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Canyon-Krise: 320 Stellen bedroht – Fahrradhersteller kämpft

Der deutsche Premium-Fahrradhersteller Canyon streicht jeden vierten Arbeitsplatz in Deutschland. Trotz Umsatzverdopplung auf 792 Millionen Euro schreibt das Koblenzer Unternehmen operative Verluste von 38 Millionen Euro.

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Canyon-Krise: 320 Stellen bedroht – Fahrradhersteller kämpft

Die Fahrradkrise erreicht nun auch Deutschlands Vorzeigeunternehmen Canyon. Der Koblenzer Premium-Hersteller plant den Abbau von bis zu 320 Stellen an seinen deutschen Standorten – das entspricht jedem vierten Arbeitsplatz von insgesamt 1.200 Mitarbeitern in Deutschland.

Gründer Arnold kehrt in die Verantwortung zurück

Firmengründer Roman Arnold überbrachte die Hiobsbotschaft persönlich bei Besuchen der Standorte in Koblenz, der Canyon Factory und der Niederlassung in Bannberscheid. Erst im September 2024 war der 59-Jährige überraschend als CEO zu seinem Unternehmen zurückgekehrt, nachdem er 2020 die Firmenspitze verlassen und 2021 die Mehrheit an die belgische Investmentholding Groupe Bruxelles Lambert (GBL) verkauft hatte.

Dramatische Marktentwicklung nach Corona-Boom

Die europäische Fahrradindustrie durchlebt eine beispiellose Konsolidierungsphase. Nach dem Corona-Boom, der den Branchenumsatz zwischen 2020 und 2022 von 18,3 auf 21,1 Milliarden Euro katapultierte, folgte der Absturz. Gestiegene Lebenshaltungskosten und vorgezogene Käufe während der Pandemie ließen die Erlöse zwei Jahre in Folge sinken.

Wachstum teuer erkauft – Verluste steigen

Canyon konnte zwar seinen Umsatz zwischen 2020 und 2024 fast verdoppeln – von 416 Millionen auf 792 Millionen Euro. Doch das Wachstum entgegen dem Markttrend forderte seinen Tribut: Überkapazitäten und aggressive Rabattschlachten führten zu operativen Verlusten von 14 Millionen Euro (2023) und 38 Millionen Euro (2024).

Die Konsequenz: Mehrheitseigner GBL wertete seine Canyon-Beteiligung drastisch ab – von 460 Millionen auf nur noch 261 Millionen Euro. Ein Wertverlust von über 40 Prozent, der die Schwere der Krise unterstreicht.

Branchenweite Insolvenzwelle

Canyon reiht sich ein in eine Serie von Krisen in der Fahrradbranche. Bereits Insolvenz anmelden mussten die thüringische Marke Möve, Advanced Bikes aus Frankfurt, der fränkische Mountainbike-Versender YT Industries und das österreichische Unternehmen Simplon. Der Schweizer E-Bike-Hersteller Flyer schloss eine Produktion und entließ 150 von 170 Mitarbeitern. Selbst Jobrad, deutscher Marktführer im Dienstrad-Leasing, baute im November 170 Stellen ab.

Strategischer Schwenk zu E-Bikes

Arnold setzt nun auf eine radikale Neuausrichtung. Im Mai 2025 kündigte Canyon den Bau eines neuen E-Bike-Zentrums direkt neben der Koblenzer Zentrale an, das noch 2025 eröffnen soll. Eine strategische Notwendigkeit: In Deutschland, Europas größtem Fahrradmarkt, überstieg der E-Bike-Anteil 2023 erstmals 53 Prozent.

Dabei liegen Canyons Kernkompetenzen traditionell bei Rennrädern und Gravel-Bikes – Segmente, die üblicherweise ohne E-Antrieb auskommen. Doch der Markt zwingt zum Umdenken.

Gewerkschaft zweifelt an Stellenabbau-Umfang

Die IG Metall Koblenz zeigt sich skeptisch: "Uns ist bewusst, dass die Branche Überkapazitäten hat. Wir sind noch nicht davon überzeugt, dass der geplante Abbau in dieser Höhe notwendig ist." Für kommende Woche ist eine Betriebsversammlung angesetzt.

Arnold verspricht Milliarden-Umsatz

Trotz der Krise gibt sich Arnold kämpferisch. Gegenüber dem "Manager Magazin" versprach er im November: "Ich werde Canyon weiter nach vorn bringen. Ich werde liefern, und ich habe einen Plan dafür." Der "Financial Times" kündigte er gar an, den Umsatz innerhalb von drei Jahren auf eine Milliarde Euro steigern zu wollen.

Die IFRS-Verluste relativierte Arnold als "stark von Übernahmekosten geprägt". Die operative Performance sei deutlich stärker. Seit 2023 habe Canyon zudem Lagerbestände um über 140 Millionen Euro abgebaut und den Cashflow "deutlich verbessert".

Erfolgsgeschichte mit Rückschlägen

Canyon gilt als deutsches Fahrrad-Erfolgsmodell. 1985 von Roman Arnold und seinem Bruder Franc als Rad-Sport-Arnold GmbH gegründet, entwickelte sich das Unternehmen vom Teilehändler zum prestigeträchtigen Hersteller. Seit Mitte der 2000er Jahre setzen zahlreiche Tour-de-France- und Ironman-Teilnehmer auf Canyon-Räder. Selbst NBA-Superstar LeBron James investierte 2022 in das Unternehmen.

Doch nun zeigt sich: Auch Vorzeigefirmen bleiben von Branchenkrisen nicht verschont. Die kommenden Monate werden zeigen, ob Arnolds Rückkehr und die E-Bike-Offensive Canyon stabilisieren können – oder ob weitere Einschnitte folgen.

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