Codelco: Blockade der Kupfermine Ministro Hales verschärft Versorgungsbedenken
Arbeiter blockierten sechs Stunden lang den Zugang zur chilenischen Kupfermine Ministro Hales – Streit um Bonuszahlungen nach einem Unfall.

Arbeiter der Kupfermine Ministro Hales des chilenischen Staatskonzerns Codelco im Norden Chiles haben am Montag für etwa sechs Stunden den Zugang zur Anlage blockiert. Hintergrund ist ein Streit über ausstehende Bonuszahlungen nach einem schweren Arbeitsunfall. Gewerkschaftsführer und Beschäftigte errichteten Barrikaden und besetzten die Haupteingänge der Division Ministro Hales in Calama, wodurch Produktion und Fahrzeugbewegungen zum Erliegen kamen.
„Die Sicherheit steht still, und die Arbeiter erhalten ihre Bonuszahlungen nicht, wie es ihnen zusteht“, sagte Alberto Muñoz, Legislativdirektor der Gewerkschaft der Kupferarbeiter, gegenüber dem Radio Cooperativa. Die Aktion ist Teil einer Reihe von Arbeitskonflikten, die große Kupferproduktionen betreffen. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach dem Metall durch Stromnetze, Elektrofahrzeuge und Rechenzentren.
Die Störung trifft einen Markt, der ohnehin unter Anspannung steht. Chiles Kupferminen gelten als zentraler Baustein der globalen Versorgung, und jede Unterbrechung eines Betriebs wirkt sich unmittelbar auf die Erwartungen an das verfügbare Angebot aus. Der Fall Ministro Hales zeigt dabei, wie eng operative Risiken und finanzielle Ansprüche der Belegschaft miteinander verknüpft sind.
Die Details
Eine aktuelle Studie der in Santiago ansässigen GEM Mining Consulting ergab, dass Streiks, extremes Wetter, Unfälle und geologische Probleme durchschnittlich 5,2% der Produktion in Chiles größten Kupferminen gefährden. Der erste „Production-at-Risk-Index“ des Unternehmens bewertete 14 große Kupferbetriebe hinsichtlich acht verschiedener Risiken, wobei die Risikoscores zwischen 2,6% und 9% lagen. El Teniente wies mit 9% das höchste Risiko auf, gefolgt von Los Pelambres mit 8% und Escondida mit 7,5%. Bei neun Betrieben wurde mindestens ein Risiko als hoch eingestuft.
Die Ergebnisse unterstreichen die Unsicherheit bezüglich der Prognosen für die Minenproduktion, die generell davon ausgehen, dass die Betriebe wie geplant ablaufen – trotz wiederkehrender Störungen durch Arbeitskonflikte, Ausfälle von Geräten und andere operative Herausforderungen.
Der Konflikt bei Ministro Hales geht auf einen Unfall im Dezember 2025 zurück, bei dem ein Muldenkipper in Brand geriet und ein Fahrer schwere Verbrennungen erlitt. Der Vorfall zwang 13 Lkw und die zugehörigen Flotten für mehrere Tage außer Betrieb, was sich auf die Bonuszahlungen an die Arbeiter auswirkte. Gewerkschaftsvertreter behaupten, dass das Management die Mitarbeiter die finanziellen Folgen unzureichender Sicherheitsstandards des Unternehmens tragen lässt.
Muñoz erklärte, dass Gewerkschaftsführer bereits um 6 Uhr morgens mit der Besetzung der Tore der Division begannen. Er warnte davor, dass die Proteste auf die Betriebe Chuquicamata, Radomiro Tomic und Gabriela Mistral von Codelco übergreifen könnten, wenn das Senior Management die Anliegen der Arbeitnehmer nicht adressiert. Die Möglichkeit weiterer Blockaden erhöht den Druck auf Codelco, dessen Betriebe für die chilenische Kupferindustrie von zentraler Bedeutung sind. Jede Eskalation könnte die Produktion über Ministro Hales hinaus beeinträchtigen.
Die Proteste in Chile fallen zusammen damit, dass mehr als 1.200 Arbeiter an der Highland Valley Copper Mine von Teck Resources in British Columbia, Kanadas größter Open-Pit-Kupfermine, am Samstag die Arbeit niederlegten. Der Betrieb läuft weiterhin mit reduzierter Kapazität, was eine weitere potenzielle Engpassquelle für das Kupferangebot darstellt. Der Streik findet zudem in einer Phase statt, in der Teck seine Fusion mit Anglo American (LON: AAL) vorantreibt – eine Kombination, von der erwartet wird, dass sie einen der fünf größten Kupferproduzenten der Welt hervorbringt.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 30.09.2026 berichtete aktien.news, dass die beiden großen Gewerkschaften der Kupfermine Centinela des chilenischen Konzerns Antofagasta Minerals zu einem Streik bereit waren, diesen aber aussetzen wollten, falls das Unternehmen während der staatlich vermittelten Verhandlungen doch noch eine Einigung erzielt. Betroffen waren die Gewerkschaften Minera Esperanza und Distrito Centinela mit insgesamt 708 Mitgliedern. Die Arbeitnehmervertreter hatten das Vertragsangebot des Unternehmens abgelehnt, wodurch ein gesetzlich vorgeschriebenes, staatliches Vermittlungsverfahren ausgelöst wurde.
Ebenfalls am 30.09.2026 meldete aktien.news, dass Kupfer in London über 14.400 US-Dollar pro Tonne gehalten hat. Auslöser war ein Streikvotum in Chile: Die Belegschaft der Antofagasta-Mine Centinela hatte sich für einen Arbeitskampf ausgesprochen. Die Dreimonats-Futures stiegen um 0,2 Prozent auf 14.446 US-Dollar pro Tonne an der London Metal Exchange (LME). Im September legte Kupfer rund 9 Prozent zu, nachdem es zuvor im Monat einen Rekordwert von 14.875 US-Dollar erreicht hatte.
Am 02.10.2026 berichtete aktien.news über einen tödlichen Unfall in Codelcos Kupfermine Radomiro Tomic im Norden Chiles. Ein Arbeiter kam ums Leben; das Unternehmen bestätigte den Todesfall am Donnerstag. Der Vorfall ereignete sich nach Angaben des chilenischen Nationalen Dienstes für Katastrophenvorsorge und -reaktion (Senapred) gegen 08:50 Uhr Ortszeit, während ein Auftragnehmer Wartungsarbeiten durchführte. Ersten Informationen zufolge ereignete sich der Unfall in einem Bereich, der mit einem Förderband in der Mine nahe der Stadt Calama verbunden ist.
Am 08.10.2026 berichtete aktien.news, dass Streiks, extreme Wetterbedingungen, Unfälle und geologische Probleme im Durchschnitt 5,2% der Produktion in Chiles größten Kupferminen einem Risiko aussetzen. Der erste „Production-at-Risk-Index“ von GEM Mining Consulting bewertete 14 große Kupferbetriebe unter Berücksichtigung von acht Bedrohungen; die Werte lagen zwischen 2,6% und 9%. El Teniente rangierte mit 9% an erster Stelle, gefolgt von Los Pelambres mit 8% und Escondida mit 7,5%. Neun Betriebe wiesen mindestens ein als hoch eingestuftes Risiko auf.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Nachricht vor allem als Versorgungssignal relevant. Kupfer ist ein Industriemetall, dessen Preis stark auf erwartete Angebotslücken reagiert. Wenn mehrere große Minen gleichzeitig durch Arbeitskonflikte oder Unfälle beeinträchtigt sind, kann das die Preisfindung an der LME beeinflussen – wie zuletzt Ende September, als der Preis über 14.400 US-Dollar pro Tonne hielt.
Codelco kommt dabei eine Schlüsselrolle zu, weil seine Betriebe für die chilenische Kupferindustrie von zentraler Bedeutung sind. Eine Ausweitung der Blockaden über Ministro Hales hinaus würde die Produktionsprognosen zusätzlich verunsichern. Die GEM-Studie zeigt, dass die offiziellen Prognosen generell von planmäßig laufenden Betrieben ausgehen – ein Annahme, die durch wiederkehrende Störungen infrage gestellt wird.
Auf der anderen Seite steht der kanadische Produzent Teck Resources, dessen Highland Valley Copper Mine mit reduzierter Kapazität arbeitet. Die geplante Fusion mit Anglo American würde einen der fünf größten Kupferproduzenten der Welt schaffen. Dies ist eine Einordnung der Faktenlage, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung.
Ausblick
Ob sich die Proteste bei Codelco ausweiten, hängt laut Gewerkschaftsvertreter Muñoz davon ab, ob das Senior Management die Anliegen der Arbeitnehmer adressiert. Andernfalls könnten die Blockaden auf Chuquicamata, Radomiro Tomic und Gabriela Mistral übergreifen. Bei Teck Resources läuft der Streik an der Highland Valley Copper Mine weiter, während das Unternehmen seine Fusion mit Anglo American vorantreibt. Bei Antofagasta Minerals bleibt das staatliche Vermittlungsverfahren in der Mine Centinela der maßgebliche Termin für die weitere Entwicklung.
Kurz erklärt
- Production-at-Risk-Index: Kennzahl, die bewertet, welcher Anteil der Produktion einer Mine durch Risiken wie Streiks, Wetter oder Unfälle gefährdet ist.
- Open-Pit-Mine: Tagebau, bei dem Rohstoffe von der Erdoberfläche aus im offenen Abbau gewonnen werden.
- LME: London Metal Exchange, die wichtigste Handelsbörse für Industriemetalle wie Kupfer.
- Staatliche Vermittlung: Gesetzlich vorgeschriebenes Verfahren in Chile, das bei festgefahrenen Tarifverhandlungen einen Streik zunächst aufschiebt.
