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Binance droht EU-Rauswurf: Was Kunden jetzt wissen müssen

Die weltgrößte Kryptobörse hat keine MiCA-Lizenz – und die Übergangsfrist läuft am 1. Juli ab.

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Binance droht EU-Rauswurf: Was Kunden jetzt wissen müssen

Mit rund 322 Millionen Nutzern weltweit ist Binance die unangefochtene Nummer eins unter den Kryptobörsen. Doch ausgerechnet dem Marktführer fehlt eine entscheidende Genehmigung: eine MiCA-Lizenz für den europäischen Markt. Ab dem 1. Juli 2025 ist diese Erlaubnis Pflicht – und Binance steht ohne da.

Das Europäische Parlament hatte die MiCA-Verordnung („Markets in Crypto Assets") vor gut drei Jahren verabschiedet, um den unregulierten Kryptomarkt zu ordnen. Plattformen, die in der EU Kryptodienstleistungen anbieten wollen, benötigen seitdem eine entsprechende Lizenz. Eine Übergangsfrist ermöglichte es Anbietern, in der Zwischenzeit mit nationalen Genehmigungen zu operieren. Diese Frist endet nun – und mehrere Anbieter, darunter Binance, haben noch keine EU-weite Zulassung.

Für Kunden in Deutschland ist das besonders relevant: Binance zählt hierzulande Insidern zufolge mehrere Millionen Nutzer. Auch die europäische Wertpapieraufsicht ESMA hat sich eingeschaltet und rät Kunden betroffener Plattformen, rasch zu handeln.

Was ohne Lizenz droht

Im schlimmsten Fall müssten unlizenzierte Anbieter europäische Kundenkonten schließen, Vermögenswerte auszahlen und ihre Dienste in der EU stark einschränken. Doch es gibt noch eine weitere Schwachstelle: Kryptobörsen sind auf Bankverbindungen und Zahlungsdienstleister angewiesen, um Euro-Einzahlungen zu ermöglichen. Co-Pierre Georg, Direktor des Frankfurt School Centre for Digital Economics, bringt es auf den Punkt: „Kein etablierter Finanzdienstleister wird noch Geschäfte mit einer unlizenzierten Kryptobörse machen. Damit würde ihnen selbst ein großer Reputationsschaden drohen – und womöglich auch Sanktionen."

Alireza Siadat, Partner bei Deloitte Legal und in verschiedene MiCA-Anträge beratend eingebunden, rät Kunden betroffener Plattformen dennoch zur Ruhe. Es sei nicht ausgeschlossen, dass einige Anbieter in den kommenden Wochen noch eine Lizenz erhielten. „Niemand muss sich Sorgen machen, sein Geld zu verlieren oder dass Kryptowerte im schlimmsten Fall mit Verlust verkauft werden." In solchen Fällen sei es üblich, dass Anbieter die Kryptowerte ihrer Kunden auf eine lizenzierte Plattform übertragen.

Griechenland gescheitert, Frankreich als letzte Chance

Bis vor Kurzem schienen die Chancen für Binance noch gut: Über die griechische Finanzaufsicht HCMC hätte das Unternehmen eine MiCA-Lizenz erhalten können – ein sogenanntes EU-Passport-Ticket, das den regulierten Betrieb in allen Mitgliedsstaaten ermöglicht hätte. Doch Binance zog den Antrag zurück. Gegenüber der WirtschaftsWoche erklärte das Unternehmen, man habe sich „nach sorgfältiger Abwägung" für diesen Schritt entschieden, da kurz vor Ablauf der Frist noch keine formelle Entscheidung vorlag. Aus Branchenkreisen heißt es, andere europäische Institutionen hätten darauf gedrängt, dass Binance die Lizenz nicht erhält – das Zurückziehen des Antrags dürfte also vor allem eine gesichtswahrende Maßnahme gewesen sein.

Nun richtet Binance seinen Blick auf Frankreich. Medienberichten zufolge laufen dort Gespräche mit der Aufsichtsbehörde Autorité des marchés financiers (AMF). Diese äußert sich zu einzelnen Unternehmen nicht – in ihrem Verzeichnis lizenzierter Anbieter taucht Binance bislang nicht auf. Dass Frankreich kein einfaches Pflaster ist, zeigt das Beispiel Bitget: Das Unternehmen steht dort bereits seit 2023 auf der Blacklist. Auch Bitget kämpft noch um eine MiCA-Lizenz – über Österreich, wo das Unternehmen Anfang des Jahres sein europäisches Hauptquartier in Wien eröffnet hat.

Schmuddelimage und Milliarden-Strafe belasten Binance

Binances Probleme mit Regulierungsbehörden sind nicht neu. Wegen Geldwäscheverstößen musste das Unternehmen 2023 in den USA eine Rekordstrafe von 4,3 Milliarden Dollar zahlen. Gründer Changpeng Zhao wurde zu einer viermonatigen Haftstrafe verurteilt. Kritiker werfen der Plattform zudem vor, zweifelhafte Kryptowährungen lanciert und illegale Transaktionen für sanktionierte Länder wie den Iran ermöglicht zu haben.

In Deutschland wies die BaFin einen Lizenzantrag von Binance bereits im Juni 2023 ab. Ein ehemaliger Binance-Manager hatte das schon früher kommen sehen und pointiert kommentiert: „Binance wird in Deutschland keine Lizenz bekommen – außer die BaFin ist 'ne Pommesbude." Mittlerweile verzeichnet Binance in Deutschland laut dem Chef einer anderen Kryptohandelsplattform immer weniger Neuanmeldungen. Zahlen der Marketinganalyse-Plattform AppsFlyer bestätigen den Trend: Konkurrent Crypto.com kommt in Deutschland auf 623.000 Downloads – und damit auf 132.000 mehr als Binance.

Wer profitiert vom Regulierungsdruck?

Während Binance und Bitget um ihre Zukunft in der EU kämpfen, könnten lizenzierte Plattformen wie Kraken oder das österreichische Unternehmen Bitpanda als Gewinner aus der Situation hervorgehen. Bitpanda-CEO Lukas Enzersdorfer-Konrad appelliert an ein „konsequentes Enforcement" durch die Aufseher: „Ein harmonisierter Markt funktioniert nur, wenn die Regeln nicht nur auf dem Papier existieren, sondern auch spürbar durchgesetzt werden." Für Privatanleger bedeutet die neue Regulierungslage vor allem eines: Es lohnt sich, die Lizenzlage der eigenen Kryptoplattform zu prüfen – bevor der 1. Juli zum Problem wird.

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