Alphabet-Aktie: Mizuho rät nach Quartalszahlen zum Kauf des Rücksetzers
Mizuho hält an „Outperform" und Kursziel 460 Dollar fest und sieht im Kursrutsch nach gemischten Q3-Zahlen eine Einstiegsgelegenheit.

Die Investmentbank Mizuho hat ihre Kaufempfehlung („Outperform") sowie ihr Kursziel von 460 US-Dollar für die Alphabet-Aktie bekräftigt. Analyst Lloyd Walmsley empfiehlt Anlegern, den Rückgang nach Börsenschluss nach den gemischten Ergebnissen des Google-Mutterkonzerns für das dritte Quartal zum Kauf zu nutzen. Die Aktie lag vor dem Marktstart rund 11% im Minus.
„Wir sind Käufer bei der Korrektur nach Börsenschluss in GOOGL-Aktien, da wir weiterhin einen stärkeren aggregierten EPS-Effekt aus dem Cloud-Geschäft durch TPUs sehen als einen negativen Effekt durch die geringeren Sucherträge", schrieb Walmsley. Der Analyst stellt damit zwei gegenläufige Entwicklungen gegenüber: ein schwächeres Suchgeschäft auf der einen Seite und ein stark wachsendes Cloud-Geschäft auf der anderen, das nach seiner Einschätzung kräftiger auf den Gewinn je Aktie durchschlägt.
Den Ausschlag gibt für Mizuho das Cloud-Segment. Der Cloud-Umsatz wuchs um 103%, getrieben von der Kernnachfrage und steigenden TPU-Umsätzen. Gleichzeitig stiegen die Cloud-Margen auf 36,2% von 35,6% im zweiten Quartal – und das trotz deutlich höherer TPU-Umsätze.
Die Details
Aus dieser Kombination liest Walmsley einen strukturellen Effekt. Dass die Marge trotz des stark wachsenden TPU-Geschäfts zulegte, deute darauf hin, dass sich die TPU-Margen den Kern-Cloud-Margen annähern. Das liege weit über Mizuhos vorheriger Schätzung von 14%. Auf Basis dieser Annahme rechnet das Haus für das Geschäftsjahr 2028 mit einer Aufwärtskorrektur des konsolidierten Betriebsergebnisses von etwa 13% und des GAAP-EPS von etwa 12%.
„Wir glauben nicht, dass signifikante TPU-Umsätze oder -Margen im Konsens oder im Aktienkurs eingepreist sind", so der Analyst. Die Markterwartungen bilden aus seiner Sicht das Chip-Geschäft von Google also bislang nicht ab – ein Punkt, den Mizuho als eigenständigen Bewertungstreiber ins Feld führt.
Deutlich schwächer fiel dagegen das Suchgeschäft aus. Der Umsatz stieg ohne Währungseffekte um 12% und verfehlte damit sowohl Mizuhos Schätzung von 13% als auch den Konsens von 15%. Walmsley merkte an, dass die Monetarisierung des AI Mode weiterhin hinter der traditionellen Suche zurückbleibt, was beim Skalieren kurzfristig ein Gegenwind ist. Das Query-Wachstum war jedoch das stärkste seit fünf Jahren, und die Nutzung des AI Mode ist überwiegend additiv.
„Wir vermuten, dass dies die letzte Kürzung der Suchschätzungen sein wird und sehen erhebliche Aufwärtspotenziale beim EBIT des Cloud-Segments auf der Straße", sagte er. Der Analyst geht damit davon aus, dass die nach unten angepassten Suchprognosen den Tiefpunkt markieren.
Einschränkend wies Mizuho auf eine schwierige Margensituation bis 2027 hin, da die Cloud mit höheren Abschreibungen und Kapazitätskosten konfrontiert ist. In der Telefonkonferenz erklärte Alphabet zudem, dass seine TPU-Racks an Broadcom verkauft werden, der sie anschließend an Kunden weiterverkauft. Das Geschäft mit den eigenen KI-Chips läuft also über einen Partner, nicht über den Direktvertrieb.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 15.10.2026 berichtete aktien.news, dass für die Aktionäre von Alphabet ein wichtiges Ereignis bevorstehe: die Vorlage des Quartalsberichts für das dritte Geschäftsjahr. Nach Einschätzung der Quelle sei das Unternehmen hervorragend aufgestellt, um in den Berichtszeitraum zu starten, und wenige Aktien seien besser positioniert, um im Wettlauf um künstliche Intelligenz zu bestehen. Da die Aktie damals mehr als 10% von ihrem Allzeithoch entfernt notierte, wurde der Moment als günstiger Einstiegszeitpunkt beschrieben.
Am 18.10.2026 berichtete aktien.news, dass Google Cloud auf dem besten Weg sei, in den kommenden Quartalen zum größten Treiber des operativen Einkommenswachstums zu werden. Nachdem das Umsatzwachstum von Google Cloud im zweiten Quartal auf 82 Prozent beschleunigt hatte, prognostizierte der Autor von The Motley Fool, dass das Segment im dritten Quartal seinen Umsatz mehr als verdoppeln werde. Die nun gemeldeten 103% Umsatzwachstum liegen auf dieser Linie.
Am 28.09.2026 meldete aktien.news, dass die Investmentbank Piper Sandler ihre Prognose für das externe Chip-Geschäft von Google deutlich nach oben geschraubt hat. Analyst Thomas Champion erwartet, dass die TPU-Hardware-Verkäufe bis 2028 einen Umsatz von 104 Milliarden US-Dollar erreichen; diese Prognose sei vom breiten Markt noch nicht eingepreist. Die Notiz entstand nach Googles erstmaliger Offenlegung externer Hardwareverkäufe im Quartalsbericht für das zweite Quartal 2026.
Am 28.06.2026 hatte aktien.news berichtet, dass die Alphabet-Aktie in den vergangenen vier Wochen rund 13% an Wert verloren hat. Zu den Belastungsfaktoren zählte unter anderem der Abgang von John Jumper, einem führenden KI-Experten und Nobelpreisträger, der zu Anthropic wechselte. Zudem wuchs unter Investoren die Sorge über die enormen Ausgaben, die Alphabet für seine KI-Ambitionen plant.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Mizuho-Notiz vor allem eine Einordnung der beiden Geschäftsbereiche. Das Suchgeschäft – traditionell die Cash-Cow des Konzerns – enttäuschte beim Umsatzwachstum, während das Cloud-Geschäft mit 103% Zuwachs und steigenden Margen die Erwartungen des Analysten übertraf. Wer die Aktie hält oder kaufen will, muss also abwägen, welchem der beiden Effekte er mehr Gewicht beimisst.
Bemerkenswert ist dabei die Margenentwicklung im Cloud-Segment. Dass die Marge trotz deutlich höherer TPU-Umsätze von 35,6% auf 36,2% stieg, ist für Mizuho das zentrale Argument: Es deutet darauf hin, dass das Chip-Geschäft nicht margenschädlich ist, sondern sich den Kern-Cloud-Margen annähert. Die Differenz zur bisherigen Annahme von 14% ist erheblich und erklärt, warum das Haus seine Gewinnschätzungen für 2028 nach oben korrigiert.
Gleichzeitig bleibt die Belastung durch Abschreibungen und Kapazitätskosten bis 2027 bestehen. Anleger sollten die Cloud-Marge daher nicht als gesichert ansehen, sondern die Investitionskosten im Blick behalten, die Alphabet für den Ausbau der Rechenkapazität aufwendet. Die Empfehlung von Mizuho ist eine Analystenmeinung und keine Anlageempfehlung; sie beruht auf Annahmen zur künftigen TPU-Marge, die sich noch nicht im Marktkonsens wiederfinden.
Ausblick
Mizuho erwartet für das Geschäftsjahr 2028 eine Aufwärtskorrektur des konsolidierten Betriebsergebnisses von etwa 13% und des GAAP-EPS von etwa 12%, sollte sich die TPU-Marge wie angenommen entwickeln. Für die Suchsparte geht Walmsley davon aus, dass die aktuelle Kürzung der Schätzungen die letzte war. Bis 2027 rechnet das Haus im Cloud-Geschäft weiterhin mit einer schwierigen Margensituation wegen höherer Abschreibungen und Kapazitätskosten. Über die Erlöse aus den TPU-Racks läuft das Geschäft künftig über Broadcom, der die Hardware an Kunden weiterverkauft.
Kurz erklärt
- TPU: Ein von Google selbst entwickelter Beschleuniger-Chip, der vor allem für Rechenaufgaben im Bereich künstliche Intelligenz eingesetzt wird.
- GAAP-EPS: Der Gewinn je Aktie nach den allgemein anerkannten US-Rechnungslegungsstandards, also ohne Bereinigungen.
- Outperform: Eine Analystenbewertung, die erwartet, dass sich die Aktie besser entwickelt als der Gesamtmarkt oder die Vergleichsgruppe.
