BHP-Chef McEwan fordert Steuerreform: Australien muss um Kapital konkurrieren
Auf der BHP-Hauptversammlung warnt Vorstandschef Ross McEwan: Australien müsse wie Kanada steuerliche Anreize bieten, um im globalen Investitionswettbewerb zu bestehen.

BHP-Vorstandsvorsitzender Ross McEwan hat auf der Hauptversammlung des Bergbaukonzerns am Donnerstag eine deutliche Warnung an die australische Politik gerichtet. Australien müsse die steuerlichen Anreize und unternehmensfreundlichen Maßnahmen genau im Auge behalten, die Länder wie Kanada anbieten, wenn es im globalen Wettbewerb um Investitionen bestehen wolle. McEwan machte deutlich, dass Kapital mobil ist und sich dorthin bewegt, wo die Bedingungen am attraktivsten sind.
„Seien Sie sich dessen bewusst: Australien muss um Kapital konkurrieren, wenn es – auf nationaler Ebene sowie in jedem einzelnen Bundesstaat – gewinnen will“, sagte McEwan vor den Aktionären. Der BHP-Chef verwies dabei auf Kanada, das kürzlich eine sogenannte „Mega-Produktivitätsabschreibung“ angekündigt habe. Diese erlaubt es Unternehmen, die vollen Kosten förderfähiger Kapitalinvestitionen sofort abzuschreiben.
Für die Bergbaubranche ist das ein zentraler Punkt. Denn in Kanada dürfen Bergbauunternehmen die Kosten für die Erschließung von Minen im Jahr ihrer Entstehung vollständig abschreiben. Solche Regelungen senken die Steuerlast für Neuinvestitionen, verbessern die Renditen und geben Unternehmen mehr Sicherheit, Kapital langfristig zu binden, so McEwan.
Die Details
McEwan bezeichnete den kanadischen Ansatz als praktisches Beispiel dafür, wie staatliche Politik die Produktivität steigern und Investitionen anziehen könne. Er betonte, dass ähnliche Beispiele auch in anderen Ländern zu finden seien, in denen BHP investiert – darunter Argentinien und Chile. „Australien sollte dies genau im Auge behalten“, mahnte er.
Neben der Steuerdebatte stand ein zweites Thema im Mittelpunkt der Hauptversammlung: die Klimastrategie des Konzerns. Brynn O'Brien vom Australasian Centre for Corporate Responsibility (CEC) kündigte an, dass BHP im kommenden Jahr einer Investorenkampagne gegenüberstehen werde, die darauf abzielt, ein Emissionsminderungsziel für 2040 festzulegen. O'Brien forderte das Unternehmen auf, sich innerhalb des nächsten Jahres zur Festlegung eines solchen Ziels zu verpflichten.
BHP strebt derzeit an, seine betrieblichen Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 30% gegenüber dem Niveau von 2020 zu reduzieren. Langfristig hat sich der Konzern das Ziel gesetzt, bis 2050 netto null Emissionen zu erreichen. Ein Zwischenziel für 2040 lehnte McEwan jedoch ab. Er erklärte, BHP konzentriere sich aktuell auf das Vorantreiben von Wachstumsprojekten und die Verringerung seiner Abhängigkeit von Diesel.
Auch zum Thema Uran bezog der BHP-Chef Stellung. McEwan sagte, es werde einen Zeitpunkt geben, an dem BHP Uran ernster in Betracht ziehen werde. Derzeit sei der Markt allerdings „zu klein“, um den Rohstoff als Kernprodukt zu verfolgen. „Es wird einen Zeitpunkt geben, an dem wir uns das ansehen und fragen werden, ob dieser Rohstoff groß genug ist, um ihn als Asset in den Fokus unserer Aktivitäten zu rücken. In diesem Stadium lautet die Antwort darauf noch immer nein“, sagte er. BHP deckt derzeit rund 5% des globalen Uranangebots aus seinen Operationen in South Australia.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die kanadische Steuerreform ist kein isoliertes Ereignis. Bereits am 16.09.2026 berichtete aktien.news, dass die kanadische Bundesregierung unter Premierminister Mark Carney einen „Produktivitäts-Mega-Abzug“ angekündigt hat, der die Bergbauindustrie des Landes grundlegend verändern soll. Die Mining Association of Canada (MAC) begrüßte die Maßnahme als historischen Schritt, der Kanada zum weltweit wettbewerbsfähigsten Steuerstandort für den Bergbau machen werde. Bei dem Produktivitäts-Mega-Abzug handelt es sich um eine dauerhafte Maßnahme, die es Unternehmen ermöglicht, die Kosten für die meisten neuen Anlagegüter in dem Jahr, in dem sie in Betrieb genommen werden, vollständig abzuschreiben.
Auch BHP selbst steht im Spannungsfeld zwischen Investitionsstandorten. Am 18.06.2026 berichtete aktien.news, dass der Konzern die Kapitalkosten für sein Kaliproduktions-Erweiterungsprojekt Jansen Phase 2 in Saskatchewan, Kanada, erheblich nach oben korrigiert hat. Die neue Schätzung liegt bei 6,9 Milliarden US-Dollar – gegenüber dem bisherigen Ansatz von 4,9 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig verbuchte BHP eine Wertminderung in Höhe von 2,3 Milliarden US-Dollar, da höhere Kosten und zusätzliche Arbeitsstunden die Ausgaben in die Höhe treiben und den Produktionsstart verzögern. Es war bereits das dritte Mal, dass BHP die ursprünglichen Kapitalkostenschätzungen für das zweistufige Jansen-Projekt überschritt.
In Australien selbst steht BHP unter Druck. Am 20.04.2026 berichtete aktien.news, dass die BHP Group und ihr Partner Mitsubishi Development einen formellen Prüfungsprozess eingeleitet haben, um die finanzielle Lage ihrer Kohleminen im australischen Bundesstaat Queensland zu bewerten. Auslöser waren anhaltende Bedenken gegenüber dem Lizenzgebührensystem des Bundesstaates. Die BHP Mitsubishi Alliance, an der beide Unternehmen jeweils zu 50 Prozent beteiligt sind, überprüft dabei jede Untertage- und Tagebaumine einzeln.
Auf der anderen Seite gibt es auch Wachstumsimpulse. Am 06.05.2026 berichtete aktien.news, dass BHP-Finanzvorstand Vandita Pant auf der Macquarie Australia Conference in Sydney erklärte, zunehmend internationale Generalist-Investoren würden Anteile am Unternehmen erwerben. Grund sei die wachsende Nachfrage durch Künstliche Intelligenz, die das Kupfer-Engagement von BHP für eine neue Klasse von Anlegern attraktiv mache. Kupfer gilt als unverzichtbarer Rohstoff für den Ausbau von Rechenzentren, Stromnetzen und Elektrifizierungsinfrastruktur.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Debatte in zweierlei Hinsicht relevant. Erstens zeigt der Vergleich mit Kanada, dass steuerliche Rahmenbedingungen ein wesentlicher Faktor für die Standortwahl großer Rohstoffkonzerne sind. Wenn Australien bei Investitionsanreizen ins Hintertreffen gerät, könnte das die Kapitalallokation von BHP und damit langfristig die Projektpipeline und Renditeerwartungen beeinflussen. McEwan macht mit seiner Aussage deutlich, dass der Konzern Standorte weltweit vergleicht.
Zweitens rückt die Klimastrategie stärker in den Fokus. Der angekündigte Investorendruck für ein 2040-Ziel zeigt, dass institutionelle Anleger zunehmend konkrete Zwischenziele einfordern. BHP hält bislang an seinem 2030-Ziel von mindestens 30% weniger betrieblichen Emissionen gegenüber 2020 und dem Netto-null-Ziel für 2050 fest. Wie das Unternehmen mit der Forderung nach einem 2040-Ziel umgeht, dürfte die Wahrnehmung bei ESG-orientierten Investoren prägen.
Hinzu kommt die Uran-Frage. BHP deckt rund 5% des globalen Uranangebots aus South Australia ab, sieht den Markt aber weiterhin als zu klein für eine strategische Priorisierung. Anleger, die auf eine stärkere Uran-Ausrichtung spekulieren, erhalten damit eine klare Absage – zumindest für den aktuellen Zeitpunkt.
Ausblick
Konkrete Termine nennt der Quelltext nur wenige. Klar ist: BHP wird im kommenden Jahr einer Investorenkampagne gegenüberstehen, die ein Emissionsminderungsziel für 2040 fordert. O'Brien verlangt eine Selbstverpflichtung des Unternehmens innerhalb des nächsten Jahres. McEwan hat dies abgelehnt und verweist auf die Priorität von Wachstumsprojekten und die Reduzierung der Dieselabhängigkeit.
Beim Thema Uran bleibt BHP auf absehbare Zeit zurückhaltend. McEwan schließt nicht aus, dass sich das eines Tages ändert, betont aber, dass der Markt derzeit zu klein sei. Australien wiederum steht vor der Frage, ob es dem kanadischen Beispiel folgt und seine steuerlichen Anreize für Investitionen nachbessert. McEwan hat diese Debatte mit seinem Auftritt auf der Hauptversammlung befeuert.
Kurz erklärt
- Mega-Produktivitätsabschreibung: Eine steuerliche Regelung, die es Unternehmen erlaubt, Investitionskosten sofort statt über viele Jahre verteilt abzuschreiben.
- Sofortabschreibung: Die Möglichkeit, die vollen Anschaffungskosten eines Wirtschaftsguts im Jahr der Inbetriebnahme steuerlich geltend zu machen.
- Netto null Emissionen: Ein Zustand, bei dem ein Unternehmen unterm Strich keine Treibhausgase mehr in die Atmosphäre abgibt.
