FTSE 100 steigt leicht – Inflation in Großbritannien klettert auf 3,5 Prozent
Der britische Leitindex legt trotz der höchsten Inflationsrate seit Oktober 2025 leicht zu, während DAX und CAC 40 deutlicher gewinnen.

Die britischen Aktienmärkte haben am Mittwoch zugelegt. Der FTSE 100 notierte um 09:08 Uhr ET (13:08 Uhr GMT) mit einem Plus von 0,29 Prozent. Die europäischen Börsen verzeichneten ebenfalls Gewinne, und die Anleger ignorierten zunächst die steigende Inflation im Vereinigten Königreich.
Deutschlands DAX legte um 1,3 Prozent zu, Frankreichs CAC 40 gewann nahezu 1 Prozent. Das Pfund Sterling stieg gegenüber dem US-Dollar um 0,10 Prozent auf 1,3396. Damit setzte sich die Erholung an den europäischen Handelsplätzen fort, obwohl die britischen Verbraucherpreise im September deutlich anzogen.
Zu den stärksten Gewinnern im FTSE 100 gehörte Entain mit einem Anstieg von 4,3 Prozent. Auf den weiteren Plätzen folgten Rightmove, Lion Finance und BP. Ein einzelner dominierender Sektor war nicht auszumachen, doch der Finanzsektor zeigte sich stabil: Standard Chartered legte um 1,38 Prozent zu, Lloyds stieg um 1,32 Prozent.
Die Details
Die Verbraucherpreise in Großbritannien sind laut Angaben des Office for National Statistics (ONS) im September um 3,5 Prozent gestiegen, nach 3,1 Prozent im Vormonat. Damit lag die Teuerungsrate über der prognostizierten Rate von 3,4 Prozent und markiert den höchsten Stand seit Oktober 2025. Die Inflation bleibt damit deutlich über dem Niveau, das die Bank of England anstrebt.
Auch der britische Immobilienmarkt sendet schwache Signale. Die Immobilienpreise in Großbritannien sanken im August, was den dritten Rückgang in Folge darstellt. Das jährliche Wachstum ließ auf 0,9 Prozent nach, wie das ONS mitteilte. Alle diese Zahlen liegen vor dem Budget der Regierung am 28. Oktober.
In der Energiepolitik genehmigte Großbritannien das Gasfeld Jackdaw in der Nordsee. Nach Angaben von Energieministerin Miatta Fahnbulleh soll es bis Ende dieses Monats mit der Gasversorgung beginnen. Premierminister Andy Burnham sagte: „In einer Zeit, in der die Menschen wirklich unter Druck stehen, ist es richtig, dass wir verantwortungsvoll prüfen, wie wir die bestehenden Energiereserven in Großbritannien maximieren können, die dazu beitragen könnten.“ Die Green Party nannte dies „Klimawandalismus“.
Auf der geopolitischen Bühne landete der französische Präsident Emmanuel Macron auf einem ungeplanten Stopp in Riad. Es ist der erste Besuch eines westlichen Staatschefs, seit die Houthi-Angriffe auf Saudi-Arabien diesen Monat an Intensität gewonnen haben, teilte sein Büro mit. Abbas Araghchi aus Iran erklärte, der Iran sei „vollständig bereit, sich selbst zu verteidigen“, bleibe aber einer friedlichen Lösung verpflichtet, wie die Financial Times berichtete. Präsident Masoud Pezeshkian sagte, es sei „unakzeptabel, alle Wege zu blockieren und Drohungen auszusprechen, während gleichzeitig Gespräche gefordert werden“.
Das UKMTO meldete, dass ein Projektil einen Tanker westlich von Bukha in Oman traf, und gab eine verspätete Meldung weiter, wonach am Dienstag ein Tanker vor der Küste Iraks getroffen worden war. Die Houthi bestritten, Drohnen gegen Medina abgeschossen zu haben, was die von Saudi-Arabien angeführte Koalition als abgefangen bezeichnete.
An den Rohstoffmärkten lagen Brent-Futures bei 107,97 Dollar pro Barrel und waren um 0,80 Prozent gefallen, während US-Rohöl um 0,79 Prozent auf 97,04 Dollar fiel. Gold-Futures kletterten leicht um 0,32 Prozent auf 4.155,15 Dollar pro Unze, und Spot-Gold gewann um 0,27 Prozent auf 4.136,93 Dollar, nachdem beide zuvor niedriger gehandelt hatten.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 16.09.2026 berichtete aktien.news, dass die britische Inflation im August auf 3,1 Prozent gestiegen war. Im Juli hatte die jährliche Teuerungsrate noch bei 2,9 Prozent gelegen. Die Veröffentlichung erfolgte damals nur einen Tag vor der Zinsentscheidung der Bank of England. Als Hauptgrund nannten Ökonomen einen erneuten Anstieg der Energiepreise, der auf die Wiederaufnahme der Konflikte im Golf zurückzuführen war.
Am 12.08.2026 meldete aktien.news, dass der FTSE 100 mit Gewinnen in den Handelstag startete, diese jedoch rasch wieder abgab. Gegen 12:43 Uhr GMT notierte der britische Leitindex mit einem Minus von 0,04 Prozent. Während der deutsche DAX seine Gewinne auf 0,48 Prozent ausbaute, weitete der französische CAC 40 seine Verluste auf 0,21 Prozent aus. Das Pfund Sterling legte gegenüber dem US-Dollar um 0,23 Prozent auf 1,3538 zu.
Am 15.07.2026 berichtete aktien.news, dass britische Aktien einen Großteil ihrer frühen Verluste wettmachten. Schwächer als erwartet ausgefallene US-Inflationsdaten halfen dabei, die erneute Eskalation im Iran-Konflikt zu überlagern. Der FTSE 100 notierte um 13:00 Uhr GMT mit einem Minus von lediglich 0,08 Prozent. Der deutsche DAX verlor 0,52 Prozent, während der französische CAC 40 um 0,10 Prozent zulegte.
Am 18.02.2026 berichtete aktien.news, dass der FTSE 100 am Mittwochnachmittag um 1,1 Prozent zulegte und von ermutigenden Inflationsdaten für Januar profitierte. Die Zahlen signalisierten einen nachlassenden Preisdruck und verstärkten die Erwartungen, dass die Bank of England ihren Zinssenkungskurs fortsetzen könnte. Das britische Pfund Sterling gewann gegenüber dem US-Dollar 0,1 Prozent auf 1,3575.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger zeigt der Handelstag, wie stark die britischen Märkte derzeit von der Inflationsentwicklung und der Geldpolitik der Bank of England getrieben werden. Die unerwartet hohe Teuerungsrate von 3,5 Prozent im September belastet die Aussicht auf baldige Zinssenkungen, während der FTSE 100 dennoch zulegen konnte. Der stabile Finanzsektor mit Standard Chartered und Lloyds deutet darauf hin, dass Anleger auf zinssensitive Titel setzen.
Gleichzeitig bleiben die geopolitischen Risiken im Nahen Osten präsent. Die Angriffe auf Tanker und die angespannte Lage rund um Iran und Saudi-Arabien schlagen sich in den Ölpreisen nieder. Brent und US-Rohöl gaben zwar leicht nach, notieren aber weiterhin auf hohem Niveau. Gold als klassischer sicherer Hafen legte leicht zu.
Der britische Immobilienmarkt mit dem dritten Preisrückgang in Folge und einem jährlichen Wachstum von nur noch 0,9 Prozent ist ein weiterer Belastungsfaktor. Anleger mit Engagement in britischen Immobilien- und Konsumwerten sollten die weitere Datenlage im Blick behalten. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Ausblick
Der wichtigste Termin für den britischen Markt ist das Budget der Regierung am 28. Oktober. Bis dahin dürften die jüngsten Inflations- und Immobilienpreisdaten die Debatte bestimmen. Zudem soll das Gasfeld Jackdaw in der Nordsee nach Angaben von Energieministerin Miatta Fahnbulleh bis Ende dieses Monats mit der Gasversorgung beginnen.
Im Nahen Osten bleibt die Lage angespannt. Der ungeplante Stopp von Präsident Macron in Riad unterstreicht die diplomatischen Bemühungen. Iran signalisiert Verteidigungsbereitschaft, hält aber an einer friedlichen Lösung fest. Die weitere Entwicklung an den Rohstoffmärkten hängt maßgeblich von diesen Signalen ab.
Kurz erklärt
- FTSE 100: Der britische Leitindex umfasst die 100 größten börsennotierten Unternehmen an der Londoner Börse.
- Verbraucherpreisindex: Er misst die durchschnittliche Preisentwicklung eines Warenkorbs und gilt als wichtigster Inflationsindikator.
- Brent: Brent ist eine wichtige Rohölsorte, die als Referenz für den Weltmarktpreis dient.
