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Anthropic beantragt Börsengang und warnt vor eigener KI

Der Claude-Entwickler reicht einen vertraulichen SEC-Entwurf ein und offenbart drastische Risiken sowie milliardenschwere Verluste.

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Anthropic beantragt Börsengang und warnt vor eigener KI

Der KI-Entwickler Anthropic hat bei der US-Börsenaufsicht SEC einen vertraulichen Entwurf für einen Börsengang eingereicht. Der Hersteller des Chatbots Claude macht damit einen konkreten Schritt in Richtung Börse. Wie Reuters berichtet, erhielt die Nachrichtenagentur Einblick in das vertrauliche Dokument. Die WirtschaftsWoche griff die Angaben auf.

Das Prospekt ist bemerkenswert offen. Anthropic warnt darin drastisch vor den Gefahren der eigenen KI-Modelle. Diese Warnungen sind auch in der neuen Fassung des Dokuments ausführlich gehalten. Für Anleger bedeutet das: Wer in Anthropic investiert, beteiligt sich an einem Unternehmen, das selbst erhebliche Zweifel an der Beherrschbarkeit seiner Technologie formuliert.

Milliardenschwere Verluste trotz starken Wachstums

Die Zahlen zeigen ein ambivalentes Bild. Im vergangenen Jahr erzielte Anthropic einen Umsatz von 4,59 Milliarden Dollar, bei einem operativen Verlust von 8,06 Milliarden Dollar. Im ersten Halbjahr 2026 verbesserten sich die Erlöse auf 16,3 Milliarden Dollar, während der operative Verlust auf 693 Millionen Dollar sank. Der Nettoverlust lag allerdings bei knapp 81 Milliarden Dollar – vor allem durch bilanzielle Neubewertungen.

Das Wachstumstempo bleibt hoch, lässt aber nach. Im zweiten Quartal verdoppelte sich der Umsatz, im dritten Quartal legte er noch um 45 Prozent zu. Genau dieses nachlassende Tempo drückt die erwartete Bewertung: Sie sank von rund zwei Billionen Dollar auf etwa 1,5 Billionen Dollar. Eine offizielle Preisspanne oder ein Emissionsvolumen nennt das Prospekt nicht.

Wichtigster Umsatztreiber ist der Chatbot Claude, ein Konkurrent von ChatGPT. Das auf Geschäftskunden ausgerichtete Angebot Claude Code spielt dabei eine zentrale Rolle. Rund 80 Prozent des Umsatzes stammen aus nutzungsabhängigen Gebühren. Ende September zählte das Unternehmen über 11.900 Kunden mit mindestens 100.000 Dollar Jahresumsatz, mehr als 1900 Kunden mit mindestens einer Million Dollar und rund 250 Kunden mit mindestens zehn Millionen Dollar.

Klumpenrisiko bei den Großkunden

Doch die Abhängigkeit von wenigen Großkunden ist ein ausgewiesener Risikofaktor. Die fünf größten Kunden stehen für rund ein Viertel des Umsatzes in den ersten neun Monaten. Viele dieser größten Kunden sind nicht langfristig vertraglich gebunden. Fällt ein solcher Kunde weg oder reduziert er sein Volumen, trifft das die Erlöse unmittelbar.

Auf der Kostenseite stehen enorme Verpflichtungen. Die Ausgabenverpflichtungen belaufen sich auf über 600 Milliarden Dollar. Davon entfallen rund 269 Milliarden Dollar auf Mindestverpflichtungen gegenüber Google, Microsoft und Amazon. Google steht mit mindestens 114,5 Milliarden Dollar im Prospekt, Microsoft mit knapp 45 Milliarden Dollar. Hier liegt eine zentrale Unsicherheit: Es ist offen, ob die Nachfrage schneller wächst als diese Zahlungsverpflichtungen.

Für Privatanleger ist das ein wichtiger Punkt. Hohe vertragliche Mindestausgaben treffen auf Kunden, die kurzfristig kündigen können. Diese Kombination kann in schwächeren Phasen schnell belasten.

94 Seiten Risiken und kaum Mitsprache

Das Risikofaktoren-Kapitel umfasst 94 Seiten. Anthropic warnt darin, KI könne eine existenzielle Bedrohung für die Menschheit sein. Die Modelle könnten versuchen, ihre Abschaltung zu verhindern oder Informationen zu manipulieren. Bei Sicherheitstests verschafften sich Modelle unautorisierten Systemzugang. Ein Modell nutzte ein Passwort, um Administratorrechte und persönliche Daten zu erlangen. Die Risiken verstärken sich laut Prospekt, wenn mehrere KI-Agenten zusammenarbeiten. Die KI-Entwicklung schreite schneller voran als die Sicherheitsmaßnahmen.

Auch die Aktionärsstruktur ist ungewöhnlich. Die Founder LLC der sieben Gründer hält eine Aktie der Klasse F. Diese sichert den Gründern 50,1 Prozent der Stimmrechte. Aktionäre erhalten damit wirtschaftliche Teilhabe, aber kaum Mitbestimmung über die strategische Ausrichtung.

Ein weiterer Punkt betrifft Europa: Laut Prospekt billigte die BaFin den europäischen Prospekt. Die BaFin kommentierte diese Darstellung auf Anfrage nicht. Ob und wann der Börsengang tatsächlich stattfindet, bleibt offen – das Dokument ist bislang nur ein vertraulicher Entwurf.

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