Trump senkt kanadische Zölle nach Druck von Republikanern
US-Präsident Trump hebt 50-Prozent-Zölle auf kanadische Agrar- und Forstwaren auf – kurz vor den Halbzeitwahlen.

US-Präsident Donald Trump wird Zölle auf eine Reihe kanadischer Waren drastisch senken, die mit der Landwirtschaft und der Forstwirtschaft verbunden sind. Der Schritt folgt auf Kampagnen von Republikanern, die sich in harten Wahlkämpfen zur Halbzeit der Legislaturperiode befinden. Im Zentrum steht die Abschaffung von Abgaben in Höhe von 50 Prozent auf Produkte, die für die landwirtschaftlichen Industrien der US-Bundesstaaten von entscheidender Bedeutung sind.
Zu den befreiten Gütern gehören verschiedene Arten von Maschinen sowie Verpackungs-, Paket- und Kunststoffkisten. Mit der Maßnahme versucht die Regierung, den Druck auf US-Bundesstaaten zu lindern, deren Wirtschaft eng mit der Kanadas verflochten ist. Die Änderungen treten am 30. Oktober in Kraft.
Die Entwicklung fällt in einen Zeitraum, in dem Republikaner in engen Senatswahlen zur Halbzeit der Legislaturperiode – darunter in Maine, Michigan und New Hampshire – den Handelskrieg des Präsidenten kritisieren. Sie grenzen sich damit von der allgemeinen Preissteigerungskrise ab, die ihre Aussichten bei den Wahlen schmälert. Umfragen zeigen, dass die Amerikaner vor weniger als zwei Wochen den Halbzeitwahlen tief besorgt über Inflation und Lebenshaltungskosten sind, wobei Zölle ein unbeliebter Teil von Trumps Wirtschaftspolitik sind.
Die Details
Die prominenteste Stimme gegen die Abgaben ist Senatorin Susan Collins, eine Republikanerin in fünfter Amtszeit, die in Maine um ihr politisches Überleben kämpft. Sie erklärte, die kanadischen Güter, die von den Abgaben befreit werden, seien „ein wesentlicher Bestandteil“ der Wirtschaft Maines. „Viele unserer Landwirte und Erzeuger sind auf spezialisierte Ausrüstung, Verpackungsmaterialien und andere Produkte aus Kanada angewiesen, die entweder von amerikanischen Lieferanten nicht verfügbar sind oder nicht ersetzt werden können, ohne erhebliche Kosten zu verursachen“, sagte sie in einer Erklärung zur Aufhebung der Zölle.
Collins ist eine von wenigen republikanischen Gesetzgebern, die Trumps Zölle öffentlich kritisiert haben. Die Abgaben – ein Kernstück von Trumps Wirtschaftspolitik – sind in ihrem Heimatstaat zu einem politischen Handicap geworden. Auch Mike Rogers, der republikanische Senatskandidat in Michigan, hat gegen die Zölle des Präsidenten geworben und Wahlwerbemaßnahmen geschaltet, die sich gegen Abgaben auf kanadische Waren richten. In New Hampshire kritisierte der US-Senatskandidat John Sununu wiederholt den Handelskrieg des Präsidenten und sagte, der Kongress sollte „einige Macht zurückgewinnen“.
In einem am Freitag veröffentlichten Faktenblatt teilte das Weiße Haus mit, dass stattdessen Zölle auf andere kanadische Waren erhoben würden, einschließlich Ventile, Teppiche und Abfallprodukte. Die Änderungen treten am 30. Oktober in Kraft.
Derek Nighbor, Präsident der Forest Products Association of Canada, erklärte, dass die Streichung einer begrenzten Anzahl von Holzprodukten von der Zollliste das größere Problem nicht löse. Er sagte: „Kanadisches Bauholz, Möbel, Küchenschränke und andere Holzprodukte bleiben weiterhin in einem wachsenden Netz aus US-Abgaben und Zöllen gefangen, das die Kosten für amerikanische Verbraucher erhöht und Unsicherheit für Unternehmen und Arbeiter auf beiden Seiten der Grenze schafft.“ Weiter erklärte er: „Wir prüfen die neuesten Ergänzungen, um ihre volle Wirkung zu verstehen, aber das breitere Problem ist klar: Die integrierte Wirtschaft Nordamerikas benötigt stabilen, regelbasierten Handel, nicht ständig wechselnde Zölle.“
Kanada ist ins Visier von Trump geraten, während er in seiner zweiten Amtszeit einen globalen Handelskrieg führt, oft mit Drohungen großer Zölle gegenüber dem nördlichen Nachbarn der USA und scharfen Angriffen auf die Führung in Ottawa. Im Juli kündigte Trump an, Kanada mit neuen Abgaben in Höhe von 50 Prozent auf eine begrenzte Liste von Waren zu belegen, aufgrund dessen, was Washington als unfaire Handelspraktiken bezeichnete. Die Verwaltung stützte die Zölle auf Abschnitt 338 des Zollgesetzes von 1930, der noch nie verwendet wurde, um Abgaben gegenüber Handelspartnern zu erheben. Trump hatte zuvor nationale Sicherheitszölle in Höhe von 50 Prozent auf Stahl und Aluminium verhängt, die aus den meisten Handelspartnern der USA importiert wurden.
Die Canadian Federation of Agriculture kommentierte: „Zollerleichterungen sind willkommen, aber Landwirte benötigen dauerhafte Sicherheit.“ Sie ergänzte: „Die Abschaffung aller kürzlich verhängten Zölle und Vergeltungsmaßnahmen, die die Landwirtschaft betreffen, würde Landwirte auf beiden Seiten der Grenze unterstützen und dazu beitragen, Lebensmittel erschwinglich zu halten.“
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 13.02.2026 berichtete aktien.news, dass die Trump-Administration eine teilweise Rücknahme der umstrittenen Zölle auf Stahl- und Aluminiumprodukte erwägt. Damals hieß es unter Berufung auf Regierungskreise, Beamte des Handelsministeriums und des US-Handelsbeauftragten arbeiteten an einer Überprüfung der betroffenen Produktliste. Hintergrund waren wachsende Bedenken über die Auswirkungen der Abgaben auf die Verbraucherpreise; die Zölle, die Trump im vergangenen Jahr auf bis zu 50 Prozent erhöht hatte, trafen mehr als 400 Produkte – von Kuchenformen über Lebensmitteldosen bis hin zu Windkraftanlagen und schweren Baumaschinen.
Am 24.10.2026 meldete aktien.news, dass die US-Regierung unter Präsident Donald Trump einen Teil ihrer 50-prozentigen Zölle auf kanadische Waren aufhebt. Wie das Weiße Haus am Freitag mitteilte, werden ab dem 30. Oktober Abgaben auf Produkte wie „Sperrholzplatten, einige Papierprodukte, bestimmte Maschinen und Kühlgeräte“ gelockert. Der Schritt erfolgt weniger als zwei Wochen vor den US-Halbzeitwahlen, bei denen entschieden wird, ob Trumps Republikanische Partei oder die Demokraten den Kongress kontrollieren – und damit die verbleibenden zwei Jahre seiner Amtszeit prägen.
Ebenfalls am 24.10.2026 berichtete aktien.news, dass die Trump-Regierung Zollbefreiungen für einige kanadische Importe gewährt und damit implizit einräumt, dass die markenzeichenhafte Handelspolitik des Präsidenten den republikanischen Kandidaten bei der Halbzeitwahl am 3. November schaden könnte. Zu den aufgehobenen Abgaben gehören Zölle in Höhe von 50 Prozent auf bestimmte landwirtschaftliche Produkte, die erhoben worden waren, nachdem Kanada Ende August aus den Handelsverhandlungen mit der Trump-Regierung ausgestiegen war. Umfragen deuteten darauf hin, dass die Demokratische Partei gute Chancen hat, Mehrheiten im Repräsentantenhaus und im Senat zu erringen.
Ein weiterer Bericht vom 24.10.2026 stellte fest, dass die republikanische US-Senatorin Susan Collins bekannt gab, dass neun Produktkategorien von den Zöllen auf kanadische Waren ausgenommen werden. Diese Kategorien seien für die landwirtschaftlichen Industrien ihres Bundesstaates Maine von entscheidender Bedeutung. Der Schritt gehe auf wiederholte Lobbybemühungen der Senatorin gegenüber Beamten der Trump-Administration zurück. Collins gehört dem Senat bereits in fünfter Amtszeit an und wirbt nun mit ihrem Teilerfolg gegen die Importabgaben.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Meldung vor allem ein Signal für die politische Dynamik in Washington. Die Zollsenkung zeigt, dass der Handelskrieg des Präsidenten unter dem Druck des eigenen Wahlkalenders an Kontur verliert – zumindest punktuell. Die Entlastung betrifft ausdrücklich Branchen, deren Lieferketten eng mit Kanada verflochten sind, etwa Landwirtschaft und Forstwirtschaft.
Zugleich bleibt die Maßnahme selektiv. Das Weiße Haus erhebt im Gegenzug Zölle auf andere kanadische Waren wie Ventile, Teppiche und Abfallprodukte. Aus der kanadischen Forstwirtschaft kam entsprechend Kritik: Bauholz, Möbel und Küchenschränke blieben weiterhin in einem wachsenden Netz aus US-Abgaben gefangen. Die Canadian Federation of Agriculture verlangte die vollständige Abschaffung aller kürzlich verhängten Zölle und Vergeltungsmaßnahmen, um Landwirte auf beiden Seiten der Grenze zu unterstützen und Lebensmittel erschwinglich zu halten.
Wer in US-Aktien oder in Unternehmen mit Nordamerika-Exposure investiert ist, sollte die weitere Entwicklung der Handelsbeziehungen daher genau verfolgen. Die jüngsten Schritte deuten auf eine gewisse Flexibilität hin, beseitigen die Unsicherheit über die künftige Zollpolitik aber nicht. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Ausblick
Die angekündigten Änderungen treten am 30. Oktober in Kraft. Wenige Tage später, am 3. November, finden die US-Halbzeitwahlen statt, bei denen über die Kontrolle von Repräsentantenhaus und Senat entschieden wird. Ob die Zollerleichterungen die politische Lage der Republikaner in den umkämpften Staaten Maine, Michigan und New Hampshire verbessern, bleibt offen. Die kanadische Forstwirtschaft und die Canadian Federation of Agriculture fordern über die aktuelle Maßnahme hinaus eine dauerhafte, regelbasierte Lösung für den Handel zwischen den USA und Kanada.
Kurz erklärt
- Zoll: Eine Abgabe, die ein Staat auf importierte Waren erhebt und die den Preis der eingeführten Güter verteuert.
- Halbzeitwahlen: Die Wahlen zur Mitte der Amtszeit eines US-Präsidenten, bei denen Teile des Kongresses neu bestimmt werden.
- Abschnitt 338 des Zollgesetzes von 1930: Eine bislang nie genutzte Rechtsgrundlage, auf die Washington die neuen Abgaben gegenüber Handelspartnern stützt.
