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GLP-1-Medikamente wirksam gegen alle Substanzgebrauchsstörungen laut Studie

Eine neue Studie der Washington University zeigt: GLP-1-Präparate könnten Sucht über alle wichtigen Substanzen hinweg behandeln und schwere Folgen reduzieren.

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GLP-1-Medikamente wirksam gegen alle Substanzgebrauchsstörungen laut Studie

Forscher der Washington University School of Medicine in St. Louis haben in einer umfangreichen neuen Studie gezeigt, dass GLP-1-Medikamente bei der Behandlung und Prävention von Substanzgebrauchsstörungen wirksam sein könnten – und zwar über alle wichtigen Suchtmittel hinweg. Die Ergebnisse wurden am 4. März 2026 im renommierten Fachmagazin „The BMJ" veröffentlicht.

GLP-1-Rezeptor-Agonisten wie Semaglutid und Tirzepatid sind ursprünglich als Therapie für Typ-2-Diabetes entwickelt worden. In den vergangenen Jahren erlebten sie einen rasanten Nachfrageboom, vor allem im Bereich der Gewichtsreduktion. Patienten berichteten dabei wiederholt von einem nachlassenden Interesse an Alkohol und Nikotin – ein Hinweis, der Forscher auf eine mögliche Wirkung gegen Suchterkrankungen aufmerksam machte.

Frühere Beobachtungsstudien hatten bereits einen Zusammenhang zwischen GLP-1-Medikamenten und einem geringeren Risiko für Alkohol- und Cannabisgebrauchsstörungen sowie Opioid-Überdosierungen und alkoholbedingte Krankenhausaufenthalte gezeigt. Diese Studien betrachteten die Substanzen jedoch stets einzeln. Die nun veröffentlichte Untersuchung geht erstmals der übergeordneten Frage nach, ob GLP-1-Präparate generell gegen Substanzgebrauchsstörungen wirken.

Analyse von über 600.000 US-Veteranen

Das Forschungsteam analysierte elektronische Gesundheitsakten von 606.434 US-Veteranen mit Typ-2-Diabetes. Die Teilnehmer wurden in zwei Gruppen aufgeteilt: Personen ohne vorherige Substanzgebrauchsstörung und Personen, die bereits an einer solchen litten. Die Gesundheitsdaten wurden über einen Zeitraum von bis zu drei Jahren ausgewertet, ab dem Zeitpunkt, an dem die Teilnehmer entweder mit einem GLP-1-Rezeptor-Agonisten – am häufigsten Semaglutid oder Liraglutid – behandelt wurden oder nicht.

Das Ergebnis ist bemerkenswert: GLP-1-Präparate waren mit einem verringerten Risiko für die Entwicklung von Substanzgebrauchsstörungen bei allen wichtigen Suchtmitteln verbunden. Zudem zeigte sich bei bereits betroffenen Personen ein geringeres Risiko für schwere Folgeschäden – einschließlich Überdosierungen und Tod.

Ein gemeinsamer biologischer Pfad als Erklärung

Dr. Ziyad Al-Aly, leitender Autor der Studie, klinischer Epidemiologe an der WashU Medicine und Leiter des Forschungs- und Entwicklungsdienstes des VA Saint Louis Health Care System, erklärt den möglichen Wirkmechanismus: „In der Suchtmedizin zielen viele Behandlungen auf nur eine Sache ab – zum Beispiel hilft ein Nikotinpflaster beim Rauchen, aber nicht bei Alkohol. Es gibt jedoch kein Medikament, das gegen verschiedene Suchtmittel wirkt, geschweige denn gegen alle."

Al-Aly weiter: „Die Erkenntnis über GLP-1-Medikamente ist, dass sie tatsächlich gegen alle wichtigen Substanzen wirken, und zwar einheitlich. Das liegt wahrscheinlich nicht daran, dass sie spezifisch gegen Alkohol, Opioide oder Nikotin wirken, sondern daran, dass sie vermutlich das Verlangen – das sogenannte Craving – selbst bekämpfen. Sie dämpfen das Verlangen, das Menschen zu ihrer jeweiligen Sucht zieht."

Wissenschaftlich erklärbar ist dies durch die Verteilung von GLP-1-Rezeptoren im Gehirn: Diese existieren in Hirnregionen, die die Belohnungsverarbeitung modulieren und damit das Verlangen beeinflussen können. Die Forscher vermuten daher, dass GLP-1-Präparate auf einen gemeinsamen biologischen Pfad abzielen, der Suchterkrankungen generell zugrunde liegt.

Besondere Bedeutung bei Methamphetamin

Al-Aly hob zudem hervor, dass es für bestimmte Substanzen wie Methamphetamin bislang keine zugelassene medikamentöse Behandlung gibt – ein erhebliches Hindernis auf dem Weg zur Genesung. Berichte seiner Patienten, die nach Beginn einer GLP-1-Medikation mit dem Trinken oder Rauchen aufhören konnten, brachten ihn auf die Frage, ob dieser Effekt auch auf andere Substanzen übertragbar sein könnte.

Die Studie liefert damit einen wichtigen Impuls für die Suchtforschung und eröffnet möglicherweise einen völlig neuen Therapieansatz. Für Anleger, die in Pharmaunternehmen wie Novo Nordisk oder Eli Lilly investiert sind – die Hersteller von Semaglutid bzw. Tirzepatid – könnten diese Erkenntnisse langfristig zusätzliche Marktpotenziale für GLP-1-Präparate signalisieren, die weit über Diabetes und Adipositas hinausgehen.

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