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Straße von Hormus gesperrt: DAX verliert 8% seit Iran-Krieg

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Straße von Hormus gesperrt: DAX verliert 8% seit Iran-Krieg

Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen ist auf den höchsten Stand seit 2023 geklettert – ein untrügliches Signal, dass die Finanzmärkte die Lage im Nahen Osten mit wachsender Sorge beobachten. Seit der Sperrung der Straße von Hormus vor knapp zwei Wochen stehen die Zeichen an den globalen Märkten auf Sturm.

Der Auslöser ist bekannt: Mit dem Beginn des Iran-Krieges wurde eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt blockiert. Rund 20 Prozent des weltweiten Ölhandels passieren normalerweise diesen engen Meeresweg zwischen dem Iran und der arabischen Halbinsel. Die Folge: Die Ölpreise für die Sorten Brent und WTI schossen innerhalb von zwei Wochen um rund 40 Prozent in die Höhe. Auch wenn sich die Märkte am heutigen Freitag leicht beruhigten, bleibt der Brent-Preis mit rund 100 Dollar je Barrel auf einem bedrohlich hohen Niveau.

Für den DAX bedeutet das eine schwere Belastungsprobe. Der deutsche Leitindex schloss am Freitag bei 23.447 Punkten – ein Tagesverlust von 0,6 Prozent. Im Wochenvergleich summiert sich das Minus auf moderate 0,7 Prozent, doch seit Beginn des Iran-Krieges haben sich die Verluste auf knapp acht Prozent aufgetürmt. Noch deutlicher traf es den MDAX, der mit einem Minus von 1,45 Prozent auf 28.819 Punkte aus dem Handel ging.

Vor dem Wochenende schreckte kaum ein Investor vor weiteren Engagements zurück – und das aus gutem Grund. Zwei aufeinanderfolgende Montage mit heftigen Kurseinbrüchen haben das Vertrauen der Anleger erschüttert. Die Risikoaversion ist spürbar gestiegen.

Besonders brisant ist die Lage für die Notenbanken. Die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) treffen sich kommende Woche, um über die nächsten Zinsschritte zu beraten – in einem denkbar ungünstigen Umfeld. Steigende Energiepreise befeuern die Inflation, während gleichzeitig die Konjunktursorgen zunehmen. Eine Zinserhöhung könnte das Wirtschaftswachstum abwürgen, ein Verzicht darauf die Inflation weiter anheizen.

Genau dieses Szenario beschäftigt Experten wie Emmanuel Cau, Aktienstratege bei der Barclays Bank. "Die Nervosität wächst täglich, und je länger die Straße von Hormus geschlossen bleibt, desto stärker dürften die Märkte in Richtung Stagflation tendieren", warnt Cau. Stagflation – das gefürchtete Zusammenspiel aus stagnierendem Wirtschaftswachstum und steigender Inflation – war zuletzt nach dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022 ein ernsthaftes Risiko. Cau weist jedoch auch darauf hin, dass Aktien bislang noch nicht so stark gefallen sind wie bei früheren Ölpreisschocks, und viele Experten die Sperrung noch als temporäres Phänomen einordnen.

Auch am Rentenmarkt ist die Anspannung greifbar. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen ist seit Kriegsbeginn deutlich gestiegen und notiert mittlerweile bei 2,97 Prozent – der höchste Stand seit 2023. Fallende Anleihekurse und steigende Renditen gelten als klassisches Warnsignal für erwartete Inflationsanstiege.

Auf Unternehmensebene war die Nachrichtenlage nach der Zahlenflut des Vortages überschaubar. Im DAX setzte Zalando seinen positiven Lauf nach starken Quartalsergebnissen fort und profitierte von einer Reihe positiver Analystenkommentare. Am Ende der Kursliste fanden sich Siemens Energy.

Jenseits des Atlantiks kämpft der Dow Jones ebenfalls mit der Lage. Anfängliche Erholungsgewinne bröckelten im Handelsverlauf ab. Auf Wochensicht zeichnet sich für den US-Leitindex ein Minus von rund 1,4 Prozent ab.

Ein kleiner Lichtblick kommt aus den US-Inflationsdaten: Der PCE-Index, das bevorzugte Inflationsmaß der Fed, stieg im Januar um 2,8 Prozent im Jahresvergleich – nach 2,9 Prozent im Dezember. Doch der Rückgang ist marginal. "Die Inflation ist nach wie vor hoch und hartnäckig, und mit der Möglichkeit, dass die Energiepreise in die Pipeline kommen, wird die Fed wahrscheinlich für längere Zeit in der Warteschleife bleiben", kommentierte Peter Cardillo, Ökonom bei Spartan Capital Securities. Händler rechnen inzwischen nur noch mit einer statt zwei Zinssenkungen der Fed in diesem Jahr.

Für Anleger bleibt die Lage angespannt. Solange die Straße von Hormus gesperrt bleibt, dürfte die Unsicherheit an den Märkten anhalten. Eine rasche diplomatische Lösung wäre der entscheidende Katalysator für eine Markterholung – doch danach sieht es derzeit nicht aus.

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