Trump unterstützt Graham in engem Senatswahlkampf in South Carolina
Trump reist nach South Carolina, während Sanktionsstreit um Russland die Partei belastet.

Präsident Donald Trump reist am Mittwoch nach South Carolina, um die Republikanerin Darline Graham in einem überraschend engen Senatswahlkampf zu unterstützen. Der Wahlkampfauftritt an der Clemson University findet weniger als zwei Wochen vor der Wahl am 3. November statt. In den Umfragen liegt Darline Graham gegen die Demokratin Annie Andrews nahezu auf Augenhöhe – ein deutliches Warnsignal für die Republikaner.
Die Entwicklung ist bemerkenswert, denn die Republikaner gewinnen in South Carolina traditionell deutlich. Als Gründe für den Gegenwind nennt die Quelle hohe Benzinpreise und den Krieg im Iran. Diese Faktoren belasten die Partei von Trump landesweit, während sie versucht, die Kontrolle über den US-Senat und das Repräsentantenhaus zu behalten.
Für Graham kommt der Auftritt zu einem persönlich komplizierten Zeitpunkt. Trump hatte letzte Woche Sanktionen gegen Russland ausgesetzt, die ihr Bruder Lindsey Graham – ein führender republikanischer Befürworter der Ukraine – in den Monaten vor seinem Tod noch aktiv vorangetrieben hatte. Darline Graham übernahm den Sitz ihres Bruders nach dessen unerwartetem Tod im Juli aufgrund einer Herzerkrankung. Trump hatte Lindsey Graham zu seinen engsten Verbündeten und außenpolitischen Beratern gezählt und sich schnell für die Kandidatur von Darline Graham für eine volle sechsjährige Amtszeit ausgesprochen, was Spannungen mit anderen republikanischen Interessenten auslöste.
Sanktionsstreit belastet das Verhältnis
Obwohl Graham Trump generell unterstützt, erklärt sie offen, dass sie mit dem Präsidenten in der Sanktionsfrage nicht übereinstimme. „Persönlich würde ich es vorziehen, Druck auf Russland auszuüben, um den Krieg zu beenden und die Gaspreise zu senken", sagte sie am Samstag gegenüber der Associated Press. „Ich traue Putin nicht und ich traue Russland nicht", fügte sie hinzu.
Trump hat sich bislang geweigert, den russischen Präsidenten Wladimir Putin für den von ihm begonnenen Krieg zu bestrafen. Stattdessen baut er Druck auf die Ukraine auf, um Moskau Zugeständnisse abzunötigen, damit der Konflikt endet. „Die Ukraine muss diesen Krieg beenden wollen", sagte Trump am Dienstag im Weißen Haus. „Wir wollen, dass (ukrainischer Präsident Wolodymyr) Selenskyj einen Deal macht."
Der enge Ausgang in einem eigentlich sicheren Republikaner-Staat sorgt auch innerhalb der Partei für Aufmerksamkeit. „Dass er wenige Tage vor der Wahl nach South Carolina kommt, zeigt, wie knapp der Ausgang der Wahl sein wird", sagte die US-Abgeordnete Nancy Mace, eine Republikanerin aus South Carolina. Unabhängige Gruppen außerhalb der Republikanischen Partei strömen Geld in den Staat, in dem bereits früh gewählt wird. Laut einer Analyse der Reuters über bundesweite Wahlkampffinanzierungen haben sie seit dem 1. Oktober 9,7 Millionen Dollar ausgegeben, um Graham zu unterstützen oder Andrews, eine Kinderärztin, anzugreifen.
Im Gegensatz dazu wurden im selben Zeitraum nur 240.000 Dollar für den Senatswahlkampf im benachbarten North Carolina ausgegeben. Dort hat der Demokrat Roy Cooper trotz der früheren Siege von Trump in allen drei seiner Präsidentschaftskampagnen in diesem Staat einen klaren Vorsprung vor dem Republikaner Michael Whatley aufgebaut.
Knappe Mehrheiten und Apathie an der Basis
Trumps dreißigtägige Kampagne konzentrierte sich weitgehend auf Gebiete, die er in vergangenen Wahlen klar gewonnen hat. Das unterstreicht die Herausforderungen für die Republikaner. Die neueste Reuters/Ipsos-Umfrage, veröffentlicht am Montag, ergab, dass nur 31 Prozent der Amerikaner die Leistung von Trump im Amt befürworten – ein Rekordtief für den Präsidenten. Die Demokraten benötigen einen Nettozuwachs von vier Sitzen sowohl im Repräsentantenhaus als auch im Senat, um die knappen republikanischen Mehrheiten von 218 zu 214 beziehungsweise 53 zu 47 umzukehren.
Rob Godfrey, ein republikanischer Stratege in South Carolina, glaubt dennoch, dass Graham letztlich gewinnen werde – obwohl der Wahlkampf „enger ist, als einige in einem Staat wie South Carolina erwarten würden, dank einer Vielzahl von Faktoren, einschließlich eines schwierigen nationalen Umfelds". Mace betonte, Trump müsse seine treuesten Unterstützer davon überzeugen, zur Wahl zu gehen. „Wenn Apathie bei der Basis herrscht und sie nicht erscheinen, gewinnen die Republikaner nicht", sagte sie.
Für deutsche Beobachter ist die Entwicklung ein Indikator für die politische Lage in den USA: In einem Staat, den Trump 2024 mit fast 18 Prozentpunkten gewann, gilt der Senatssitz laut unparteiischen Analysten dennoch entweder als wahrscheinlich republikanisch oder als tendenziell republikanisch. Die Demokraten haben in South Carolina seit 1998 keine US-Senatswahl mehr gewonnen, als Ernest „Fritz" Hollings, der den Sitz fast 40 Jahre lang innehatte, seine letzte Amtszeit gewann.
