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VPN-Nutzung in Großbritannien verdoppelt sich wegen Pornografie-Alterskontrollen

Seit Einführung strenger Altersprüfungen für Pornoseiten im Juli 2025 stieg die tägliche VPN-Nutzung in Großbritannien von 1,2 auf 2,2 Millionen Nutzer.

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VPN-Nutzung in Großbritannien verdoppelt sich wegen Pornografie-Alterskontrollen

Die Einführung verpflichtender Altersprüfungen auf Pornografieseiten in Großbritannien hat eine unerwartete Nebenwirkung: Die Nutzung von Virtual Private Networks (VPN) hat sich im Vereinigten Königreich nahezu verdoppelt. Das geht aus einem aktuellen Bericht der britischen Medienaufsichtsbehörde Ofcom hervor, der den Fortschritt des sogenannten Online Safety Act dokumentiert. Täglich nutzen nun geschätzte 2,2 Millionen Briten ein VPN – gegenüber 1,2 Millionen vor Inkrafttreten der neuen Regeln im Juli 2025.

VPNs ermöglichen es Internetnutzern, ihren virtuellen Standort und ihre IP-Adresse in ein anderes Land zu verlagern und so nationales Recht zu umgehen. Für deutsche Leser ist das Konzept vertraut: Ähnliche Debatten über Altersverifikation und Jugendschutz im Netz werden auch hierzulande geführt. In Großbritannien sind die Konsequenzen nun messbar – und die Behörden reagieren.

Kinder nutzen VPNs zur Umgehung der Sperren

Besonders besorgniserregend ist für Ofcom, dass auch Kinder auf diese Umgehungsmethode zurückgreifen. Laut dem Bericht hat ein Viertel der Kinder bereits ein VPN genutzt. Dies dürfte die politische Debatte über ein mögliches Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige weiter befeuern, das die britische Regierung plant.

Die Studie zeigt zudem, dass 8 Prozent der Kinder versucht haben, auf Pornografie zuzugreifen. Etwa die Hälfte dieser Kinder stieß dabei auf Seiten mit aktiven Alterskontrollen. Nutzer, die Pornoseiten ohne Altersprüfung besuchten, taten dies häufig über Suchmaschinen – ein Schlupfloch, das Ofcom nun gemeinsam mit Google und Bing schließen will.

Die neuen Alterskontrollen selbst zeigen jedoch auch Wirkung: Alle zehn meistbesuchten Pornoseiten im Vereinigten Königreich sowie die Mehrheit der Top-100-Seiten haben inzwischen entsprechende Mechanismen implementiert. Die täglichen Besucherzahlen auf diesen Seiten sind laut Ofcom um etwa ein Drittel zurückgegangen. Der Anteil der Kinder, die auf hochwirksame Altersprüfungen stoßen, habe sich insgesamt fast verdoppelt.

TikTok unter Beschuss – neue Untersuchung eingeleitet

Parallel zu den Erkenntnissen über VPN-Nutzung hat Ofcom eine neue Untersuchung gegen TikTok eingeleitet. Die Behörde äußerte „besondere Bedenken hinsichtlich der Wirksamkeit von TikToks Ansatz zur Altersverifizierung" und prüft, ob das Unternehmen die Regeln zum Schutz von Kindern vor schädlichen Inhalten einhält.

Grundsätzlich stellt Ofcom sogenannte „Alters-Inferenz-Methoden" infrage, die von vielen Tech-Unternehmen bevorzugt eingesetzt werden. Diese Modelle analysieren digitales Verhalten und Nutzungsmuster, um ein wahrscheinliches Alter zu ermitteln – ohne offizielle Dokumente oder Biometrie heranzuziehen. Ofcom hält diese Methoden für nicht ausreichend, um ein geplantes Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige wirksam durchzusetzen.

Auch Dating-Apps geraten ins Visier der Regulierer. Mehr als jeder zehnte 17-Jährige besuchte im Dezember 2025 eine der drei meistgenutzten Dating-Apps. Ofcom mahnte, dass deren Altersverifizierungsmethoden verbessert und enger an die behördlichen Leitlinien angepasst werden müssten.

Politische Debatte über VPN-Regulierung

Die britische Regierung erwägt nun, Altersbeschränkungen auch für VPN-Dienste einzuführen, um Kinder daran zu hindern, diese zur Umgehung von Internetsperren zu nutzen. Eine endgültige Entscheidung steht jedoch noch aus. Das Thema gilt als politisch heikel: Datenschützer warnen vor den Konsequenzen eines VPN-Verbots, während ein umfassendes Social-Media-Verbot bei Eltern laut Ofcom sehr populär ist.

Im Oktober will Ofcom dem britischen Parlament eine Bewertung vorlegen, wie hochwirksame Altersprüfungen in der Praxis aussehen müssen, um das Alter einer Person zuverlässig zu bestimmen. Dies geschieht im Vorfeld möglicher Altersbeschränkungen für soziale Medien, die frühestens 2027 in Kraft treten könnten. Die Entwicklungen in Großbritannien werden auch in anderen europäischen Ländern aufmerksam verfolgt – als Blaupause oder Warnung für die eigene Regulierungspolitik.

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