Anthropic lockt Blackstone mit zweistelliger Rendite für Chip-Finanzierung
Laut Financial Times will Blackstone neun Milliarden Dollar in eine durch Mietzahlungen abgesicherte Schuldverschreibung investieren.

Das US-KI-Unternehmen Anthropic bietet dem Finanzinvestor Blackstone eine Rendite von mehr als 10 Prozent, um sein neuestes Chip-Geschäft zu finanzieren. Das berichtete die Financial Times am Freitag unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Reuters konnte den Bericht nicht unverzüglich überprüfen.
Nach Angaben der Zeitung würden die Fonds von Blackstone 9 Milliarden Dollar in eine Schuldverschreibung investieren. Diese Schuldverschreibung ist durch die fünfjährigen Mietzahlungen abgesichert, die Anthropic für die Chips leistet. Die zweistellige Rendite ist damit der Preis, den das KI-Unternehmen für das Kapital zahlt, das es für seine Rechenkapazitäten benötigt.
Die Meldung fällt in eine angespannte Phase für den KI-Handel an den US-Märkten. Der Nasdaq verzeichnete die schlechteste Woche seit Ende Juni mit einem Rückgang von 4,5 Prozent, da der KI-Handel unter Druck geriet. Goldman warnte vor zwei Speicheraktien zum Kauf angesichts einer tieferen Sektor-Korrektur. Chip-Aktien bereiten sich auf eine Erholungs-Rallye vor, doch der 2000er-Analogindex deutet auf weiteres Downside hin. Die Bank of America (BofA) rät Anlegern, risikoscheu zu bleiben, da höhere reale Zinsen und KI-Volatilität die Aktienmärkte bedrohen.
Die Details
Im Mittelpunkt der berichteten Transaktion steht eine Schuldverschreibung, also ein festverzinsliches Wertpapier, das Anleger zeichnen und für das sie Zinszahlungen erhalten. Im Unterschied zu einer klassischen Unternehmensanleihe ist der Rückfluss hier nicht allein an die Bonität von Anthropic geknüpft, sondern an die Mietzahlungen, die das Unternehmen über fünf Jahre für die Chips leistet. Diese Zahlungsströme dienen den Gläubigern als Sicherheit.
Die Financial Times beziffert das Volumen, das Blackstone-Fonds investieren sollen, auf 9 Milliarden Dollar. Als Gegenleistung winkt eine Rendite von mehr als 10 Prozent. Damit liegt die Verzinsung deutlich über dem, was Anleger für risikoarme Staatsanleihen erhalten — ein Hinweis darauf, wie hoch der Kapitalbedarf im KI-Sektor derzeit ist und welche Risikoprämie Investoren für entsprechende Engagements verlangen.
Bemerkenswert ist die Quelle der Information: Die Zeitung beruft sich auf mit der Angelegenheit vertraute Personen, nicht auf eine offizielle Bestätigung der beteiligten Unternehmen. Reuters konnte den Bericht nicht unverzüglich überprüfen. Für Anleger bedeutet das, dass die Angaben bislang unbestätigt sind und sich im Laufe der Berichterstattung noch ändern können.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die jüngste Meldung reiht sich in eine Serie von Berichten ein, die aktien.news in den vergangenen Monaten veröffentlicht hat. Bereits am 04.05.2026 berichtete aktien.news, dass Anthropic kurz vor dem Abschluss einer Vereinbarung zur Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens mit mehreren der größten Namen der Wall Street stand. Laut mit der Angelegenheit vertrauten Personen waren Blackstone, Goldman Sachs und eine Reihe weiterer Finanzfirmen an dem Deal beteiligt. Das Ziel des Joint Ventures: KI-Tools sollten an Unternehmen verkauft werden, die von Private-Equity-Gesellschaften unterstützt werden.
Am 29.05.2026 berichtete aktien.news, dass Apollo Global Management und Blackstone eine der größten KI-Infrastrukturfinanzierungen der jüngeren Geschichte vorantreiben. Die beiden US-amerikanischen Finanzinvestoren arbeiteten daran, weitere Kapitalgeber für eine Fremdkapitalfinanzierung in Höhe von rund 36 Milliarden US-Dollar zu gewinnen. Die Mittel sollten konkret für den Kauf von maßgeschneiderten Google-Chips verwendet werden, sogenannten TPUs — Tensor Processing Units.
Am 11.06.2026 berichtete aktien.news, dass sich Blackstone zu einem der einflussreichsten Akteure im globalen Boom rund um die Infrastruktur für künstliche Intelligenz entwickelt. Mit einer neuen Rechenzentrum-Partnerschaft mit Alphabets Google sowie einer bestehenden Finanzierungsbeziehung zu Anthropic baute der globale Investmentriese seine Stellung als Schlüsselfinanzierer der KI-Welt konsequent aus.
Am 29.09.2026 berichtete aktien.news, dass Anthropic einen Börsengang vorbereitet, der zu den größten der Technologiegeschichte zählen könnte. Nach Angaben von Reuters legte der vorliegende Prospekt des Unternehmens Ausgabenpläne von 518 Milliarden Dollar dar. Die Notierung soll nach den Midterm-Wahlen im November stattfinden.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Meldung vor allem ein Signal über die Finanzierungsstruktur des KI-Booms. Anthropic beschafft sich Kapital nicht nur über Eigenkapital oder klassische Anleihen, sondern zunehmend über Konstruktionen, bei denen künftige Zahlungsströme — hier die Mietzahlungen für Chips — als Sicherheit dienen. Solche Strukturen verlagern einen Teil des Risikos auf die Kapitalgeber und machen die Finanzierung für den Kapitalnehmer teurer, was sich in der berichteten Rendite von mehr als 10 Prozent niederschlägt.
Gleichzeitig zeigt der Marktkontext, dass die Zuversicht im KI-Sektor nicht ungetrübt ist. Der Nasdaq-Rückgang von 4,5 Prozent in der schlechtesten Woche seit Ende Juni, die Warnung von Goldman vor zwei Speicheraktien und die Risikoscheu-Empfehlung der Bank of America deuten auf eine Phase erhöhter Schwankungsanfälligkeit hin. Wer in KI-nahe Titel investiert ist, sollte diese Volatilität und die von der BofA genannten höheren realen Zinsen im Blick behalten.
Zu beachten ist außerdem, dass die Transaktion bislang nicht offiziell bestätigt ist. Anleger sollten Berichte, die sich auf anonyme Quellen stützen, nicht als gesicherte Fakten behandeln. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Ausblick
Konkrete Termine nennt der Bericht der Financial Times nicht. Aus den früheren Berichten von aktien.news ergibt sich jedoch ein zeitlicher Rahmen: Die Notierung von Anthropic soll nach den Midterm-Wahlen im November stattfinden. Der Prospekt des Unternehmens legt Ausgabenpläne von 518 Milliarden Dollar dar. Ob und wann die berichtete Finanzierung mit Blackstone zustande kommt, ist offen — die Angaben sind bislang unbestätigt.
Kurz erklärt
- Schuldverschreibung: Ein festverzinsliches Wertpapier, bei dem Anleger dem Emittenten Kapital leihen und dafür Zinszahlungen erhalten.
- TPU (Tensor Processing Unit): Ein speziell für KI-Berechnungen entwickelter Prozessor von Google.
- Börsengang (IPO): Der erstmalige Verkauf von Aktien eines Unternehmens an der Börse.
