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US-Arbeitsmarktbericht Mai: Experten schließen Zinssenkungen aus

Der starke US-Jobsbericht für Mai überraschte mit 172.000 neuen Stellen und verändert die Zinserwartungen grundlegend.

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US-Arbeitsmarktbericht Mai: Experten schließen Zinssenkungen aus

Der US-Arbeitsmarktbericht für Mai hat die Wall Street am Freitag in Aufruhr versetzt. Das Bureau of Labor Statistics meldete einen Anstieg der Beschäftigtenzahlen außerhalb der Landwirtschaft um 172.000 Stellen – weit mehr als die erwarteten 85.000. Die Arbeitslosenquote blieb unverändert bei 4,3 Prozent.

Besonders bemerkenswert: Die Beschäftigungsdaten für März und April wurden nachträglich um insgesamt 93.000 Stellen nach oben korrigiert. Damit setzt sich eine Reihe positiver Arbeitsmarktindikatoren fort, die in dieser Woche veröffentlicht wurden.

Märkte reagieren mit Renditesprung und Kursverlusten

Die Reaktion an den Finanzmärkten ließ nicht lange auf sich warten. Händler erhöhten nach Bekanntgabe der Daten ihre Erwartungen für Zinserhöhungen in diesem Jahr. US-Staatsanleihen verzeichneten starke Verkäufe, was die Renditen von Treasuries in die Höhe trieb. Die Wall Street gab am Freitag nach – teilweise als direkte Reaktion auf diesen Renditesprung.

Der starke Arbeitsmarkt signalisiert laut Analysten, dass der Teil des dualen Mandats der Federal Reserve, der die Vollbeschäftigung betrifft, unter Kontrolle ist. Angesichts weiterhin hoher Ölpreise und zunehmendem Preisdruck rückt damit die Inflationsbekämpfung stärker in den Fokus der Notenbank.

Ökonomen: Rezessionsdiskussion vom Tisch

Justin Wolfers, Professor für öffentliche Ordnung und Wirtschaft an der University of Michigan, zieht ein klares Fazit: „Der Arbeitsmarkt scheint nach einem schwachen Jahr 2025 wieder auf Hochtouren zu laufen – mit durchschnittlich +188.000 Stellen in den letzten drei Monaten. Der entscheidende Punkt ist: Wenn der Arbeitsmarkt so aussieht, kann man die Rezessionsdiskussion vom Tisch wischen." Wolfers betont zudem, dass Fed-Chef Kevin Warsh trotz Druck von Präsident Trump die Zinsen nicht senken werde: „Es wird in absehbarer Zeit keine Zinssenkungen geben, egal was der Präsident – oder sein Beauftragter – wollen."

Joseph Brusuelas, Chefökonom bei RSM US, sieht den Bericht als Stabilisierungssignal nach einem schwierigen Zeitraum. Zwischen Juni 2025 und Februar 2026 hatte der US-Arbeitsmarkt netto 42.000 Stellen verloren. Unter normalen Umständen würde die aktuelle Stabilisierung eine Diskussion über Zinssenkungen auslösen – doch Brusuelas warnt: „Angesichts der Ungewissheit über den Iran-Krieg sowie eines komplexen Inflationsbildes ist es schwierig, ein Bild eines stetigen Fortschritts zum Wohlstand für den durchschnittlichen Arbeitnehmer zu zeichnen." Er hält Zinserhöhungen bereits im Sommer für möglich, sollte die Gesamtinflation auf die Kernpreise durchschlagen.

Mehrere Ökonomen erwarten Zinserhöhungen

Diane Swonk, Chefökonomin bei KPMG US, beobachtet, dass die Verbesserung am Arbeitsmarkt zusammen mit hartnäckiger Dienstleistungsinflation den Falken in der Federal Reserve Auftrieb gibt. „Zinserhöhungen werden von einigen als 'bald' eintretend vorhergesagt", so Swonk. Ihre eigene Prognose: zwei Zinserhöhungen in der zweiten Jahreshälfte 2026.

Bill Adams, Chefökonom bei der Fifth Third Commercial Bank, sieht das Arbeitsangebot als wachsendes strukturelles Problem. Im Basisszenario – ohne Energiekrise und ohne eine durch KI ausgelöste Jobvernichtung – könnten Engpässe beim Arbeitsangebot in der zweiten Jahreshälfte 2026 die Inflationsschocks als Hauptsorge der Fed ablösen. Dies könnte die Notenbank dazu drängen, die Zinsen im Laufe des Jahres anzuheben.

Jeffrey Roach, Chefökonom bei LPL Financial, mahnt zur Vorsicht. Er erwartet im nächsten Quartal eine Verlangsamung des Absatzes und der Geschäftstätigkeit, was zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit führen könnte. Als wichtige Beobachtungskategorie nennt er Arbeitsplätze im Einzelhandel, insbesondere in den Bereichen Heimtextilien und Warehouse-Clubs. Zudem warnt er vor möglichen Auswirkungen der Energiemarktvolatilität auf die Arbeitsnachfrage, falls der Iran-Konflikt bis in den Sommer anhält.

Optimistischere Stimmen: Kein Stagflations-Szenario

Chris Zaccarelli, Chief Investment Officer bei Northlight Asset Management, bewertet den Bericht positiv: „Der Arbeitsmarktbericht heute Morgen war perfekt – ein Beschäftigungswachstum, das besser als erwartet ausfiel, und durchschnittliche Stundenlöhne, die genau den Erwartungen entsprachen." Er sieht die Möglichkeit eines idealen wirtschaftlichen Gleichgewichts, sofern die Inflation unter Kontrolle bleibt – auch angesichts der Störungen in der Straße von Hormus.

Jamie Cox, geschäftsführender Gesellschafter bei Harris Financial, widerspricht dem Stagflations-Narrativ ebenfalls: „Es ist sehr schwierig, an einem Stagflations-Narrativ festzuhalten, wenn Wachstum und Beschäftigung steigen." Zur viel diskutierten Frage der KI-bedingten Jobverluste stellt er nüchtern fest: „KI mag irgendwann Arbeitsplätze vernichten, aber dieser Zeitpunkt ist noch nicht gekommen."

Der Konsens unter den Experten ist damit klar: Der starke Arbeitsmarkt macht Zinssenkungen in naher Zukunft unwahrscheinlich. Die entscheidende Frage für Anleger ist nun, ob die Fed angesichts hartnäckiger Inflation und geopolitischer Unsicherheiten tatsächlich zu Zinserhöhungen gezwungen wird.

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