Vier Umweltbücher: Von Symbiose bis zur Klimakrise
Die FT empfiehlt vier herausragende Bücher über Natur, Symbiose, nachhaltiges Wirtschaften und den drohenden Klimawandel.

Die Financial Times stellt vier bemerkenswerte Bücher vor, die aus ungewöhnlichen Perspektiven auf die natürliche Welt blicken. Von der verborgenen Kraft der Zusammenarbeit in der Evolution bis hin zu apokalyptischen Klimaszenarien bieten die Werke deutschen Lesern reichlich Stoff zum Nachdenken – weit über die üblichen Umweltdebatten hinaus.
Symbiose statt Sozialdarwinismus
Den Auftakt macht Rowan Hooper, leitender Redakteur des Magazins New Scientist, mit seinem Buch „Togetherness: Symbiosis and the Hidden Story of Life's Greatest Collaborations" (Fern Press, 25 Britische Pfund / Knopf, 35 US-Dollar). Hooper stellt das gängige Bild von Darwins „Überleben des Stärkeren" grundlegend in Frage. Er argumentiert, dass die Evolution nicht allein durch Wettbewerb, sondern maßgeblich auch durch Zusammenarbeit zwischen Arten – sogenannte Symbiose, griechisch für „Zusammenleben" – vorangetrieben wurde.
Als eindrucksvolles Beispiel nennt Hooper Orchideen: Mit rund 28.000 Arten sind sie fast dreimal so artenreich wie Vögel und zählen zu den erfolgreichsten Blütenpflanzen überhaupt. Ihr Erfolg verdankt sich einer engen Allianz mit Pilzen, die es ihnen ermöglicht, ohne Erde zu wachsen, Wasserverluste zu überstehen und unterirdische Nährstoffe zu erschließen. Auch der hawaiianische Zwergtintenfisch beherbergt Bakterien, die Licht aussenden und ihn so vor Raubtieren in mondbeschienenen Gewässern tarnen.
Hooper beklagt, dass die Erforschung der Symbiose lange als unwichtig, potenziell kommunistisch und sogar als feminin abgetan wurde. Sein Buch ist ein willkommenes Korrektiv zu einem einseitig wettbewerbsorientierten Naturbild.
Nachhaltiges Wirtschaften zwischen Idealismus und Insolvenz
Ein ganz anderes Thema behandelt Frieda Gormley in „In the Company of Nature: Regenerating Business, Community and the Living World" (Chelsea Green, 22 Britische Pfund / 29,95 US-Dollar). Gormley verließ ihren Job bei Topshop, wo sie mit Model Kate Moss zusammenarbeitete, um gemeinsam mit ihrem Ehemann Javvy M. Royle das britische Innenarchitekturunternehmen House of Hackney zu gründen – ein Unternehmen, das später Kultstatus erreichen sollte.
Seit der Gründung 2011 wollten die beiden ihr Unternehmen ökologisch wie finanziell nachhaltig führen. Ihre von der Natur inspirierten Tapeten und Stoffe wurden zu Hits; Bergdorf Goodman und Harrods gaben Großhandelsbestellungen auf. Doch knappe Margen, harte Zahlungsbedingungen und eine „beängstigend hohe" Fixkostenbasis eines Flagship-Stores brachten das Unternehmen an den Rand des Ruins. Ein Private-Equity-Deal scheiterte. Zeitweise drohte der Verlust von Haus und Geschäft zugleich.
Schließlich fanden Gormley und ihr Mann einen Weg zurück – und verfolgen weiterhin ihr Ziel, die Stimmen der Natur und künftiger Generationen in die Vorstandsetage zu bringen. Das Buch ist ein ehrlicher Erfahrungsbericht über die Tücken des nachhaltigen Unternehmertums.
Der Blick nach oben – und was wir dabei übersehen
Lucy Rogers, Ingenieurin und Erfinderin, widmet sich in „Up: A Scientist's Guide to the Magic Above Us" (Doubleday, 22 Britische Pfund) dem Himmel als verkanntem Lebensraum. Sie erklärt, warum Kondore oft nur alle paar Stunden mit den Flügeln schlagen müssen – sie nutzen kostenlose Aufwinde durch Thermik. Monarchfalter legen auf ihren Wanderungen vom Norden der USA und dem Süden Kanadas bis nach Zentralmexiko bis zu 3.000 Meilen zurück; auch sie nutzen Thermik, um ihre tägliche Flugreichweite von 25 bis 30 Meilen auf hunderte Meilen zu steigern.
Rogers beobachtet in Borneo riesige Schwärme von Fledermäusen, die den Himmel verdunkeln, und mietet in Rom eine Wohnung, um Starenschwärme zu beobachten, die Wissenschaftler bis heute nicht vollständig verstehen. Sie enthüllt zudem, dass eine der beeindruckendsten Meteoritensammlungen der Welt im Besitz des Vatikans ist. Ihr Fazit: Wir verbringen weit weniger Zeit damit, nach oben zu schauen, als unsere Urgroßeltern – ein Plädoyer, die Nase aus dem Smartphone zu nehmen.
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Zur AktienanalyseKlimawarnung mit geologischem Horizont
Den düstersten Ausblick bietet Klimawissenschaftler Bill McGuire in „The Fate of the World: A History and Future of the Climate Crisis" (HarperNorth, 20 Britische Pfund). McGuire, Vulkanologe und emeritierter Professor für geophysikalische und Klimagefahren am University College London, argumentiert, dass die seit der industriellen Revolution in die Atmosphäre gepumpten Treibhausgase die Erde auf einen Kurs in Richtung eines Klimas wie im Pliozän bringen könnten – einer Epoche, die vor etwa 5,3 bis 2,6 Millionen Jahren existierte.
Damals herrschten wärmere Meere und weit heftigere Wetterbedingungen als heute. Die Folgen einer solchen Entwicklung wären laut McGuire verheerend: Große Eisschilde könnten verloren gehen, die Freisetzung riesiger Mengen Methan die Temperaturen weiter treiben. Der Meeresspiegel könnte so stark steigen, dass Cambridge überflutet würde, Miami und 40 Prozent von Bangladesch versänken im Wasser.
„Ich erwarte, dass Gesellschaft und Wirtschaft bis zur Mitte des Jahrhunderts zumindest schwerwiegend dysfunktional sein werden", schreibt McGuire. Er betont jedoch, keine Panik schüren zu wollen, sondern zu raschen Maßnahmen zur Emissionsreduktion anzuspornen. Alle vier Bücher zusammen zeichnen ein Bild einer natürlichen Welt, deren Wert die Menschheit erst noch vollständig begreifen muss.


