Galliford-Try-Chef Bill Hocking verkauft Aktien für 1,7 Millionen Pfund
Der britische „CEO des Jahres" reduziert seinen Anteil am Baukonzern – Analysten sehen weiter Kurspotenzial.

Der britische Börsenmanager des Jahres hat seinen Erfolg an der Spitze von Galliford Try Holdings (LSE:GFRD) genutzt und Aktien im Wert von 1,7 Millionen Pfund verkauft – zum doppelten Preis im Vergleich zu vor nur 18 Monaten. Bill Hocking, CEO des im FTSE 250 notierten Bau- und Infrastrukturunternehmens, trennte sich am Donnerstag von 250.000 Aktien zu einem Preis von 672 Pence je Stück. Zuvor hatte die Aktie nach den jährlichen Ergebnissen erstmals die Marke von 700 Pence überschritten.
Trotz des Verkaufs bleibt Hocking ein bedeutender Aktionär. Der Offenlegung im Jahresbericht zufolge hält er 1,3 Millionen Aktien direkt und insgesamt 2,2 Millionen, wenn nicht ausgeübte Optionen eingerechnet werden. Der Verkauf fällt in eine Phase, in der Galliford Try auf eine außergewöhnliche Entwicklung zurückblickt: Seit Juli 2020 summiert sich die Gesamtrendite für Aktionäre auf mehr als 400 Prozent.
Die Details
Hocking hat seit dem Verkauf der Linden Homes- und Partnerschaftsaktivitäten durch Galliford Try an Vistry Group (LSE:VTY) Anfang 2020 sechs Jahre in Folge Wachstum überwacht. Das Unternehmen konzentriert sich auf Bereiche wie Gesundheit, Wasser, Bildung und Verteidigung. Das Auftragsbuch beläuft sich auf 4,3 Milliarden Pfund, wobei 95 Prozent auf regulierte und öffentliche Sektoren entfallen.
Die operative Entwicklung kann sich sehen lassen: Der bereinigte Gewinn stieg zuletzt um 24,2 Prozent auf 55,9 Millionen Pfund für das Geschäftsjahr bis zum 30. Juni, verglichen mit 12,4 Millionen Pfund im Jahr 2021. In diesen sechs Jahren kletterten die Umsätze von 1,1 Milliarden Pfund auf 1,9 Milliarden Pfund. Die bereinigte operative Marge je Segment verbesserte sich von 2 Prozent auf 3,5 Prozent.
Für das Jahr 2027 erwartet Galliford Try weitere Fortschritte. Das Unternehmen arbeitet darauf hin, sein Ziel für 2030 zu erreichen: Umsätze von mindestens 2,2 Milliarden Pfund und eine Marge von 4 Prozent. Für diese Leistung wurde Hocking als „CEO des Jahres" ausgezeichnet – die plc Awards 2026 erkannten ihn als herausragenden Führer unter den Unternehmen des FTSE 100 und FTSE 250 an. Galliford Try war zudem Finalist in der Kategorie „Unternehmen des Jahres", nachdem gezeigt wurde, dass „Erfolg kein kurzfristiges Phänomen ist".
Die Analystengemeinde steht hinter der Aktie. Berenberg und Peel Hunt hoben ihre Kursziele nach den Ergebnissen auf 750 Pence an. Panmure Liberum liegt bei 735 Pence und argumentiert, die Bewertungsmultiples von Galliford – die mit vergleichbaren Vertragsunternehmen beim 14,1-Fachen der Gewinne lagen – spiegelten den Wert der erheblichen Netto-Bargeldposition und des Investitionsportfolios der Gruppe nicht wider. Berenberg, das seine Gewinnerwartungen im Durchschnitt um 5 Prozent anhob, erklärte: „Wir erwarten, dass die Gruppe Kapital zunehmend einsetzt, um weiteres Wachstum der Gewinne pro Aktie zu treiben, sei es durch M&A, organische Investitionen oder Ausschüttungen an Aktionäre."
Auch bei der Kapitalrückgabe zeigt sich das Unternehmen großzügig. Galliford Try kündigte ein neues Aktienrückkaufprogramm über 15 Millionen Pfund an – das vierte dieser Art, nachdem ein Programm im Wert von 10 Millionen Pfund im April abgeschlossen wurde. Zudem plant das Unternehmen, am 4. Dezember eine Schlussdividende von 17 Pence pro Aktie auszuschütten. Damit steigt die Gesamtsumme für 2025/26 um 23,7 Prozent auf 23,5 Pence, die vom Gewinn 1,8-fach gedeckt sind. Die Aktien handeln mit einer erwarteten Dividendenrendite von 4,1 Prozent, basierend auf Prognosen von Panmure Liberum.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 20.04.2026 berichtete aktien.news, dass Insiderkäufe als eines der stärksten Signale gelten, die Unternehmensführungen an den Markt senden können. In einer ansonsten ruhigen Woche für Insidertransaktionen hatten gleich mehrere Direktoren bei zwei britischen Unternehmen zugegriffen – beim AIM-notierten Fahrzeugtestspezialisten AB Dynamics sowie beim Baukonzern Galliford Try Holdings. Bei AB Dynamics investierten drei Führungskräfte insgesamt rund 45.000 Britische Pfund in Aktien des eigenen Unternehmens, und zwar zum günstigsten Kurs seit vier Jahren.
Am 24.09.2026 meldete aktien.news, dass zwei britische Infrastruktur- und Bauaktien in den vergangenen sieben Handelstagen für Aufsehen gesorgt hatten: Galliford Try Holdings legte um 24 Prozent auf 703 Pence zu, Kier Group (LSE: KIE) sogar um 27 Prozent auf 312 Pence. Analyst Edmond Jackson, der beide Aktien im Juli auf „Kaufen" hochgestuft hatte – Galliford bei 621 Pence, Kier bei 240 Pence –, stellte sich damals die Frage, ob nach dieser rasanten Neubewertung noch Aufwärtspotenzial besteht oder ob Vorsicht angebracht ist. Hintergrund der Hochstufung war die neue britische Regierung unter Premierminister Andy Burnham, die Jackson zufolge weitere Aufwertungen für den Infrastruktursektor impliziert.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Transaktion ein zweischneidiges Signal. Einerseits gilt der Verkauf durch einen CEO, der gerade als bester Manager des Jahres ausgezeichnet wurde, nicht automatisch als Vertrauensverlust – Führungskräfte reduzieren ihre Positionen regelmäßig aus Gründen der Portfolio-Diversifikation. Andererseits bleibt Hocking mit 1,3 Millionen direkt gehaltenen Aktien und insgesamt 2,2 Millionen Anteilen einschließlich Optionen klar investiert, was als fortgesetztes Engagement gewertet werden kann.
Interessant ist der Kontrast zur Bewertung: Während der CEO auf dem Niveau von 672 Pence verkaufte, sehen mehrere City-Analysten Kursziele bei 750 Pence (Berenberg, Peel Hunt) beziehungsweise 735 Pence (Panmure Liberum). Die erwartete Dividendenrendite von 4,1 Prozent und das laufende Rückkaufprogramm über 15 Millionen Pfund stützen die These, dass das Unternehmen weiterhin Kapital an die Aktionäre zurückführt. Anleger sollten beachten, dass die Aktie nach dem starken Kursanstieg – plus 24 Prozent innerhalb von sieben Handelstagen im September – bereits viel Optimismus eingepreist hat.
Ausblick
Galliford Try erwartet für das Jahr 2027 weitere Fortschritte auf dem Weg zu seinen Zielen für 2030: Umsätze von mindestens 2,2 Milliarden Pfund und eine operative Marge von 4 Prozent. Die Schlussdividende von 17 Pence pro Aktie wird am 4. Dezember ausgeschüttet. Das neue Aktienrückkaufprogramm über 15 Millionen Pfund läuft nach dem Abschluss des vorherigen Programms im April. Berenberg rechnet damit, dass die Gruppe Kapital zunehmend für M&A, organische Investitionen oder Ausschüttungen einsetzen wird, um das Wachstum des Gewinns pro Aktie zu treiben.
Kurz erklärt
- Aktienrückkaufprogramm: Ein Unternehmen kauft eigene Aktien an der Börse zurück, wodurch sich die Zahl der ausstehenden Anteile verringert.
- Bereinigter Gewinn: Gewinnkennzahl, bei der Sonderposten und einmalige Effekte herausgerechnet werden, um die operative Entwicklung vergleichbar zu machen.
- Dividendenrendite: Verhältnis der jährlichen Dividendenzahlung zum aktuellen Aktienkurs eines Unternehmens.
