Intuitive Surgical: Wachstum beschleunigt sich trotz negativer Marktreaktion
Intuitive Surgical steigert den Umsatz um 22 Prozent auf 3,1 Milliarden US-Dollar, doch die Aktie fällt im After-Hours-Handel um 7 Prozent.

Intuitive Surgical hat im dritten Quartal ein starkes Ergebnis vorgelegt. Der Umsatz kletterte um 22 Prozent auf 3,1 Milliarden US-Dollar und übertraf damit die Erwartungen von 2,9 Milliarden US-Dollar deutlich. Getragen wurde das Wachstum vor allem von soliden Zuwächsen bei den durchgeführten Eingriffen sowie einem Anstieg der Systemverkäufe um 30 Prozent.
Auch bei der Profitabilität überzeugte der Medizintechnikkonzern. Das operative Ergebnis vor Sondereinflüssen stieg um 30 Prozent auf 1,3 Milliarden US-Dollar, während Analysten mit 1,1 Milliarden US-Dollar gerechnet hatten. Starkes Umsatzwachstum und eine disziplinierte Kostenkontrolle sorgten dafür, dass die Gewinne schneller wuchsen als der Umsatz.
Trotz dieser Zahlen fiel die Aktie im After-Hours-Handel um 7,0 Prozent. Die Stimmung hatte sich bereits vor Veröffentlichung der Ergebnisse erholt. Die anhaltende Schwäche beim Wachstum der Prozeduren in den USA sowie eine Guidance, die die Erwartungen nicht anhob, lösten die negative Marktreaktion aus.
Guidance und Cashflow
Die Guidance für das Gesamtjahr blieb weitgehend unverändert. Die Spanne für das Prozedurwachstum wurde von 13,5 bis 15,5 Prozent auf 14 bis 15 Prozent eingegrenzt. Die Prognose für die Bruttomarge vor Sondereinflüssen verbesserte sich leicht auf 68,7 bis 69,3 Prozent.
Bei den liquiden Mitteln verzeichnete das Unternehmen einen Rückgang. Sie sanken im Quartal um 1,8 Milliarden US-Dollar auf 6,8 Milliarden US-Dollar. Grund dafür waren Aktienrückkäufe im Volumen von 2,9 Milliarden US-Dollar, die die verbesserte Cashflow-Generierung mehr als auffingen.
Marktführerschaft und Wachstumsfelder
Intuitive Surgical dominiert das Feld der robotergestützten Chirurgie. Seine Flaggschiff-Systeme vom Typ da Vinci kosten rund 2 Millionen US-Dollar. Sie bieten Gesundheitsdienstleistern und Patienten laut dem Bericht überzeugende Vorteile, darunter weniger Komplikationen und insgesamt niedrigere Behandlungskosten, was zu einer raschen Adoption geführt hat.
Starke Systemverkäufe ersetzen ältere Maschinen und erweitern die installierte Basis, aus der Intuitive wiederkehrende Einnahmen durch Instrumente, Zubehör und Wartung erzielt. Der stärkere Einsatz der neueren Da-Vinci-5-Systeme sollte dieses Modell stützen. Das Wachstum der Prozeduren in den USA bleibt jedoch eine relative Schwachstelle: Die Rate von 10 Prozent spiegelt einen besonders schwierigen Vergleichswert sowie Unsicherheiten bei Versicherungen und Erstattungen wider.
Das Wachstum an anderen Standorten ist deutlich stärker, insbesondere bei routinemäßigen Nicht-Krebs-Prozeduren. Das unterstreicht das Potenzial, die robotergestützte Chirurgie in Bereiche mit höherem Volumen jenseits ihrer traditionellen Spezialnischen auszuweiten.
Um die langfristige Adoption zu stützen, senkt Intuitive die Instrumentenkosten für Hochvolumen-Prozeduren wie die Hernienversorgung. Zusammen mit den vorgeschriebenen Kürzungen in China dürfte dies die Einnahmen pro Prozedur aus Instrumenten und Zubehör nach vollständiger Umsetzung um etwa 3 bis 5 Prozent reduzieren. Kostensparende Maßnahmen sollen die kurzfristigen Margenauswirkungen moderat halten und die niedrigeren Preise könnten den Zugang zur robotergestützten Chirurgie im Laufe der Zeit erweitern.
Für zusätzliche Unsicherheit sorgt eine Vergleichsbeilegung in Höhe von 450 Millionen US-Dollar im Zusammenhang mit Reparaturen und Wartung durch Dritte. Sie betrifft künftige kommerzielle Vereinbarungen und deren potenzielle Auswirkungen auf die wiederkehrenden Einnahmen.
Innovation und ESG
Innovation bleibt eine weitere Priorität des Konzerns. Ion, die Plattform für Lungenbiopsien, gewinnt an Boden, und flexible robotische Systeme könnten die Tür zur gastrointestinalen Chirurgie öffnen. Kraft-Rückmelde-Instrumente haben vielversprechende frühe klinische Ergebnisse gezeigt, mit dem Potenzial für eine breitere Akzeptanz, sobald die Verfügbarkeit verbessert ist. Zudem entwickelt die Gruppe Sprachsteuerungen, automatisierte Instrumentenbewegungen und fortschrittliche Bildgebung, was Verfahren für Chirurgen vereinfachen und die Systeme für Krankenhäuser attraktiver machen könnte.
Beim Thema ESG weist die Gesundheitsbranche je nach Teilindustrie ein mittleres bis hohes Risiko auf. Akut ist vor allem die Produkt-Governance, dazu tragen Unternehmensethik, Arbeitsbeziehungen und Datenschutz bei. Laut Sustainalytics ist das Management von ESG-Risiken durch Intuitive Surgical stark und oft der Branche voraus. Die Mitarbeiterfluktuation liegt unter 10 Prozent, gestützt durch Initiativen zur Talenteentwicklung und -rekrutierung. Bei umweltfreundlichem Produktdesign und dem End-of-Life-Produktmanagement liegt das Unternehmen jedoch hinterher, obwohl diese Themen in den Berichten erwähnt werden.
Bewertung und Ausblick
Bei der Bewertung zeigt sich ein gespaltenes Bild. Das vorwärtige Kurs-Gewinn-Verhältnis für die nächsten zwölf Monate liegt bei 36,4, während der Zehn-Jahres-Durchschnitt 49,0 beträgt. Die prospektive Dividendenrendite beträgt 0,0 Prozent und entspricht damit dem Zehn-Jahres-Durchschnitt.
Die Bewertung stand in diesem Jahr unter Druck, was die Erwartungen eines verlangsamenden Wachstums widerspiegelt. Intuitive Surgical hat jedoch eine lange Erfolgsbilanz darin, die Erwartungen zu übertreffen. Kurzfristig könnten Preisinitiativen zunächst das Umsatzwachstum belasten, weshalb die Prozedurvolumina genau beobachtet werden müssen, um Anzeichen dafür zu erkennen, dass niedrigere Preise eine breitere Adoption fördern. Eine starke Bilanz und eine beeindruckende Cashflow-Generierung ermöglichen es dem Konzern, Innovationen zu finanzieren, Kundenkosten zu senken und Geld durch Rückkäufe an die Aktionäre zurückzugeben – Garantien gibt es dafür allerdings keine.
Der Artikel stammt aus dem Umfeld von Hargreaves Lansdown und stellt ausdrücklich keine Anlageempfehlung dar. Investments können an Wert verlieren oder gewinnen.
