Bentley Systems übertrifft Erwartungen und hebt ARR-Prognose deutlich an
Die Aktie von Bentley Systems legt im Vorhandel um 5,7 Prozent zu, nachdem der Softwarekonzern Umsatz und Gewinn über den Wall-Street-Erwartungen ausgewiesen hat.

Die Aktie von Bentley Systems (Ticker BSY) hat im Vorhandel deutlich zugelegt. Der Kurs stieg um 5,7 Prozent, nachdem der US-Softwareanbieter für Infrastruktur-Engineering seine Ergebnisse für das dritte Quartal veröffentlicht hatte. Umsatz und Gewinn lagen dabei über den Erwartungen der Wall Street. Für deutsche Anleger ist die Reaktion ein anschauliches Beispiel dafür, wie stark Prognoseanpassungen bei Softwareunternehmen den Kurs bewegen können.
Beim bereinigten Gewinn je Aktie wies Bentley Systems 0,36 US-Dollar aus und übertraf damit den Konsensschätzwert von 0,33 US-Dollar um 0,03 US-Dollar. Der Umsatz belief sich auf 421,5 Millionen US-Dollar und lag damit leicht über der Prognose von 420,6 Millionen US-Dollar. Im Jahresvergleich entspricht das einem Wachstum von 12,2 Prozent. Der bereinigte Gewinn je Aktie ist eine Kennzahl, die Sonderposten ausklammert und deshalb von Analysten bevorzugt herangezogen wird.
Für Anleger war ebenso bedeutsam, dass das Unternehmen seine Guidance für das konstante Währungswachstum des annualisierten wiederkehrenden Umsatzes (ARR) für das Gesamtjahr auf ein Band von 12,5 bis 13,5 Prozent anhob. Der Mittelwert dieses Bereichs übertrifft die vorherige Jahresprognose. Der ARR gilt in der Softwarebranche als zentrale Kennzahl, weil er die wiederkehrenden Erlöse aus Abonnements abbildet und damit die Planbarkeit des Geschäfts erhöht.
Die operative Marge steigt deutlich auf 29,1 Prozent
Zusätzlichen Auftrieb gaben dem Kurs die Profitabilitätskennzahlen. Die operative Marge erweiterte sich auf 29,1 Prozent, nach 22,5 Prozent im gleichen Vorjahreszeitraum. Die bereinigte operative Marge verbesserte sich auf 32,1 Prozent von zuvor 28,1 Prozent. Diese Entwicklung deutet auf eine signifikante operative Hebelwirkung hin, also auf überproportional steigende Erträge bei wachsendem Umsatz.
Auch die Kundenbindung entwickelte sich positiv. Die dollarbasierte Netto-Wiederkehrend-Umsatz-Retentionsrate stieg leicht auf 110 Prozent, nach 109 Prozent zuvor. Eine Rate über 100 Prozent bedeutet, dass bestehende Kunden im Saldo mehr Umsatz generieren als im Vorjahr – etwa durch zusätzliche Lizenzen oder Upgrades. Der Wert spiegelt damit gesunde Trends beim Kundenumsatz wider.
CEO Cumins verweist auf Investitionen in Infrastruktur für KI
CEO Nicholas Cumins verwies auf die Stärke in den Bereichen Ressourcen sowie öffentliche Arbeiten und Versorgungsunternehmen. „Die Ingenieurfirmen, die wir bedienen, profitieren von einem beispiellosen Investitionsniveau in Infrastruktur für KI“, betonte Cumins und nannte dies einen wichtigen Wachstumstreiber. Damit stellt das Management einen direkten Zusammenhang zwischen dem Ausbau von Rechenzentren und der Nachfrage nach Planungssoftware her.
Zwei während des Quartals abgeschlossene strategische Transaktionen unterstreichen zudem das aktive Portfolio-Management des Unternehmens. So veräußerte Bentley Systems die Einheit Cohesive. Im Gegenzug übernahm die Tochtergesellschaft Seequent den Anbieter von Software zur seismischen Interpretation, Eliis. Beide Schritte zeigen, dass der Konzern sein Angebot stärker auf das Kerngeschäft ausrichtet.
Analysten heben ihre Kursziele auf 45 Dollar an
Bereits vor der Veröffentlichung der Zahlen hatten sowohl Baird als auch BofA Securities ihre Kursziele für BSY auf 45 US-Dollar angehoben. Darin spiegelt sich das wachsende Vertrauen in die Entwicklung des Unternehmens wider. Die Aktie notiert damit weiterhin in der Nähe ihres 52-Wochen-Hochs von 48,38 US-Dollar.
Das makroökonomische Umfeld fiel derweil gemischt aus. Während der S&P 500 und der Dow Jones moderat positiv notierten, befand sich der NASDAQ im negativen Terrain. Umso bemerkenswerter ist die Überperformance von BSY vor Börseneröffnung. Aufseiten der Geldpolitik hielt die Federal Reserve ihren Leitzins bei ihrem letzten Treffen unverändert im Bereich von 3,75 bis 4,00 Prozent. Da für heute keine Entscheidung des FOMC ansteht, bleibt das Umfeld für Softwareaktien relativ neutral.
Insgesamt bot die Kombination aus klarer Gewinnübertreffung, verbesserter Margenstruktur, stärkerer Retention bei wiederkehrenden Umsätzen und angehobener ARR-Wachstumsprognose den Anlegern nach Einschätzung des Marktes klare Gründe für Käufe. Dies habe den Gegenwind eines schwächelnden NASDAQ und die Nähe der Aktie zu ihrem 52-Wochen-Hoch mehr als ausgeglichen, so die Einschätzung im Handel. Für deutsche Investoren bleibt festzuhalten, dass die Aktie ein US-Technologiewert mit Fokus auf Infrastruktursoftware ist und damit auch auf Wechselkurseffekte reagiert.
