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Dürre in England: Hälfte des Landes offiziell betroffen

Aufeinanderfolgende Hitzewellen und kaum Regen treffen 23 Millionen Menschen – Wasserverbote und Ernteschäden folgen.

• 3 Min
Dürre in England: Hälfte des Landes offiziell betroffen

Die Hälfte Englands, einschließlich ganz Londons, befindet sich offiziell in einer Dürre. Die britische Umweltbehörde (Environment Agency, EA) erklärte am Mittwoch große Teile Mittel-, Ost- und Südenglands zum Dürregebiet – darunter Hertfordshire, Devon, Cornwall und die West Midlands. Auslöser ist eine sogenannte „Blitzdürre", also das besonders schnelle Einsetzen einer Dürreperiode infolge intensiver Hitzewellen und ausbleibender Niederschläge.

Es ist bereits die dritte Dürre in England innerhalb von nur fünf Jahren, nach den Dürreperioden 2022 und 2025. Die aktuelle Situation folgt zudem weniger als eine Woche nach der Ausrufung des Dürrezustands in Teilen von Wales. „Eine zweite aufeinanderfolgende Sommerdürre ist eine außergewöhnlich ernste Situation, die langfristige Auswirkungen auf unsere Umwelt, die Tierwelt und die Wirtschaft haben wird", warnte Helen Wakeham, Direktorin für Wasser bei der EA und Vorsitzende der National Drought Group.

Extremwerte bei Hitze und Trockenheit

Die Zahlen verdeutlichen das Ausmaß der Krise: In Teilen von Devon gab es seit 50 Tagen keinen einzigen Regentag mehr – definiert als ein Tag mit mindestens 0,1 mm Niederschlag. England verzeichnete im vergangenen Monat den heißesten Juni seit Beginn der Aufzeichnungen, mit Temperaturen von bis zu 38 °C, sowie eine der längsten Hitzewellen im Juli. Derzeit ist in Teilen des Landes bereits eine vierte Hitzewelle im Gange.

Besonders drastisch ist der Kontrast zum Winter: Im Januar fiel in England 150 Prozent des langfristigen Durchschnittsniederschlags, im Februar sogar 170 Prozent. Im bisherigen Verlauf des Julis hingegen wurden lediglich 7 Prozent der durchschnittlichen monatlichen Niederschlagsmenge gemessen – in Südengland sogar nur 1 Prozent. Die Reservoirbestände sind auf 75,3 Prozent gesunken, rund 7,4 Prozent unter dem langfristigen Durchschnitt für diese Jahreszeit.

Millionen Menschen von Wasserverboten betroffen

Sieben Wasserversorgungsunternehmen, darunter Thames Water, haben vorübergehende Verbote für die Nutzung von Gartenschläuchen eingeführt. Betroffen sind 23 Millionen Kunden – etwa 40 Prozent der Bevölkerung Englands. Etwa 78 Prozent der Flüsse in England werden derzeit als unterdurchschnittlich oder niedriger eingestuft, so die EA.

Die Dürre hat auch erhebliche Folgen für die Natur. Wanderfische wie der Atlantische Lachs können aufgrund verringerter Flussströmungen nicht mehr flussaufwärts wandern. Es wurden bereits 38 Fischrettungsaktionen durchgeführt, unter anderem an den Flüssen Teme, Onny und Redlake, bei denen Hunderte von Fischen umgesiedelt wurden. Wakeham betonte: „Jeder Tropfen, den wir sparen können, ist ein Tropfen mehr für die Natur und die Landwirtschaft."

Landwirtschaft und Politik unter Druck

Auch die Landwirtschaft leidet: Die Dürre zwingt Bauern zu vorzeitigen Getreidernten, senkt die Erträge bei verschiedenen Kulturen und erhöht die Zahl der Feldbrände. Die National Drought Group – bestehend aus dem Wetterdienst Met Office, Regierungsbeamten, Wasserunternehmen und Landwirten – traf sich am Dienstag mit Wasserministerin Emma Hardy. „Unser Klima wandelt sich, Dürren werden immer häufiger, und wir müssen auf diese neue Normalität vorbereitet sein", sagte Hardy. Sie forderte die Wasserunternehmen auf, schneller bei der Reduzierung von Leckagen voranzukommen.

Dabei ist das Leckageproblem erheblich: Rund ein Fünftel des aufbereiteten Wassers geht durch undichte Leitungen verloren – etwa fünfmal mehr, als durch ein nationales Verbot von Gartenschläuchen eingespart werden könnte, wie eine Untersuchung von Greenpeace zeigt. Chefmeteorologe Will Lang vom Met Office dämpfte die Hoffnungen auf baldige Entspannung: Zwar bestehe in der ersten Augusthälfte an einigen Orten die Chance auf Regen, doch gebe es „wenig Anzeichen für die weit verbreiteten, anhaltenden Niederschläge", die in den am stärksten betroffenen Gebieten benötigt würden.

Der britische Ausschuss für den Klimawandel hatte Anfang des Jahres gewarnt, dass das Vereinigte Königreich ohne dringendes Eingreifen in den kommenden Jahrzehnten mit großen Wasserengpässen konfrontiert sein werde. Die aktuelle Lage gilt als deutliches Zeichen dafür, dass diese Prognosen schneller Realität werden als erwartet.

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