ExxonMobil erwartet 4,5 Milliarden Dollar mehr Gewinn im Raffineriegeschäft
Höhere Raffineriemargen könnten das Ergebnis im nachgelagerten Bereich im dritten Quartal deutlich steigern, während das Upstream-Geschäft unter Druck gerät.

ExxonMobil hat am Freitag angedeutet, dass die höheren Raffineriemargen im dritten Quartal den Gewinn im nachgelagerten Bereich um 4,5 Milliarden US-Dollar steigern könnten – im Vergleich zu den vorangegangenen drei Monaten. Das geht aus einem regulatorischen Bericht des US-Ölkonzerns hervor, über den Reuters am 16. Oktober berichtete.
Hinter den gestiegenen Margen steht ein Bündel geopolitischer Faktoren. Der andauernde Iran-Krieg schränkt die Energieexporte durch die Straße von Hormuz ein, zugleich belasten ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien das globale Angebot. Die daraus resultierenden höheren Kraftstoffpreise haben politische Risiken für die Verwaltung von US-Präsident Donald Trump vor den Midterm-Wahlen im November geschaffen.
Der erwartete Raffinerie-Boom des führenden US-Ölkonzerns könnte den Zorn des Präsidenten weiter schüren. Trump hatte sich im August darüber beschwert, dass Exxon und Chevron „zu viel Geld“ verdienten. Für den Konzern bedeutet das ein Spannungsfeld zwischen außergewöhnlich guten Raffinerieergebnissen und wachsender politischer Aufmerksamkeit.
Die Details
Aus dem regulatorischen Bericht von Exxon geht hervor, dass das bereinigte Nettoergebnis des Raffineriegeschäfts auf 8,5 Milliarden US-Dollar steigen könnte. Das schrieb Phillip Jungwirth, Analyst bei BMO Capital Markets, in einer Forschungsnotiz. Dies wäre mehr als doppelt so hoch wie das Gewinnniveau des letzten Quartals.
Demgegenüber steht ein deutlicher Rückgang im Upstream-Bereich. Der Gewinn in der Förderung könnte gegenüber dem zweiten Quartal um 1,3 Milliarden US-Dollar einbrechen. Ursache ist ein niedrigerer Ölpreis: Der durchschnittliche Schlusskurs des Brent-Benchmark sank im dritten Quartal laut Daten der LSEG um etwa 5,6 Prozent im Vergleich zu den vorangegangenen drei Monaten.
Hinzu kommen zwei Sondereffekte, die Exxon selbst in Aussicht gestellt hat. Zum einen gab der Konzern an, dass es während des Quartals keine volumenbedingten Störungen gab, die auf den Iran-Krieg zurückzuführen wären. Zum anderen wird das Vorhaben des Unternehmens, einige Upstream-Assets zu verkaufen, die Gewinne um 700 Millionen US-Dollar steigern.
An der Börse reagierten Anleger zunächst zurückhaltend: Die Aktien von Exxon lagen im Vorhandel unter weniger als 1 Prozent. Die vollständigen Ergebnisse des dritten Quartals will der Konzern am 30. Oktober veröffentlichen.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 08.07.2026 berichtete aktien.news, dass Exxon Mobil einen Gewinnsprung von fünf Milliarden Dollar für das zweite Quartal signalisiert hatte. Als Haupttreiber nannte das Unternehmen die stark gestiegenen Ölpreise infolge des US-israelischen Krieges mit dem Iran sowie verbesserte Raffineriemargen. Der Nahostkonflikt hatte im Februar begonnen und für einen erheblichen geopolitischen Risikoaufschlag an den Ölmärkten gesorgt – besonders gravierend war die praktisch monatelange Blockade der Straße von Hormus, einer der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt.
Am 31.07.2026 legten Exxon und Chevron dann ihre Zahlen für das zweite Quartal vor. Nach dem damaligen Bericht von aktien.news erzielten die beiden größten US-Ölkonzerne zusammen einen Gesamtgewinn von 26,5 Milliarden US-Dollar. Chevron steuerte davon einen Nettogewinn von 12 Milliarden US-Dollar in den drei Monaten bis Ende Juni bei, der Rest des Gesamtgewinns entfiel auf ExxonMobil.
Am 02.10.2026 folgte ein Branchenüberblick: aktien.news meldete, dass acht börsennotierte unabhängige US-Raffinerien in den beiden Quartalen seit Kriegsbeginn voraussichtlich kombinierte Gewinne von 32,4 Milliarden Dollar ausweisen würden – gegenüber 6,8 Milliarden Dollar im selben Vorjahreszeitraum. Die Umsätze wurden laut einer FT-Analyse der Quartalsergebnisse und der Wall-Street-Erwartungen für das dritte Quartal auf 325,5 Milliarden Dollar prognostiziert, nach 242,9 Milliarden Dollar im Vorjahr.
Am 10.10.2026 berichtete aktien.news schließlich, dass die größten US-Raffineriebetreiber vor einem außergewöhnlichen dritten Quartal stehen. Analysten erwarteten, dass Valero Energy, Marathon Petroleum und Phillips 66 ihre Beinahe-Rekordgewinne aus dem zweiten Quartal noch übertreffen würden. Alle drei Unternehmen hatten im zweiten Quartal ihre höchsten Gewinne seit Beginn des russischen Krieges in der Ukraine verzeichnet.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger zeigt sich an ExxonMobil exemplarisch, wie stark die Geschäftsentwicklung großer Ölkonzerne derzeit von geopolitischen Ereignissen getrieben wird. Das nachgelagerte Raffineriegeschäft und das vorgelagerte Fördergeschäft entwickeln sich dabei gegenläufig: Während die Margen bei der Verarbeitung von Rohöl explodieren, drückt der gefallene Brent-Preis auf die Fördererlöse.
Wer in Ölaktien investiert ist, sollte diese Scherenbewegung im Blick behalten. Ein einzelnes Segment kann ein anderes nahezu ausgleichen, sodass der Konzerngewinn am Ende weniger spektakulär ausfallen kann, als es die Raffineriezahlen auf den ersten Blick nahelegen. Zugleich bergen die hohen Kraftstoffpreise politische Risiken – bis hin zu Diskussionen über Zufallsgewinne, wie sie nach dem Bericht vom 31.07.2026 bereits geführt wurden.
Hinzu kommt die Frage der Bewertung: Der Markt nahm die Ankündigung zunächst gelassen auf, die Aktie bewegte sich im Vorhandel kaum. Das deutet darauf hin, dass ein Teil der guten Raffinerieerwartungen bereits eingepreist sein könnte.
Ausblick
Der wichtigste Termin für Anleger ist der 30. Oktober. Dann legt ExxonMobil die vollständigen Ergebnisse für das dritte Quartal vor. Erst dann lässt sich überprüfen, ob sich die im regulatorischen Bericht angedeuteten Größenordnungen tatsächlich bestätigen – sowohl der mögliche Anstieg im Raffineriegeschäft auf 8,5 Milliarden US-Dollar als auch der erwartete Rückgang im Upstream-Bereich um 1,3 Milliarden US-Dollar.
Zusätzlich relevant bleibt der geplante Verkauf einiger Upstream-Assets, der die Gewinne um 700 Millionen US-Dollar steigern soll. Wie sich die Raffineriemargen darüber hinaus entwickeln, hängt maßgeblich vom weiteren Verlauf des Iran-Kriegs, der Lage an der Straße von Hormuz und den ukrainischen Angriffen auf russische Raffinerien ab.
Kurz erklärt
- Raffineriemarge: Die Differenz zwischen dem Preis für Rohöl und den Erlösen aus verkauften Kraftstoffen wie Benzin oder Diesel.
- Downstream: Der nachgelagerte Geschäftsbereich eines Ölkonzerns, der Raffinerien, Transport und Vertrieb umfasst.
- Upstream: Der vorgelagerte Bereich, also die Exploration und Förderung von Rohöl und Erdgas.
- Brent: Ein internationaler Referenzpreis für Rohöl aus der Nordsee, der als Maßstab für den Weltmarkt gilt.
- Midterm-Wahlen: Die Zwischenwahlen in den USA, bei denen Teile des Kongresses neu gewählt werden.
