Die Bekanntmachung erfolgte damals an einem Freitag in einer offiziellen IRS-Mitteilung.
Auch steuerpolitische Vorstöße der Regierung begleiteten das Thema im Jahr 2026. Am 12.08.2026 meldete aktien.news unter Berufung auf einen Bloomberg-Bericht, dass US-Präsident Donald Trump erwägt, den Kongress zu einer Senkung der Kapitalertragsteuer aufzufordern. Die Maßnahmen sollten dem Bericht zufolge Teil eines politischen Versprechenspakets für die bevorstehenden Zwischenwahlen im November sein; neben der Kapitalertragsteuer zog Trump demnach auch Steuerbefreiungen für bestimmte Immobilienverkäufe in Betracht. Am 13.08.2026 berichtete aktien.news, dass Kevin Hassett, Direktor des National Economic Council, und der frühere NEC-Chef Larry Kudlow das Thema an einem Dienstag auf Fox Business diskutierten. Kudlow erklärte, er habe mit Trump über die Indexierung von Kapitalerträgen an die Inflation sowie über Änderungen der Kapitalertragsteuer auf Hausverkäufe gesprochen; Trump sei an diesen Ideen „sehr interessiert“.
Ein weiterer Datenpunkt für das Jahr 2027 kam am 14.10.2026 hinzu: Die Social Security Administration kündigte eine Erhöhung der Sozialversicherungs- und Supplemental Security Income (SSI)-Leistungen um 3,6 Prozent an, wie aktien.news berichtete. Die Anpassung an die Lebenshaltungskosten (Cost-of-Living Adjustment, COLA) betrifft rund 76 Millionen US-Bürger; im Vorjahr lag der Wert bei 2,8 Prozent. Für die Mehrheit der rund 72 Millionen Empfänger von Sozialversicherungsleistungen steigen die Auszahlungen im Januar 2027, die etwa 7,3 Millionen Bezieher von Supplemental Security Income profitieren bereits ab dem 31. Dezember 2026.
Deutsche Anleger sollten prüfen, ob ihre US-Depots von den neuen Stufen betroffen sind
Der Quelltext bezieht sich ausschließlich auf das US-Steuerrecht und knüpft an das steuerpflichtige Einkommen an. Wer als deutscher Privatanleger ein Brokerage-Konto in den USA führt und dort Gewinne realisiert, kann mit den beschriebenen Schwellen konfrontiert werden. Der IRS beschreibt ausdrücklich, dass die neuen Stufen die Verkaufs- oder Neugewichtungspläne von Anlegern beeinflussen und bei Investments in Brokerage-Konten steuerliche Folgen haben können.
Eine pauschale Aussage, ob ein Verkauf im Jahr 2027 günstiger oder teurer wird, lässt sich daraus nicht ableiten. Entscheidend ist die individuelle Einkommensstufe, in die ein Anleger mit seinem steuerpflichtigen Einkommen fällt. Der IRS veröffentlicht mit der Tabelle nur die Grenzen; die konkrete Steuerlast ergibt sich erst aus dem Zusammenspiel von Einkommen, Abzügen und tatsächlich realisierten Gewinnen. Für die Planung heißt das: Wer einen Verkauf oder eine Neugewichtung für 2027 ins Auge fasst, sollte die eigene Einkommensstufe kennen, bevor er Order erteilt.
Die Stufen gelten für 2027, während in Washington über weitere Senkungen diskutiert wird
Die jetzt veröffentlichten Grenzen gelten für das Steuerjahr 2027. Anleger, die Verkäufe oder eine Neugewichtung ihres Depots planen, können diese Schwellen in ihre Überlegungen einbeziehen. Parallel dazu liegen aus dem Jahr 2026 Berichte über mögliche weitere Steuersenkungen vor. Nach dem Bericht vom 12.08.2026 erwägt Trump, den Kongress zu einer Senkung der Kapitalertragsteuer aufzufordern; nach dem Bericht vom 13.08.2026 zeigte er sich an einer Indexierung von Kapitalerträgen an die Inflation und an Änderungen der Kapitalertragsteuer auf Hausverkäufe interessiert.
Ob und in welcher Form solche Änderungen umgesetzt werden, geht aus den vorliegenden Berichten nicht hervor. Der IRS hat mit der Bekanntmachung vom Donnerstag zunächst die Inflationsanpassung für 2027 vollzogen und damit die Grenzen für langfristige Kapitalgewinne, die Bundes-Einkommensteuerstufen, die Freibeträge für Erbschafts- und Schenkungssteuer sowie die EITC-Berechtigung neu festgelegt. Weitere Schritte hängen von den politischen Entscheidungen ab, die in den Berichten vom 12.08.2026 und 13.08.2026 lediglich als erwogene Maßnahmen beschrieben werden.
Drei Begriffe aus dem Artikel helfen bei der Einordnung
- Langfristiger Kapitalgewinn: ein Gewinn aus dem Verkauf eines Vermögenswerts, der länger als ein Jahr gehalten wurde.
- Steuerpflichtiges Einkommen: der Betrag, der nach Abzug des höheren Betrags aus Standardabzug oder Einzelabzügen vom bereinigten Bruttoeinkommen verbleibt.
- Standardabzug: ein pauschaler Abzugsbetrag, der ohne Einzelnachweise vom Einkommen abgezogen werden kann.
