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US-LNG-Dominanz: Neue Abhängigkeit für deutsche Gasimporteure

Deutschland hat seine Energieversorgung diversifiziert, doch bei Flüssigerdgas dominieren die USA mit 96 Prozent der Importe. Trump nutzt diese Position als geostrategischen Hebel.

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US-LNG-Dominanz: Neue Abhängigkeit für deutsche Gasimporteure

Nach dem Schock der russischen Gasabhängigkeit schwor sich Deutschland 2022, nie wieder in eine solche Energiefalle zu tappen. Die Diversifizierung sollte die Lösung sein. Doch die Realität zeigt ein paradoxes Bild: Bei Flüssigerdgas (LNG) stammen laut BDEW-Daten 96 Prozent der deutschen Importe aus den USA.

Neue Abhängigkeit trotz Diversifizierung

Das direkt importierte LNG macht zwar nur 10,3 Prozent der gesamten Gasimporte aus. Doch wenn Deutschland LNG kauft, kommt es fast ausschließlich aus Amerika. Für die gesamte EU liegt der US-Anteil bei rund 45 Prozent, mit steigender Tendenz. Eurostat verzeichnet einen Anstieg von 24 auf 60 Prozent zwischen Anfang 2021 und Q3 2024.

Donald Trump hält damit einen mächtigen Hebel in der Hand. Ähnlich wie Putin zuvor kann er Energie als geostrategische Waffe einsetzen. Die EU hat sich durch massive Abnahmeversprechen selbst in diese Position manövriert: Bis 2028 sollen US-Energieprodukte im Wert von 750 Milliarden Dollar gekauft werden.

Deutsche Importinfrastruktur auf Hochtouren

Deutschland importierte 2024 insgesamt 1.031 Terawattstunden Gas. Der Großteil fließt über Pipelines aus Norwegen, den Niederlanden und Belgien. Vier schwimmende LNG-Terminals sind mittlerweile in Betrieb: zwei in Wilhelmshaven, je eines in Brunsbüttel und bei Mukran.

Diese Terminals sollen als Puffer dienen, wenn Speicher nicht ausreichend gefüllt sind oder Pipeline-Importe stocken. Die Infrastruktur steht – doch die Abhängigkeit von US-Lieferanten wächst.

RWE und Uniper binden sich langfristig

Die Machtverhältnisse manifestieren sich in konkreten Verträgen: RWE schloss vergangene Woche einen 20-Jahres-Deal mit dem US-Unternehmen Glenfarne über 1,4 Milliarden Kubikmeter jährlich ab. Bereits 2022 hatte RWE einen Vertrag mit Sempra über 2,25 Millionen Tonnen LNG pro Jahr aus Texas unterzeichnet.

Uniper, Deutschlands größter Gasimporteur, sicherte sich Lieferungen von Woodside – einem australischen Konzern, dessen Verträge sich jedoch auf das US-Projekt Louisiana LNG beziehen. Auch hier profitieren amerikanische Interessen.

Katar zögert, Australien exportiert nach Asien

Alternativen sind rar. Katar baut zwar seine Kapazitäten massiv aus, zögert aber bei langfristigen EU-Verträgen. Der Besuch von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) brachte keine Durchbrüche. Die Katarer bevorzugen 30-Jahres-Verträge mit China und fürchten preisliche Unwägbarkeiten in Europa.

Australisches LNG fließt hauptsächlich nach Japan, China und Korea. Die für Europa verfügbaren Spotmarkt-Mengen sind begrenzt. Zudem diskutiert Australien selbst Exportbeschränkungen wegen befürchteter Eigenversorgungsengpässe.

Heimische Förderung bleibt Tropfen auf heißem Stein

Die deutsche Gasförderung erreichte 2025 nur 34 Terawattstunden – bei Importen von 1.031 Terawattstunden. Der BDEW beziffert den Inlandsanteil auf magere zwei Prozent.

Projekte wie die geplante Förderung von 2,5 Milliarden Kubikmetern vor Borkum durch One-Dyas oder Aktivitäten von Vermilion und Neptune Energy in Niedersachsen können kommerziell erfolgreich sein. Die Versorgungssicherheit Deutschlands werden sie jedoch nicht grundlegend verbessern.

Strategisches Dilemma für Europa

Die EU-Regulierungsbehörde ACER stellte fest: Die USA haben ihre LNG-Förderkapazitäten in fünf Jahren verdoppelt. Trumps Dekret "Unleashing American Energy" macht deutlich, dass Energie als Machtinstrument dient – gegen einen Kontinent, der sich vom russischen Gas löste, nur um sich an amerikanisches zu ketten.

Das Oxford Institute for Energy Studies und die Hanns Seidel Stiftung bringen es auf den Punkt: "Die USA wurden sowohl als zentrale Säule der EU-Energiesicherheit als auch als Risikoquelle angesehen." Derzeit überwiegt eindeutig das Risiko.

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