Cleveland-Cliffs, Intel, Datadog: Diese Aktien bewegen sich im Vorhandel stark
Stahl, Chips, Cloud und E-Commerce: Fünf US-Aktien zeigen vor Handelsstart deutliche Ausschläge – getrieben von Quartalszahlen und Analystenurteilen.

Der Vorhandel an der Wall Street hat eine Reihe deutlicher Kursbewegungen gebracht. Im Zentrum stehen der Stahlhersteller Cleveland-Cliffs, der Chiphersteller Intel, das Cloud-Monitoring-Unternehmen Datadog, der E-Commerce-Riese Amazon und der Alternative-Asset-Manager Blue Owl Capital. Die Ausschläge reichen von einem Plus von mehr als 10% bei Cleveland-Cliffs bis zu einem Zuwachs von rund 1% bei Amazon und Blue Owl Capital.
Auslöser sind eine Mischung aus überraschend starken Quartalszahlen und geänderten Analystenurteilen. Besonders auffällig: Cleveland-Cliffs legte nach einem besser als erwarteten Gewinn für das dritte Quartal deutlich zu. Bei Intel, Datadog und Amazon sorgten Hochstufungen und neue Kursziele für Auftrieb.
Für deutsche Anleger sind die Bewegungen vor allem deshalb relevant, weil sie die Stimmung an den US-Märkten vor dem offiziellen Handelsstart widerspiegeln. Der Vorhandel gilt als Frühindikator dafür, wie Investoren neue Unternehmensnachrichten einordnen.
Die Details
Cleveland-Cliffs: Die Aktie des Stahlherstellers stieg um über 10%, nachdem das Unternehmen für das dritte Quartal einen besseren Gewinn als erwartet ausgewiesen hatte. Cleveland-Cliffs meldete bereinigte Gewinne von 28 Cent je Aktie und übertraf damit eine Schätzung von FactSet von 21 Cent je Aktie. Der Bericht folgt auf die Drohung der kanadischen Regierung, vergangene Woche rechtliche Schritte einzuleiten, einschließlich eines möglichen erzwungenen Verkaufs kanadischer Vermögenswerte, aufgrund von Plänen, Hunderte von Arbeitnehmern bei seinen Stelco-Betrieben abzubauen.
Intel: Die Aktien kletterten um fast 4%, nachdem JPMorgan den Chiphersteller von „Underweight" auf „Neutral" hochgestuft hat. „Obwohl die Wende Jahre dauern wird, war die Ausführung durch das Management solide, und unser Vertrauen wächst", schrieb Analyst Harlan Sur.
Datadog: Das Cloud-Monitoring-Unternehmen legte um 3% zu, nachdem Bernstein die Einstufung von „Market Perform" auf „Outperform" angehoben hatte. Bernsteins Analyst Peter Weed sagte voraus, dass die Winde aus dem KI-Sektor die Aktie stützen werden.
Amazon: Der E-Commerce-Riese stieg um mehr als 1%, nachdem Morgan Stanley es als Top-Pick bezeichnete und sein Kursziel anhob. Analyst Brian Nowak verwies auf das beschleunigte Wachstum bei Amazon Web Services, das Potenzial seiner Bedrock-KI-Plattform und die Effizienzsteigerungen durch Robotik.
Blue Owl Capital: Der Alternative-Asset-Manager legte um 1% zu, nachdem The Wall Street Journal am späten Freitag unter Berufung auf Quellen berichtet hatte, dass Investmentbanker das Unternehmen bezüglich eines potenziellen vollständigen oder teilweisen Verkaufs kontaktiert haben.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 25.07.2026 berichtete aktien.news, dass der Höhepunkt der laufenden Berichtssaison unmittelbar bevorstehe. In der kommenden Woche würden mehr als 150 Unternehmen aus dem S&P 500 ihre Quartalsergebnisse präsentieren, wobei besonders Apple, Microsoft, Meta Platforms und Amazon im Fokus stünden – allesamt am Mittwoch und Donnerstag, mehr als die Hälfte der sogenannten „Magnificent Seven". CNBC Pro habe gemeinsam mit dem Datenanbieter FactSet jene S&P-500-Unternehmen identifiziert, die mit beschleunigtem Gewinnmomentum in die Berichtswoche gehen.
Am 11.04.2026 berichtete aktien.news über die auffälligsten Aktien der Woche, dominiert von KI-Infrastruktur und Halbleiterthemen. Damals legten die Aktien von CoreWeave in dieser Woche um über 35% zu, allein am Freitag betrug das Plus mehr als 11%. Auslöser waren massive Leasingverträge für KI-Rechenzentren mit Meta und Anthropic. Intel und Amazon gehörten damals ebenfalls zu den glänzenden Werten.
Am 23.07.2026 berichtete aktien.news, dass Datadog sich selbst als „die führende Observability- und Sicherheitsplattform für das Zeitalter der künstlichen Intelligenz" bezeichnet. Das Unternehmen bündelt Anwendungen, Infrastruktur, Daten, Modelle und Sicherheit auf einer einzigen Plattform und bietet Anbindungen an Amazon.com, Microsoft sowie die Google-Muttergesellschaft Alphabet – damit deckt es die drei dominierenden Cloud-Plattformen AWS, Azure und Google Cloud gleichzeitig ab.
Erst am 14.10.2026 meldete aktien.news, dass Morgan Stanley im dritten Quartal die Erwartungen bei Umsatz und Gewinn übertroffen habe. Getrieben wurde das Ergebnis vor allem vom Aktienhandel, der die Umsatzerwartungen um rund 909 Millionen Dollar übertraf. Der Gewinn pro Aktie lag bei 3,03 Dollar und übertraf damit die LSEG-Schätzung von 2,91 Dollar. Der Umsatz erreichte 20,34 Milliarden Dollar und lag über der LSEG-Schätzung von 19,95 Milliarden Dollar. Der Gewinn stieg um 6,5% auf 4,91 Milliarden Dollar bzw. 3,03 Dollar je Aktie, während der Umsatz um 12% auf 20,34 Milliarden Dollar kletterte.
Was das für Anleger bedeutet
Die Vorhandelsbewegungen zeigen, wie stark einzelne US-Aktien derzeit auf Analystenurteile reagieren. Bei Intel, Datadog und Amazon waren es nicht die eigenen Zahlen, sondern Einschätzungen von JPMorgan, Bernstein und Morgan Stanley, die für Auftrieb sorgten. Das unterstreicht die Bedeutung von Broker-Kommentaren für die kurzfristige Kursentwicklung.
Bei Cleveland-Cliffs kommt dagegen eine Mischung aus operativer Entwicklung und regulatorischem Druck zusammen. Einerseits übertraf das Unternehmen die Gewinnschätzung von FactSet, andererseits steht es wegen der geplanten Stellenstreichungen bei den Stelco-Betrieben im Konflikt mit der kanadischen Regierung. Anleger sollten beide Seiten im Blick behalten.
Blue Owl Capital wiederum ist ein Sonderfall: Hier ist der Kursanstieg auf einen Medienbericht über einen möglichen Verkauf des Unternehmens zurückzuführen. Solche Berichte sind mit Vorsicht zu behandeln, da sie auf nicht namentlich genannten Quellen beruhen.
Für deutsche Privatanleger gilt: Die genannten Werte sind an US-Börsen gelistet, und die Kursbewegungen im Vorhandel sind Momentaufnahmen. Sie können sich bis zum regulären Handelsstart und im weiteren Tagesverlauf deutlich verändern.
Ausblick
Konkrete Termine nennt der Quelltext nur mittelbar: Der Cleveland-Cliffs-Bericht folgt auf die Drohung der kanadischen Regierung aus der vergangenen Woche, rechtliche Schritte einzuleiten. Wie sich dieser Konflikt um die Stelco-Betriebe weiterentwickelt, bleibt offen.
Bei Blue Owl Capital hängt die weitere Entwicklung davon ab, ob aus den berichteten Kontaktaufnahmen durch Investmentbanker tatsächlich ein vollständiger oder teilweiser Verkauf wird. Das Wall Street Journal beruft sich dabei auf Quellen, eine offizielle Bestätigung des Unternehmens liegt nicht vor.
Bei Intel verweist Analyst Harlan Sur ausdrücklich darauf, dass die Wende Jahre dauern wird. Anleger sollten die Hochstufung von „Underweight" auf „Neutral" daher nicht als kurzfristiges Kaufsignal missverstehen.
Kurz erklärt
- Vorhandel: Der Handel mit einer Aktie vor der offiziellen Eröffnung der Börse, der erste Reaktionen auf neue Nachrichten zeigt.
- Hochstufung: Die Anhebung der Analystenempfehlung für eine Aktie durch ein Research-Haus.
- Bereinigter Gewinn: Ein um Sonderposten korrigierter Gewinn, der die operative Entwicklung besser vergleichbar macht.
