Perpetual Futures erschüttern Aktienkurse großer Börsenbetreiber massiv
Neue Derivate ohne Verfallsdatum und mit hohem Hebel erreichen den US-Markt – mit drastischen Folgen für etablierte Börsen.

Eine neuartige Klasse von Derivaten sorgt derzeit für Aufruhr an den US-Finanzmärkten. Sogenannte Perpetual Futures – kurz „Perps" – können rund um die Uhr gehandelt werden, haben kein Verfallsdatum und ermöglichen Händlern den Einsatz hoher Hebelwirkungen. Was auf internationalen Märkten längst ein Erfolgsmodell ist, hält nun offiziell Einzug in die USA.
Ende vergangenen Monats genehmigte die US-Aufsichtsbehörde Commodity Futures Trading Commission (CFTC) die Notierung von Perpetual-Futures-Kontrakten auf Kryptowährungen an der Prognosemarktplattform Kalshi. Gleichzeitig erhielten US-Kunden des Kryptounternehmens Coinbase Global Zugang zu dessen globalen Perpetuals. Darüber hinaus stellte die CFTC einen regulatorischen Rahmen vor, der registrierten US-Plattformen künftig die Einführung eigener Perps ermöglicht.
Die Nachfrage ist enorm: Nur wenige Wochen nach der Notierung hat das Handelsvolumen von Kalshis krypto-basiertem Perps-Korb bereits die Marke von 8,5 Milliarden US-Dollar überschritten. Dieses rasante Wachstum unterstreicht, wie groß der Appetit der Anleger auf diese Instrumente ist.
Wie Perpetual Futures funktionieren
Perpetual Futures unterscheiden sich grundlegend von klassischen Termingeschäften. Während herkömmliche Futures ein festes Ablaufdatum haben, laufen Perps theoretisch unbegrenzt weiter. Händler können Positionen also dauerhaft halten, ohne in neue Kontrakte „rollen" zu müssen. Hinzu kommt die Hebelwirkung: Sie verstärkt sowohl potenzielle Gewinne als auch mögliche Verluste erheblich – ein Merkmal, das diese Instrumente besonders attraktiv, aber auch riskant macht.
Auf internationalen Märkten, insbesondere im Kryptobereich, haben sich Perps bereits als dominierendes Handelsinstrument etabliert. Der nun vollzogene Markteintritt in den USA stellt daher eine bedeutende Verschiebung im globalen Derivatehandel dar.
Etablierte Börsenbetreiber unter Druck
Die Zulassung der neuen Instrumente trifft die etablierten Börsenbetreiber hart. Deren Geschäftsmodell basiert traditionell auf der Notierung klassischer Derivate – von Zinsswaps über Rohöl-Futures bis hin zu Aktienindex-Kontrakten. Die Angst vor Konkurrenz durch die neuen Perps spiegelt sich unmittelbar in den Aktienkursen wider.
Seit der CFTC-Genehmigung haben die Papiere der großen Börsenbetreiber deutlich nachgegeben:
CME Group
: minus 12 %
Cboe Global Markets
: minus 26 %
Intercontinental Exchange (ICE)
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur Aktienanalyse: minus 11 %
Nasdaq
: minus 9 %
Die CFTC selbst betonte unterdessen die Bedeutung fairer Wettbewerbsbedingungen. „Die Behörde wird weiterhin sicherstellen, dass allen in unseren Märkten tätigen Unternehmen gleiche Wettbewerbsbedingungen zur Verfügung stehen", sagte eine Sprecherin der Behörde.
Für deutsche Anleger, die in Aktien von Börsenbetreibern investiert sind oder den US-Derivatemarkt beobachten, ist die Entwicklung ein klares Signal: Die Disruption durch neue Finanzprodukte macht auch vor den mächtigsten Marktinfrastrukturunternehmen der Welt nicht halt. Wie stark sich Perps langfristig gegen das klassische Derivategeschäft durchsetzen werden, bleibt abzuwarten – die ersten Wochen nach der Zulassung sprechen jedoch eine deutliche Sprache.


