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Frankreich und Spanien: Waldbrände zwingen 260.000 Menschen zur Evakuierung

Beispiellose Waldbrände wüten in Frankreich und Spanien – Evakuierungen reichen bis in die Außenbezirke von Bordeaux.

Frankreich und Spanien: Waldbrände zwingen 260.000 Menschen zur Evakuierung

Außer Kontrolle geratene Waldbrände haben in Frankreich und Spanien fast 260.000 Menschen zur Evakuierung gezwungen. Die jüngsten Notfallanordnungen in Frankreich betreffen das Gebiet Mérignac rund um den Flughafen Bordeaux und wurden am frühen Samstagmorgen erlassen. Das Ausstellungszentrum Bordeaux-Lac wurde in eine Notunterkunft für Betroffene umgewandelt, während Bus- und Straßenbahnverbindungen zum Flughafen eingestellt wurden.

Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez bestätigte am Samstag, dass die Brände bisher rund 197.000 Menschen zur Evakuierung gezwungen und eine Fläche von knapp 98.000 Hektar vernichtet haben – ein neuer historischer Rekord. In der Region Gironde um Bordeaux wüteten diese Woche mehrere Brände gleichzeitig, während separate Feuer in den Regionen Landes und Var die Ressourcen zusätzlich beanspruchten. Anwohner und Touristen im Badeort Cap Ferret waren bereits am Freitag aufgefordert worden, die Halbinsel an der Bucht von Arcachon zu verlassen – sowohl über die Straße als auch mit Notfähren.

„Die Brände, die unser Land heimsuchen, haben ein Ausmaß erreicht, wie man es noch nie zuvor gesehen hat", schrieb der französische Premierminister Sébastien Lecornu in den sozialen Medien. Das Verteidigungsministerium kündigte nach einer Krisensitzung eine großangelegte Reaktion an, bei der rund 1.500 Militärangehörige eingesetzt werden sollen.

Spanien kämpft um entscheidendes Zeitfenster

In Spanien breiteten sich die Waldbrände in der Nähe von Madrid über Nacht nicht wesentlich aus. Premierminister Pedro Sánchez sprach am Samstagmorgen von einem entscheidenden „Zeitfenster", um die Lage unter Kontrolle zu bringen. Die Brände in ländlichen Gemeinden westlich der Hauptstadt hatten sich am Freitag dramatisch verschlimmert und fast 60.000 Menschen zur Evakuierung gezwungen, während weitere 28.000 Menschen in ihren Häusern bleiben mussten.

„Wir stehen vor einigen herausfordernden Stunden", sagte Sánchez bei einem Besuch im Katastrophengebiet, „denn die Temperaturen sind zwar gesunken, aber wir wissen nicht genau, wie sich die Winde entwickeln oder wie stark sie sein werden." Der nächtliche Kampf gegen die Flammen, die bis auf 50 Kilometer an die Hauptstadt herangerückt sind, wurde durch nachlassende Winde, höhere Luftfeuchtigkeit und niedrigere Temperaturen begünstigt.

Isabel Díaz Ayuso, Präsidentin der Region Madrid, bezeichnete die Brände als die schlimmsten in der Geschichte der Region. Mehr als 20.000 Hektar sind in der Nähe von Madrid bereits verkohlt. Insgesamt hat die in diesem Jahr in Spanien durch Waldbrände zerstörte Fläche laut Sánchez bereits 130.000 Hektar erreicht – weit über dem Durchschnitt von 100.000 Hektar pro Jahr im letzten Jahrzehnt.

EU schickt Flugzeuge und Hubschrauber

Sowohl Frankreich als auch Spanien haben die Europäische Union um Unterstützung bei der Brandbekämpfung gebeten. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte am Samstag, dass insgesamt 11 Flugzeuge und Hubschrauber entsandt worden seien. Spanien erwartet zudem die baldige Ankunft von Löschfahrzeugen und Personal aus Italien, Griechenland und Portugal.

Spanien und Frankreich bilden das Epizentrum der diesjährigen europäischen Waldbrandsaison. Besonders schwere Brände in Südspanien hatten Anfang des Monats bereits mindestens 13 Menschen das Leben gekostet. Die Brandbedingungen wurden durch aufeinanderfolgende Hitzewellen verschlechtert, welche die Vegetation austrockneten und die Ausbreitung der Feuer begünstigten.

Der vergangene Monat war der heißeste Juni seit Beginn der Aufzeichnungen in Europa – dem Kontinent, der sich infolge des Klimawandels am schnellsten erwärmt. Waldbrände sind mittlerweile von Großbritannien bis Norwegen ausgebrochen. Die schottische Regierung rief am Samstag den Katastrophenfall aus, nachdem sich ein Brand im Cairngorms-Nationalpark, der seit mehr als einer Woche wütet, weiter verschlimmert hatte. Sánchez forderte auf X, die notwendigen Vereinbarungen zur Bewältigung des Klimanotstands zu beschleunigen.

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