Starker US-Jobsbericht macht Fed-Zinssenkungen vorerst unmöglich
172.000 neue Stellen im Mai erschweren Lockerung der Geldpolitik – neuer Fed-Chef Warsh steht intern unter Druck.

Ein überraschend starker US-Arbeitsmarktbericht für Mai hat die Hoffnungen auf baldige Zinssenkungen der Federal Reserve nahezu zunichte gemacht. Die Wirtschaft außerhalb der Landwirtschaft schuf im Mai 172.000 neue Stellen – ein Wert, der die Erwartungen übertraf und durch deutliche Aufwärtsrevisionen der Vormonate noch verstärkt wurde. Damit schwinden die Argumente für eine geldpolitische Lockerung weiter, zumal die Inflation hoch bleibt und der Iran-Krieg zusätzliche Unsicherheit schürt.
Die Aussichten auf Zinssenkungen hingen bereits vor der Veröffentlichung des Berichts am seidenen Faden. Der neue starke Datenpunkt bestätigt nun, dass die Fed vorerst keinen Spielraum für eine Kehrtwende hat. Für Privatanleger bedeutet dies: Das Zinsumfeld bleibt auf absehbare Zeit restriktiv, was Anleihen, Immobilien und wachstumsorientierte Aktien weiterhin unter Druck setzt.
Interner Widerstand gegen Fed-Chef Warsh
Das eigentliche Dilemma für den neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh geht jedoch über die reine Zinsfrage hinaus. Mehrere seiner Kollegen im Offenmarktausschuss stellen nicht nur seine Positionen infrage, sondern auch den grundlegenden Rahmen, durch den die Notenbank Inflation, Wachstum und die angemessene Ausrichtung der Geldpolitik bewertet. In den vergangenen Tagen haben sich mehrere Notenbankvertreter öffentlich geäußert und dabei – ohne Warsh namentlich zu nennen – zentrale seiner geldpolitischen Annahmen angegriffen.
Gouverneur Christopher Waller äußerte die Sorge, dass Verbraucher und Märkte ihre Inflationserwartungen nach oben verschieben könnten – ein entscheidender Faktor für die künftige Geldpolitik. Alberto Musalem, Präsident der Fed von St. Louis, widersprach Warshs These, dass künstliche Intelligenz und die damit verbundenen Produktivitätsgewinne eine dämpfende Wirkung auf die Inflation haben würden. Musalem warnte, es sei „riskant, sich auf die Aussicht auf ein höheres Produktivitätswachstum in der Zukunft zu verlassen, um unser heutiges Inflationsproblem zu lösen."
Streit um die richtige Inflationsmessung
Besonders bemerkenswert ist der Widerspruch von Lorie Logan, Präsidentin der Fed von Dallas. Warsh hatte argumentiert, sogenannte „getrimmte Mittelwerte" – Inflationsmaße, die die höchsten und niedrigsten Ausreißer herausrechnen – zeigten, dass die Inflation dem 2-Prozent-Ziel der Fed deutlich näher sei als die Gesamtdaten vermuten lassen. Dieser Ansatz ist besonders relevant, wenn steigende Energiepreise die Gesamtinflation überproportional nach oben treiben.
Logan warnte nun faktisch vor einer Überbewertung genau jenes Indikators – obwohl ihre eigene Fed von Dallas den meistbeachteten getrimmten Mittelwert veröffentlicht. Die Zahlen verdeutlichen den Kern des Streits: Der getrimmte Mittelwert für April wies eine Inflationsrate von 2,3 Prozent aus – weit unter der Gesamtrate von 3,8 Prozent und der Kernrate von 3,3 Prozent (ohne Nahrungsmittel und Energie).
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Zur AktienanalyseGouverneurin Michelle Bowman brachte unterdessen eine differenzierte Position ein: Die Fed solle nicht überreagieren, falls es sich bei dem aktuellen Preisauftrieb lediglich um einen vorübergehenden Energieschock handele. Bowman erklärte zudem, sie sei damit einverstanden, wie die Fed in ihrem Kommuniqué nach den Sitzungen kommuniziert.
Die öffentlichen Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Fed sind ungewöhnlich offen und zeigen, wie komplex die Lage für Warsh ist. Er muss nicht nur die richtige geldpolitische Entscheidung treffen, sondern auch intern Konsens herstellen – in einem Umfeld, das von hartnäckiger Inflation, geopolitischen Risiken und einem robusten Arbeitsmarkt geprägt ist. Für Anleger bleibt die Botschaft klar: Mit raschen Zinssenkungen ist in den USA vorerst nicht zu rechnen.


