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Wachsende Ungleichheit bedroht sozialen Zusammenhalt

Angst vor Abstieg und sinkendes Vertrauen in politische Institutionen

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Wachsende Ungleichheit bedroht sozialen Zusammenhalt

Eine neue Studie der Hans-Böckler-Stiftung zeigt, dass die Einkommensungleichheit in Deutschland zunimmt und dies weitreichende soziale Folgen hat. Laut der Untersuchung wächst die Sorge um den sozialen Abstieg, und das Vertrauen in die Institutionen schwindet zunehmend. Besonders betroffen sind Menschen in Armut, deren Anteil einen Höchststand erreicht hat. Die wirtschaftliche Lage hat sich durch die Corona-Krise und die Inflation weiter verschärft, was die sozialen Spannungen verstärkt.

Die Analyse der Hans-Böckler-Stiftung basiert auf Daten des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI), das jährlich einen sogenannten Verteilungsbericht herausgibt. Für diesen Bericht werden Daten aus dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) herangezogen, in dem etwa 13.000 Haushalte befragt werden. Der aktuelle Bericht basiert auf Daten bis zum Jahr 2021 und zeigt, dass der Gini-Koeffizient, ein Maß für Einkommensungleichheit, auf 0,31 gestiegen ist. Im Jahr 2021 lebten 17,8 Prozent der Bevölkerung in Armut, ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu den 14,2 Prozent im Jahr 2010.

Die wachsende Ungleichheit wirkt sich stark auf die Lebensqualität aus. Mehr als die Hälfte der Menschen in der unteren Einkommenshälfte gibt an, dass sie ihren Lebensstandard nicht aufrechterhalten können. Auch das Vertrauen in die demokratischen und rechtlichen Institutionen schwindet: Nur etwa die Hälfte der Menschen mit niedrigem Einkommen ist der Meinung, dass die Demokratie in Deutschland gut funktioniert. Rund 20 Prozent der Menschen mit prekärem Einkommen gaben an, bei der nächsten Bundestagswahl nicht wählen zu wollen. Im Vergleich dazu liegt dieser Anteil in der oberen Einkommensschicht bei nur elf Prozent.

Die Autoren der Studie warnen vor einem möglichen Teufelskreis, in dem fehlender Wohlstand und gesellschaftliche Verunsicherung die Teilhabe am politischen System weiter reduzieren könnten. Fehlende Teilhabe und Vertrauen in die Institutionen könnten die soziale und politische Spaltung vertiefen. Die Forderungen der Studie umfassen daher Maßnahmen zur Stärkung der Tarifverträge, der gesetzlichen Renten sowie der öffentlichen Infrastruktur, darunter Bildungs- und Gesundheitssysteme. Auch die Schuldenbremse und eine stärkere Besteuerung sehr großer Vermögen werden als potenzielle Finanzierungsquellen genannt.

Die Studienergebnisse betonen die Bedeutung einer sozialen und ökonomischen Balance in der Gesellschaft. Die soziale Ungleichheit und ihre Folgen stellen eine zunehmende Herausforderung für den sozialen Zusammenhalt in Deutschland dar.

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