Vanguard S&P 500 ETF: Warum 10 Prozent pro Jahr Geduld belohnen
Der S&P 500 hat langfristig rund 10 Prozent jährlich erzielt – trotz zahlreicher Krisen. Der Vanguard S&P 500 ETF setzt auf Geduld statt Timing.

Der S&P 500 hat seit seiner jahrzehntelangen Geschichte bei reinvestierten Dividenden durchschnittlich 10 Prozent pro Jahr erzielt. Diese Zahl ist für Anleger eine wichtige Orientierung, wenn sie eine Grundannahme darüber suchen, welche Renditen Aktien langfristig erbringen könnten. Eine aktuelle Analyse des US-Finanzportals Motley Fool greift diese Durchschnittsrendite auf und ordnet ein, was dahintersteckt – und warum der Weg dorthin für Anleger oft unangenehmer war als das Ergebnis vermuten lässt.
Denn die 10 Prozent pro Jahr sind das Resultat eines Jahrhunderts voller tiefer Einschnitte. Die Große Depression, die Stagflation und die Energiekrise der 1970er Jahre, der Black Monday 1987, der Kollaps der Tech-Blase, die Finanzkrise und die COVID-19-Pandemie: All diese Phasen gingen mit schmerzhaften Bärenmärkten einher. Trotzdem steht am Ende des betrachteten Zeitraums eine durchschnittliche jährliche Rendite von 10 Prozent.
Für deutsche Privatanleger ist vor allem ein Instrument interessant, das diese Entwicklung abbildet: der Vanguard S&P 500 ETF mit dem Ticker VOO. Der Fonds deckt die US-Wirtschaft breit ab und weist einen minimalen Kostenquotienten auf. Motley Fool bezeichnet ihn deshalb als eine der besten Langfristinvestitionen überhaupt.
Die Details
In kürzeren Zeiträumen können nahezu alle Faktoren die Aktienkurse nach oben oder unten bewegen. Genannt werden in der Analyse Inflationsberichte, Arbeitsmarktzahlen, Aktualisierungen der Geldpolitik der US-Zentralbank Fed sowie unerwartete geopolitische Ereignisse. All diese Einflüsse schlagen kurzfristig auf die Renditen durch.
Langfristig werden dagegen die Unternehmensgewinne zum entscheidenden Faktor. Ein Unternehmen, das sein Umsatzwachstum, seine Gewinne und seine Cashflows kontinuierlich steigert, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit einen tendenziell steigenden Aktienkurs verzeichnen – trotz der Volatilität, die auf diesem Weg auftreten mag. Das ist der eigentliche Motor hinter der langfristigen Rendite des Index.
Derzeit befindet sich der Markt in einer Phase starken Gewinnwachstums. Die Quartalsgewinne des S&P 500 für das dritte Quartal liegen aktuell auf einem Pfad, der ein Wachstum von 29 Prozent im Jahresvergleich verspricht. Diese Beschleunigung ist dem Boom um künstliche Intelligenz (AI) geschuldet.
Diese Dynamik erklärt, warum der S&P 500 trotz widriger Rahmenbedingungen nahe an Allzeithochs notiert. Die Inflation liegt weiterhin deutlich über 3 Prozent, der Ölpreis über 100 Dollar pro Barrel, und die langfristigen Zinssätze sind kurzfristig auf mehr Jahrzehnte hohe Höchststände gestiegen. Eine Wachstumsrate von 29 Prozent bei den Unternehmensgewinnen ist langfristig nicht nachhaltig – und könnte dazu führen, dass US-Aktien in den kommenden Jahren unterdurchschnittliche Renditen erzielen. Die langfristige Perspektive für die US-Wirtschaft bleibt laut der Analyse dennoch positiv.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuelle Einordnung steht in einer Reihe früherer Berichte von aktien.news zum selben Fonds. Bereits am 28.09.2026 berichtete aktien.news, dass wer vor zehn Jahren 1.000 Dollar in den Vanguard S&P 500 ETF investiert hätte, heute auf ein Vermögen von nahezu 4.200 Dollar blicken würde. Grundlage war eine Analyse von Motley Fool mit Stand vom 25. September; der Fonds erzielte in diesem Zeitraum eine Gesamtrendite von 318 Prozent.
Am 01.10.2026 folgte ein Blick auf deutlich längere Zeiträume: aktien.news berichtete, dass der Vanguard S&P 500 ETF im September 2010 aufgelegt wurde und seit seiner Einführung eine jährliche Rendite von rund 15 Prozent erzielt hat. Wer bei Fondstart 1.000 US-Dollar investiert und diese Position in den vergangenen 16 Jahren gehalten hätte, würde heute über einen deutlich höheren Betrag verfügen.
Am 14.10.2026 meldete aktien.news ein neues Rekordhoch: Der S&P 500 erreichte am 6. Oktober mit einem intraday-Handelsniveau von 7.844,52 Punkten einen neuen Höchststand. Zum Zeitpunkt des zugrunde liegenden Berichts notierte der Index nur leicht unter diesem Allzeithoch.
Und am 27.07.2026 berichtete aktien.news, dass der Vanguard S&P 500 ETF eine Gesamtkostenquote von lediglich 0,03 Prozent aufweist und seit seiner Auflegung im Jahr 2010 eine durchschnittliche jährliche Rendite von 15,03 Prozent erzielte. In demselben Bericht wurde der Vanguard Russell 1000 Growth ETF (VONG) mit einer Kostenquote von 0,06 Prozent verglichen.
Was das für Anleger bedeutet
Motley Fool betont den Begriff „langfristig" bewusst, weil der Versuch, die kurzfristige Marktentwicklung vorherzusagen, meist fruchtlos ist. Anleger, die bereit sind, ihre Positionen für zehn Jahre oder länger zu halten, können die Hochs und Tiefs des Marktes überstehen und sich so für langfristigen Erfolg aufstellen.
Konkret heißt das für Privatanleger: Wer in einen breit gestreuten Indexfonds investiert, sollte die Schwankungen als Teil des Prozesses akzeptieren. Die Historie des S&P 500 zeigt, dass auf tiefe Bärenmärkte über lange Zeiträume dennoch eine durchschnittliche Rendite von 10 Prozent pro Jahr stand. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen kurzfristigen Belastungen wie Inflationsdaten und Fed-Entscheidungen und dem langfristigen Treiber, den Unternehmensgewinne darstellen.
Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten. Die Analyse liefert eine historische Einordnung, keine Prognose für die nächsten Monate.
Ausblick
Der S&P 500 verfügt über eine lange Historie darin, seinen Anlegern starke Renditen zu generieren. Wer weiß schon, wie die nächsten 100 Jahre aussehen werden, heißt es in der Analyse – aber die Chancen stünden sehr gut, dass der Vanguard S&P 500 ETF weiterhin solide Gesamtrenditen für jeden erzeugen wird, der bereit ist, langfristig zu halten und der Versuchung zu widerstehen, bei fallenden Märkten zu verkaufen.
Kurzfristig bleibt die Ausgangslage anspruchsvoll: Das Gewinnwachstum von 29 Prozent im Jahresvergleich ist laut Quelle nicht nachhaltig, und die Rahmenbedingungen mit Inflation über 3 Prozent, Ölpreisen über 100 Dollar pro Barrel und hohen langfristigen Zinsen sind fordernd. Die langfristige Perspektive für die US-Wirtschaft wird dennoch positiv bewertet.
Kurz erklärt
- Bärenmarkt: Eine länger anhaltende Phase deutlich fallender Aktienkurse.
- Gesamtrendite: Die Wertentwicklung einer Anlage inklusive reinvestierter Dividenden, nicht nur die reine Kursveränderung.
- Kostenquotient: Die laufenden Kosten eines Fonds, ausgedrückt als jährlicher Prozentsatz des angelegten Vermögens.
