Barclays stuft PayPal auf Untergewichtung herab: Fundamentaldaten schwächen sich
Barclays senkt PayPal von „Equal Weight" auf „Underweight" und das Kursziel auf 53 Dollar. Das Branded-Checkout-Wachstum verlangsamt sich.

Die US-Investmentbank Barclays hat ihre Einschätzung für PayPal deutlich nach unten korrigiert. Die von Nik Cremo angeführten Analysten stufen die Aktie des Zahlungsdienstleisters von „Equal Weight" auf „Underweight" (Untergewichtung) herab und senken das Kursziel von 56 auf 53 Dollar. Zur Begründung verweisen sie auf ein verlangsamendes Wachstum im Kerngeschäft des Online-Checkouts, strukturellen Druck auf den eigenen Marken-Button sowie eine geringere Wahrscheinlichkeit einer Übernahme. Für deutsche Anleger ist die Herabstufung relevant, weil PayPal zu den international bekanntesten Zahlungsdienstleistern zählt und die Aktie in vielen Depots hierzulande liegt.
Auslöser der Neubewertung sind die Ergebnisse von PayPal für das dritte Quartal, die die Analysten als gemischt bewerteten. Der Umsatz lag etwa um 1 Prozent unter den Erwartungen der Marktanalysten. Bei den Transaktionsmargen in Dollar übertraf PayPal die Schätzungen dagegen um etwa 2 Prozent, beim Gewinn je Aktie lag das Unternehmen um etwa 11 Prozent darüber. Diese positiven Überraschungen führen die Analysten auf niedrigere Aufwendungen zurück – nicht auf eine stärkere operative Dynamik.
Genau dort setzt die Kritik an. Die Fundamentaldaten waren nach Einschätzung von Barclays negativ. Das Wachstum im Online-Branded-Checkout, der wichtigsten Kennzahl und Quelle des größten Teils der Transaktionsgewinne, verlangsamt sich auf neutraler Währungsbasis auf 1 Prozent. Die Prognose von PayPal für das vierte Quartal weist ein Wachstum von 1 bis 2 Prozent aus. Trotz eines leichteren Vergleichswerts und der Hoffnungen der Anleger auf eine erneute Beschleunigung deute diese Prognose weiterhin auf eine Verlangsamung hin, so die Analysten, was „die Befürchtungen eines Marktanteilsverlusts" bestärke.
Die Details
Ein zentraler Punkt der Herabstufung ist die Übernahmefantasie, die lange einen Teil der PayPal-Bewertung getragen hat. Barclays stuft das Potenzial für eine Übernahme inzwischen als „weitgehend reduziert" ein, nachdem Stripe und Advent Berichten zufolge ihr Angebot zurückgezogen hätten. Angesichts der verschlechterten Fundamentaldaten erwarten die Analysten, dass sich die Aktie wieder stärker an diesen Fundamentaldaten orientieren wird.
Zweifel äußern sie auch am Turnaround-Plan des Managements. Dieser stimme „weitgehend mit Initiativen überein, die PayPal bereits seit Jahren verfolgt", ohne dass sichtbare Verbesserungen erkennbar seien. In ihrer Analyse schreiben sie: „Darüber hinaus sind wir nicht der Auffassung, dass es viable Übernahmeziele gibt, die die Entwicklung des Branded-Checkout-Geschäfts von PayPal erheblich verändern würden."
Auf die Erlösseite blickt die Bank ebenfalls skeptisch. Barclays erwartet, dass das Wachstum der Transaktionsmargen in Dollar durch einen Rückgang der Take-Rate und Marktanteilsverluste gegenüber Apple Pay und Shop Pay unter Druck geraten wird. Verstärkt wird dies aus Sicht der Analysten durch zwei langfristige Trends: den Rückgang des manuell eingegebenen Guest-Checkouts, der 2019 noch bei etwa 44 Prozent der Visa-E-Commerce-Transaktionen lag und bis 2025 auf etwa 16 Prozent sinken wird, sowie die Verschiebung des E-Commerce hin zu mobilen Geräten. Zusätzlich könnte Agentic Commerce den Wert von Checkout-Buttons weiter aushöhlen.
Positiv vermerkt die Analyse die Kostenseite. PayPal bestätigte mehr als 1,5 Milliarden Dollar an kostenseitigen Einsparungen im laufenden Betrieb und rechnet nun mit etwa 700 Millionen Dollar zum Ende des vierten Quartals. Zudem wurden mittelfristige Ziele für das Wachstum der Transaktionsmargen in Dollar im mittleren einstelligen Bereich sowie ein doppeltstelliges EPS-Wachstum festgelegt. Barclays merkte jedoch an, dass PayPal solche Rahmenwerke bereits zuvor verfehlt habe, und verwies auf ein früheres Ziel, den Branded TPV bis 2027 auf 8 bis 10 Prozent zu beschleunigen, das später wieder zurückgezogen wurde.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 3. Februar 2026 berichtete aktien.news, dass PayPal mit seiner Jahresprognose für das Gesamtjahr 2026 und einem schwachen Weihnachtsgeschäft enttäuschte. Das Unternehmen erwartete für 2026 einen bereinigten Gewinn, der im niedrigen einstelligen Prozentbereich leicht sinken bis leicht steigen würde – deutlich unter den Wall-Street-Erwartungen von etwa 8 Prozent Wachstum. Im Weihnachtsquartal erzielte PayPal einen Umsatz von 8,68 Milliarden Dollar.
Ebenfalls am 3. Februar 2026 meldete aktien.news einen überraschenden Führungswechsel: Die PayPal-Aktie brach im vorbörslichen Handel um fast 16 Prozent ein. Der Verwaltungsrat begründete den Schritt damit, dass das Tempo der Veränderungen unter CEO Alex Chriss nicht den Erwartungen entsprochen habe. Ab dem 1. März übernahm Enrique Lores die Geschäfte, bis dahin fungierte Finanzvorstand Jamie Miller als Interims-CEO.
Am 25. Februar 2026 berichtete aktien.news über vorläufiges Übernahmeinteresse von Stripe an PayPal oder Teilen des Unternehmens. Die Aktie schloss daraufhin fast 7 Prozent höher, PayPal wies laut LSEG-Daten eine Marktbewertung von über 40 Milliarden US-Dollar auf, Stripe selbst war mit 159 Milliarden US-Dollar bewertet.
Am 28. Juli 2026 hob PayPal dann die Gewinnprognose für 2026 an und bekräftigte seinen Sanierungsplan. Im zweiten Quartal erzielte der Konzern einen bereinigten Gewinn von 1,38 Dollar pro Aktie und übertraf damit die Analystenerwartungen von 1,28 Dollar, der Umsatz stieg auf währungsbereinigter Basis um 3 Prozent auf 8,68 Milliarden Dollar. Zugleich wollte PayPal Investoren davon überzeugen, dass das Unternehmen mehr wert ist als das Übernahmeangebot in Höhe von 53 Milliarden Dollar, das Analysten als „zu niedrig" einstuften.
Was das für Anleger bedeutet
Für Privatanleger ist die Herabstufung ein Signal, dass die Bewertung der Aktie nicht mehr von einer Übernahmephase getragen wird. Barclays erwartet ausdrücklich, dass sich der Kurs wieder stärker an den operativen Kennzahlen orientiert – und diese zeigen mit 1 Prozent Wachstum im Branded Checkout und einer Prognose von 1 bis 2 Prozent für das vierte Quartal eine klare Verlangsamung. Das neue Kursziel von 53 Dollar liegt unter dem bisherigen Ziel von 56 Dollar.
Zweitens sollten Anleger die Qualität des jüngsten Ergebnisübertreffens einordnen. Die Analysten führen die besseren Margen und den höheren Gewinn je Aktie auf niedrigere Aufwendungen zurück, während der Umsatz leicht unter den Erwartungen blieb. Ein Kostenhebel ist kein Beleg für ein wieder beschleunigtes Wachstum im Kerngeschäft.
Drittens bleiben die mittelfristigen Ziele des Managements – mittlerer einstelliger Bereich beim Wachstum der Transaktionsmargen in Dollar und doppeltstelliges EPS-Wachstum – der Maßstab, an dem sich PayPal messen lassen muss. Barclays weist allerdings darauf hin, dass vergleichbare Rahmenwerke in der Vergangenheit verfehlt oder zurückgezogen wurden. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten; die Bewertung hängt stark davon ab, ob die Verlangsamung im Branded Checkout gestoppt werden kann.
Ausblick
Konkret erwartet PayPal für das vierte Quartal ein Wachstum von 1 bis 2 Prozent. Aus den bestätigten Einsparungen von mehr als 1,5 Milliarden Dollar sollen zum Ende des vierten Quartals etwa 700 Millionen Dollar realisiert sein. An den mittelfristigen Zielen für Transaktionsmargen und Gewinn je Aktie hält das Unternehmen fest. Eine Übernahme als Kurstreiber ist nach Einschätzung von Barclays dagegen „weitgehend reduziert", nachdem Stripe und Advent Berichten zufolge ihre Angebote zurückgezogen haben.
Kurz erklärt
- Untergewichtung: Eine Analystenbewertung, die erwartet, dass sich eine Aktie schwächer entwickelt als der Gesamtmarkt.
- Branded Checkout: Die Bezahlung über den Marken-Button des Zahlungsdienstleisters beim Händler statt über eine Gastzahlung mit manuell eingegebenen Kartendaten.
- Take-Rate: Der Anteil, den ein Zahlungsdienstleister vom abgewickelten Zahlungsvolumen als eigene Gebühr einbehält.
- Transaktionsmarge in Dollar: Der Gewinn in absoluten Dollar, den ein Zahlungsdienstleister je abgewickelter Transaktion erwirtschaftet.
- EPS: Der Gewinn je Aktie, also der auf eine einzelne Aktie entfallende Anteil am Unternehmensgewinn.
