Shell und Mitsubishi erwägen Verkauf von LNG-Canada-Anteilen
Shell und Mitsubishi prüfen den Verkauf ihrer Beteiligungen am 28,8 Milliarden Dollar schweren LNG-Canada-Projekt. Shell könnte bis zu 30% des Gesamtprojekts veräußern.

Der britisch-niederländische Energiekonzern Shell und der japanische Mischkonzern Mitsubishi Corporation erwägen den Verkauf ihrer Anteile am LNG-Canada-Projekt. Das berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf drei mit der Angelegenheit vertraute Quellen. Das Flüssigerdgas-Projekt in British Columbia hat einen Gesamtwert von umgerechnet 28,8 Milliarden US-Dollar.
Shell, der größte Anteilseigner mit 40 Prozent, hat nach Informationen von Reuters die Investmentbank Rothschild & Co beauftragt, potenzielle Käufer zu sondieren. Der Konzern könnte bis zu drei Viertel seiner Beteiligung verkaufen, was 30 Prozent des Gesamtprojekts entsprechen würde. Für einen solchen Deal müssten Käufer rund 15 Milliarden Dollar aufbringen, einschließlich Eigenkapital, Schulden und Kapitalbedarf für die geplante Phase 2.
Mitsubishi prüft ebenfalls Verkaufsoptionen
Mitsubishi, das 15 Prozent an LNG Canada hält, hat die RBC Capital Markets mit der Prüfung von Verkaufsoptionen beauftragt. Die Beratungen befinden sich jedoch noch in einem frühen Stadium, und ein möglicher Verkaufsprozess würde erst später im Jahr 2025 beginnen. Wie viel von seinem Anteil Mitsubishi veräußern könnte, ist noch unklar.
Die Quellen betonten gegenüber Reuters, dass die Verkäufe nicht garantiert seien. Shell lehnte eine Stellungnahme ab, während Mitsubishi außerhalb der japanischen Geschäftszeiten nicht erreichbar war. LNG Canada verwies Anfragen an die beiden Anteilseigner.
Strategische Neuausrichtung nach Produktionsstart
Die Verkaufsüberlegungen erfolgen zu einem Zeitpunkt, an dem die Eigentümer eine mögliche Erweiterung des Projekts prüfen. LNG Canada nahm im Juni 2024 die Produktion auf und ist die erste große LNG-Anlage in Nordamerika mit direktem Zugang zur Pazifikküste. Bei voller Auslastung kann Phase 1 jährlich 14 Millionen Tonnen Flüssigerdgas exportieren.
Allerdings kämpft das Projekt mit betrieblichen Problemen. Die zweite Verarbeitungseinheit, Train 2 genannt, war im Dezember außer Betrieb – fast einen Monat nach ihrer Inbetriebnahme. Shell teilte potenziellen Bietern mit, dass das Unternehmen einen 30-jährigen Gasliefervertrag mit dem Terminal aufrechterhalten werde.
Erfolgreicher Teilverkauf von Petronas
Die Schritte von Shell und Mitsubishi folgen einem erfolgreichen Teilverkauf durch einen anderen Anteilseigner. Im Dezember schloss MidOcean, unterstützt von der Investmentgesellschaft EIG und Saudi Aramco, eine Vereinbarung zum Kauf eines Fünftels des Petronas-Joint-Ventures ab, das 25 Prozent an LNG Canada hält.
Weitere Anteilseigner sind PetroChina mit 15 Prozent und die Korea Gas Corporation mit 5 Prozent. Das Projekt in Kitimat, British Columbia, profitiert von einem Kostenvorteil, da kanadisches Erdgas konstant unter dem US-Referenzpreis Henry Hub gehandelt wird.
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Zur AktienanalyseMarktumfeld und Zukunftspläne
Die Verkaufsüberlegungen erfolgen vor dem Hintergrund von Befürchtungen über ein globales Überangebot an Flüssigerdgas. Energy Transfer setzte im Dezember die Entwicklung seiner LNG-Exportanlage Lake Charles in Louisiana aus. Dennoch arbeiten Shell und seine Partner auf eine endgültige Investitionsentscheidung für Phase 2 hin, die bereits 2025 getroffen werden könnte und die Kapazität verdoppeln würde.
Shell, der weltweit größte LNG-Händler, strebt in den nächsten fünf Jahren eine jährliche Steigerung der LNG-Verkäufe um 4 bis 5 Prozent an. Große Investmentgesellschaften und Infrastrukturfonds gelten als bereitwillige Käufer solcher Beteiligungen, da sie die stabilen Einnahmen der Projekte schätzen. Entwickler großer Infrastrukturprojekte reduzieren ihre Anteile häufig nach Produktionsbeginn, um Gewinne zu realisieren und Kapital in neue Vorhaben zu reinvestieren.


