CoinEx: Wie eine Kryptobörse zum Drehkreuz für iranische Sanktionsumgehung wurde
Blockchain-Ermittler decken auf, wie die Börse CoinEx dem Iran half, US-Wirtschaftssanktionen mit Milliarden zu umgehen.

Krypto-Ermittler haben Anfang dieses Jahres eine alarmierende Serie von Transaktionen aufgedeckt, die direkt mit der iranischen Zentralbank in Verbindung stehen. Bei der Rückverfolgung stellte sich heraus, dass zwei von der iranischen Zentralbank kontrollierte digitale Wallets mit 1,5 Milliarden US-Dollar verknüpft waren – Gelder, die nordkoreanische Hacker zuvor von der Kryptobörse Bybit gestohlen hatten.
Nachdem das Geld die iranischen Wallets erreicht hatte, floss es durch ein komplexes Labyrinth weiterer Transaktionen. Ein zentrales Ziel dabei war die Kryptobörse CoinEx – eine Plattform, die für den Iran offenbar zu einem Schlüsselinstrument geworden ist, um Kryptowährungen zur Umgehung weitreichender US-Wirtschaftssanktionen einzusetzen.
CoinEx: Vom Hongkonger Start-up zum Sanktionsumgehungs-Werkzeug
CoinEx wurde im Jahr 2017 von Haipo Yang gegründet, einem ehemaligen Ingenieur des chinesischen Technologieriesen Tencent. Yang betreibt zudem einen der weltweit größten Bitcoin-Mining-Pools. Die Börse startete in Hongkong und hat ihren Sitz heute auf den Seychellen.
Laut Analysen des Blockchain-Analyseunternehmens TRM Labs haben Wallets mit einer identifizierbaren Verbindung zum Iran seit 2019 mehr als 3,84 Milliarden US-Dollar über CoinEx bewegt. Die Zahlen verdeutlichen das enorme Ausmaß, in dem die Plattform für iranische Krypto-Operationen genutzt wurde.
Die Verbindungen gehen dabei weit über einfache Transaktionen hinaus. Von CoinEx verwaltete Wallets haben demnach unter anderem gehackte Kryptowährungen erhalten, die von der iranischen Zentralbank erworben wurden. Darüber hinaus interagierten sie direkt mit Konten, welche US-Behörden inzwischen den Revolutionsgarden des Iran zuordnen – einer Organisation, die von den USA als Terrororganisation eingestuft wird.
Gründer räumt Nutzung durch Iraner ein
In Textnachrichten an das Wall Street Journal räumte CoinEx-Gründer Haipo Yang ein, dass die Börse in großem Umfang von Iranern genutzt wurde. Er betonte jedoch, dass keine direkte Beziehung zur iranischen Regierung bestehe.
Yang zufolge unterhält CoinEx ein System zur Überwachung von Transaktionen und prüft Nutzer auf hohe Risiken. Zudem habe die Börse in diesem Monat damit begonnen, Maßnahmen zur Distanzierung vom iranischen Markt zu ergreifen – darunter die Sperrung neuer Nutzer mit iranischen IP-Adressen.
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Zur AktienanalyseHintergrund: Iran und Kryptowährungen als Sanktionsventil
Für den Iran sind Kryptowährungen seit Jahren ein wichtiges Mittel, um die Folgen umfangreicher US-Wirtschaftssanktionen abzumildern. Die Sanktionen, die unter anderem den Zugang zum internationalen Bankensystem stark einschränken, zwingen iranische Akteure dazu, alternative Wege für internationale Finanztransaktionen zu suchen. Dezentrale und schwer regulierbare Kryptobörsen bieten dabei eine attraktive Möglichkeit.
Der Fall CoinEx zeigt exemplarisch, wie internationale Kryptoplattformen – oft ohne explizite Absicht – zu Werkzeugen staatlicher Sanktionsumgehung werden können. Für Anleger und die Krypto-Branche insgesamt unterstreicht der Fall die wachsende Bedeutung von Compliance und Blockchain-Transparenz, da Behörden weltweit ihre Überwachungskapazitäten deutlich ausbauen.


