FAA steht kurz vor Zulassung der Boeing 737 MAX 10
Die US-Luftfahrtbehörde könnte die größte Variante der 737-MAX-Familie bereits in der kommenden Woche freigeben.

Die US-Luftfahrtbehörde FAA steht kurz vor der lang erwarteten Zulassung der Boeing 737 MAX 10. Wie sowohl Reuters als auch Bloomberg unter Berufung auf informierte Kreise berichten, könnte die offizielle Genehmigung bereits in der kommenden Woche erfolgen. Vorausgegangen war ein erfolgreiches Treffen des „Type Certification Board“, bei dem die FAA am vergangenen Freitag eine entscheidende Sicherheitsüberprüfung abschloss.
Für den US-Flugzeugbauer geht es dabei um weit mehr als ein einzelnes Modell. Die 737 MAX 10 ist die größte Variante der 737-MAX-Familie und gilt als strategisch wichtiges Flugzeug für Boeing. Während Reuters betont, dass die Zulassung einen Meilenstein nach Jahren der Krise darstellt, hebt Bloomberg hervor, dass das Modell eine zentrale Rolle bei der Erneuerung von Flugzeugflotten spielt.
Viele Airlines planen den Einsatz der MAX 10 als direkten Ersatz für alternde Boeing 757-Flotten auf stark frequentierten Inlands- und Transkontinentalstrecken. Damit trifft die anstehende Freigabe einen Bedarf, der sich bei den Fluggesellschaften seit Jahren aufbaut.
Die Details
Der Weg zur Zulassung war ungewöhnlich lang und von mehreren Rückschlägen geprägt. Der Zertifizierungsprozess wurde aufgrund der fatalen Abstürze der MAX 8 in den Jahren 2018 und 2019 sowie der verstärkten Prüfung der Produktionsqualität nach dem Zwischenfall mit einer Alaska Airlines MAX 9 im Januar 2024 deutlich verschärft. Zudem verzögerten technische Probleme den Prozess, etwa am Anti-Eis-System der Triebwerke im Jahr 2023.
Ein im September bekannt gewordener Softwarefehler in der Navigation sorgte für einen weiteren Aufschub. Die FAA stufte dieses Problem jedoch am 2. Oktober als sicherheitstechnisch unbedenklich ein. Damit stellt es kein Hindernis für die Zulassung mehr dar. Boeing hat bereits eine Reihe von MAX-10-Maschinen fertiggestellt, die auf ihre Auslieferung warten.
Das Auftragsvolumen unterstreicht die Bedeutung des Modells. Insgesamt liegen Bestellungen für fast 1.500 Einheiten vor, was etwa 30 % des gesamten 737-Auftragsbestands entspricht. Zu den Hauptkunden gehören United Airlines, Alaska Airlines, Ryanair, Delta Air Lines und American Airlines.
Parallel arbeitet Boeing an der Zertifizierung der 777-9. Dieses Modell ist bereits sechs Jahre hinter dem Zeitplan zurück, wobei das Unternehmen die Auslieferung derzeit für 2027 anstrebt. Die FAA betonte auf Anfrage lediglich, dass die Sicherheit den Zeitplan der Zertifizierung bestimme.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die Entwicklung rund um die MAX-10-Zulassung lässt sich anhand der Berichterstattung von aktien.news gut nachzeichnen. Bereits am 10.07.2026 berichtete aktien.news, dass die FAA kurz davor stehe, die Boeing 737 MAX 7 noch im laufenden Monat zu zertifizieren – das kleinste Modell der MAX-Standardrumpffamilie. Damals hieß es unter Berufung auf vertraute Personen, der Jet sei auf Kurs, die Zulassung in den letzten Juliwochen zu erhalten, sofern keine kurzfristigen Hindernisse auftreten. Für Boeing wäre dies ein bedeutender, wenn auch lange überfälliger Meilenstein gewesen; erst nach Erteilung der Zulassung darf ein Flugzeug kommerziell eingesetzt werden.
Am 29.09.2026 folgte dann der nächste Rückschlag. Nach Angaben von aktien.news erklärte der Leiter der US-Luftfahrtaufsicht FAA, dass ein Softwareproblem die Zertifizierung des Boeing 737 Max 10 verzögern werde. Die Behörde prüfte damals, ob der Fehler ein Sicherheitsrisiko darstellt. Boeing hatte eigentlich erwartet, „sehr bald“ grünes Licht der Aufsichtsbehörde für das jahrelang verzögerte Modell zu erhalten – das hatte CEO Kelly Ortberg gegenüber Investoren Anfang September erklärt. Am Samstag teilte das Unternehmen dann mit, dass im vergangenen Monat ein Softwarefehler bei einigen 737-Max-Flugzeugen gemeldet wurde.
Am selben Tag berichtete aktien.news, dass die FAA erst nach einer vollständigen Bewertung des Problems über die Freigabe entscheiden wolle. Konkret ging es um die vertikale Navigation nach einem abgebrochenen Landeversuch: Diese Funktion stand den Piloten in bestimmten Situationen zunächst nicht zur Verfügung, betroffene Crews hatten in diesem Fall nur Zugriff auf eine niedrigere Automatisierungsstufe des Systems. Boeing betonte seinerzeit, dass die Piloten auch ohne Automatisierung landen können.
Den vorläufigen Schlusspunkt setzte der Bericht vom 03.10.2026. Darin hieß es, die FAA habe entschieden, dass ein Softwarefehler in den Flugcomputern der Boeing 737 MAX kein Sicherheitsrisiko darstelle – und damit den Weg für die lang erwartete Zertifizierung der 737 MAX 10 ebne. Ein internes Expertengremium, das sogenannte „Corrective Action Review Board“, kam in Seattle zu dem Schluss, dass Piloten jederzeit die volle Kontrolle über das Flugzeug behalten und die Anzeigen für die Cockpit-Besatzung klar und eindeutig sind. Der Fehler betrifft die Softwareversionen U14 und U14.1 und kann in seltenen Fällen dazu führen, dass die automatisierte vertikale Flugführung während eines Landeanflugs deaktiviert wird.
Was das für Anleger bedeutet
Für Boeing ist die Zertifizierung von hoher finanzieller Bedeutung. Das Unternehmen sieht in der MAX 10 einen wesentlichen Treiber für den Cashflow, der zur Reduzierung der hohen Schuldenlast und zur Stabilisierung der Bilanz beitragen soll. Die fertiggestellten, aber noch nicht ausgelieferten Maschinen dürften dabei eine Sonderrolle spielen: Sie binden Kapital, bis sie an die Kunden übergeben und bezahlt werden können.
Zugleich dokumentiert die Geschichte des Modells, wie stark sich regulatorische Risiken auf den Zeitplan und damit auf die Ergebnisentwicklung auswirken können. Angesichts der jahrelangen Verzögerungen konnte der europäische Konkurrent Airbus mit seinem A321neo einen größeren Marktanteil im Segment der großen Schmalrumpfflugzeuge gewinnen. Diese Marktverschiebung ist für Boeing ein Wettbewerbsnachteil, der sich nicht kurzfristig korrigieren lässt. Für deutsche Privatanleger bleibt festzuhalten: Die Zulassung wäre ein operativer Fortschritt, aber kein Automatismus für steigende Kurse.
Ausblick
Der konkrete nächste Schritt ist die offizielle Genehmigung durch die FAA, die laut Medienberichten bereits in der kommenden Woche erfolgen könnte. Danach könnte Boeing mit der Auslieferung der bereits gebauten MAX-10-Maschinen beginnen. Für die 737 MAX 7 hatte aktien.news im Juli 2026 ebenfalls über eine unmittelbar bevorstehende Zertifizierung berichtet.
Bei der 777-9 bleibt der Zeitplan hingegen angespannt: Das Modell liegt bereits sechs Jahre hinter dem Plan, die Auslieferung wird derzeit für 2027 angestrebt. Die FAA hat klarstellt, dass die Sicherheit – und nicht der Zeitplan – den Takt der Zertifizierung vorgibt. Dieser Satz dürfte auch für alle künftigen Boeing-Programme gelten.
Kurz erklärt
- Zertifizierung: Behördliche Freigabe, die ein Flugzeugtyp erhalten muss, bevor er Passagiere befördern darf.
- Auftragsbestand: Die Summe aller verbindlich bestellten, aber noch nicht ausgelieferten Flugzeuge eines Herstellers.
- Cashflow: Der Zufluss an Zahlungsmitteln aus dem laufenden Geschäft, der Schulden tilgen und Investitionen finanzieren kann.
