Investmenttrusts: Diese Fonds profitieren von der nächsten IPO-Welle
Investmenttrusts wie Scottish Mortgage und Schiehallion halten vor-IPO-Werte und profitieren vom nächsten SpaceX-ähnlichen Ereignis.

Der Börsengang von Space Exploration Technologies Corp Class A (NASDAQ: SPCX) war eines der wichtigsten Marktereignisse des Jahres 2026. Für Anleger bot er Zugang zu einem der spannendsten Unternehmen überhaupt – nach langer Vorfreude. Doch der IPO lieferte noch eine zweite Erkenntnis: Eine Handvoll Investmenttrusts hielt bereits Anteile an vielversprechenden Unternehmen, bevor diese an die Börse gingen, und erzielte damit in einigen Fällen erhebliche Gewinne.
Wie Dave Baxter von interactive investor am 4. November 2026 analysiert, zeigt das Beispiel Scottish Mortgage Ord (LSE: SMT), wie solche Trusts von vor-IPO-Beteiligungen profitieren. Der Trust gehört zu den Baillie-Gifford-Instrumenten, die früh auf SpaceX setzten. Börsengänge rund um das Thema künstliche Intelligenz (KI) haben zuletzt neue IPO-Euphorie ausgelöst.
Doch jenseits der bekannten Namen lohnt der Blick darauf, welche Trusts weitere potenzielle IPO-Kandidaten im Portfolio halten. Einschränkend gilt: Solche Unternehmen müssen nicht zwangsläufig an die Börse gehen. Entsprechende Pläne werden oft nur angedeutet oder gerüchteweise bestätigt und können leicht verschoben oder verworfen werden. Ein tatsächlicher IPO kann jedoch die Performance eines Trusts ankurbeln – wie bei SpaceX geschehen – und Liquidität freisetzen, die der Trust in neue Ideen investiert.
Databricks gilt als IPO-Kandidat und macht 4,2 Prozent von Schiehallion aus
Databricks, Anbieter einer Plattform für Datenanalyse, soll Berichten zufolge einen Börsengang anstreben. Dieser könnte allerdings auf 2027 verschoben werden, um Konkurrenz zu den großen Börsengängen dieses Jahres zu vermeiden. Databricks zählt zu den zehn größten Beteiligungen von Schiehallion, dem auf private Unternehmen spezialisierten Baillie-Gifford-Fonds, und macht 4,2 Prozent des Fonds aus. Auch für Baillie Gifford US Growth ist Databricks eine etwas kleinere Position.
Die Namen mit der prominentesten SpaceX-Exposure vor dem Börsengang waren Baillie-Gifford-Instrumente: von Scottish Mortgage über Baillie Gifford US Growth Ord (LSE: USA) und Schiehallion Fund Ord (LSE: MNTN) bis Edinburgh Worldwide Ord (LSE: EWI). Der Fokus dieser Manager auf wachstumsstarke Unternehmen und ihre Vorliebe für private Gesellschaften werden hier erneut deutlich.
Schiehallion gewährt Einblick in mehrere vor-IPO-Unternehmen
Mit seinem Fokus auf private Unternehmen gibt Schiehallion einen Einblick in vor-IPO-Unternehmen, in die Anleger möglicherweise über den Baillie-Gifford-Fondsverbund investieren können. Neben Databricks, SpaceX und einer weiteren IPO-Geschichte des Jahres 2026 – dem italienischen Unternehmen Bending Spoons SpA (NASDAQ: BSP) – umfasst die Top-10-Holdingliste des Fonds die Challenger Bank Revolut sowie den TikTok-Eigner ByteDance. Beide wurden zuvor bereits als potenzielle IPO-Geschichten gehandelt.
Das Portfolio enthält außerdem Stripe, den Zahlungsabwickler, über den zumindest reichlich IPO-Spekulationen kursieren. Stripe ist eine größere Position für Baillie Gifford US Growth und macht rund 7 Prozent des Portfolios aus.
Molten Ventures und Seraphim Space setzen ebenfalls auf vor-IPO-Werte
Es geht aber nicht nur um Baillie Gifford. Eine Handvoll anderer Fonds beschäftigt sich ebenfalls mit vor-IPO-Geschäft. Molten Ventures Ord (LSE: GROW) etwa hält eine Position in Revolut sowie eine weitere in dem Satellitenunternehmen ICEYE. ICEYE ist zugleich eine wichtige Beteiligung für Seraphim Space Investment Trust Ord (LSE: SSIT) und gilt schließlich als potenzieller IPO-Kandidat.
Private-Equity-Trusts können mitunter von IPOs profitieren, wie HarbourVest Global Priv Equity Ord (LSE: HVPE) dies bei Shein Global Holdings Ltd Class B (SEHK: 625) getan hat. Auch Fonds wie RIT Capital Partners Ord (LSE: RCP) agieren teilweise in privaten Märkten und können dadurch eine gewisse Exposure zu aufregenden IPOs aufweisen. RIT Capital war einer der Namen, die vor dem Börsengang eine Insiderbeteiligung an SpaceX hielten – die übrigens nicht groß war.
Der Private-Equity-Sektor kämpfte zuletzt mit deutlichen Abschlägen
Bereits am 29.10.2026 berichtete aktien.news, dass Investmenttrusts im Private-Equity-Sektor weiterhin mit erheblichen Abschlägen kämpfen. Im Durchschnitt lagen die Kurse rund 25 Prozent unter dem Nettoinventarwert (NAV) der zugrunde liegenden Vermögenswerte. Gegenüber dem Zeitraum von 2022 bis 2025, als die Abschläge zwischen 40 und 50 Prozent lagen, hat sich die Situation verbessert – von einer Normalisierung kann aber keine Rede sein. Auslöser der erneuten Aufmerksamkeit sind Mega-Cap-IPOs, die den Sektor wieder in den Fokus rückten.
Am 12.10.2026 meldete aktien.news, dass Scottish Mortgage im vergangenen Monat der meistgekaufte Investment Trust bei den Kunden von Interactive Investor war. Der Trust verzeichnete starke Renditen und konnte seit 2023 deutliche Kursgewinne vorweisen. Ein wesentlicher Treiber war eine frühe Position in SpaceX.
Ebenfalls am 12.10.2026 berichtete aktien.news, dass RIT Capital Partners Anteile an SpaceX und dem KI-Entwickler Anthropic hält. CEO Maggie Fanari von J. Rothschild Capital Management erläuterte, der Trust kombiniere langfristiges Wachstum mit Kapitalerhalt und investiere in drei Hauptkategorien, darunter börsennotierte Aktien und private Beteiligungen.
Am 26.03.2026 berichtete aktien.news, dass der Börsengang von SpaceX näher rückt. Laut Bloomberg sollten die Aktien voraussichtlich im Juni platziert werden, der Emissionsprospekt könnte bereits in den nächsten Tagen erscheinen. Die angestrebte Bewertung lag bei 1,75 Billionen Dollar. Mit einem angestrebten IPO-Erlös von bis zu 75 Milliarden Dollar würde Musk einen neuen Rekord aufstellen. Bei einem geschätzten Gewinn von rund acht Milliarden Dollar für 2025 ergab sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 220.
Deutsche Anleger sollten Lock-up-Fristen und Kursschwankungen beachten
Schließlich sei eine Warnung angebracht: Trusts mit großen Positionen in Unternehmen, die an die Börse gehen, unterliegen üblicherweise einer Lock-up-Phase, bevor sie verkaufen dürfen. Dadurch sind sie anfällig für starke Schwankungen an der Börse – wie bei Scottish Mortgage und seiner Position in SpaceX zu sehen war.
Für deutsche Privatanleger bedeutet das: Investmenttrusts können einen Zugang zu vor-IPO-Unternehmen eröffnen, der über klassische Aktienfonds oder Direktinvestments oft nicht möglich ist. Der Preis dafür ist eine höhere Volatilität, insbesondere rund um Börsengänge und während Lock-up-Fristen. Anleger sollten zudem beachten, dass die genannten Positionen nicht zwangsläufig zu einem IPO führen. Die genannten Inhalte stellen keine persönliche Empfehlung zum Kauf oder Verkauf eines Finanzinstruments dar.
Databricks könnte seinen Börsengang auf 2027 verschieben
Für das kommende Jahr stehen einige Termine und Erwartungen im Raum. Databricks soll einen Börsengang anstreben, dieser könnte jedoch auf 2027 verschoben werden, um Konkurrenz zu den großen Börsengängen dieses Jahres zu vermeiden. ICEYE gilt als potenzieller IPO-Kandidat. Revolut, ByteDance und Stripe wurden bereits als mögliche IPO-Geschichten gehandelt. Ob und wann diese Unternehmen tatsächlich an die Börse gehen, ist offen.
Diese Fachbegriffe erleichtern das Verständnis der IPO-Strategie
- Investmenttrust: Eine börsennotierte Gesellschaft, die das Geld ihrer Anleger in ein Portfolio aus verschiedenen Beteiligungen investiert.
- Börsengang (IPO): Der erstmalige Verkauf von Aktien eines Unternehmens an der Börse.
- Lock-up-Phase: Eine Sperrfrist, während der Altaktionäre ihre Anteile nach einem Börsengang nicht verkaufen dürfen.
- Nettoinventarwert (NAV): Der rechnerische Wert aller Vermögenswerte eines Fonds abzüglich seiner Verbindlichkeiten.
